Was hat Internet mit Zugfahren zu tun ?
Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau erzählt unbedingt hörenswert
- von “kulturellen Ängsten gegenüber neuen Technologien”
- von “panoramatischem Sehen” und “Lesen im Zug als Symbol der Isolation”
- von gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Veränderungen durch das Internet
- vom Ende des journalistischen “Quasimonopols darauf, Öffentlichkeiten herzustellen”
- von neuen Wegen für den (Online-)Journalismus: Chancen und Risiken
- von eDemokratie: Bürgerbeteiligung über das Wahlkreuzchen hinaus
- vom Bedarf an professionellem Journalismus und professioneller Politik:
Wissensmanagement und sinnvolle Anwendung von Wissen - von der Rolle Deutschlands in der (aktuellen) Entwicklung des Internets
und vom Experimentieren und Fehlermachen…
Ragdolls ?
Ich habe 5 Katzen. Besser: 5 Katzen haben mich. Alles ganz normale (???) Hauskatzen, wie man sie zu Hauf in den Kleinanzeigen nachgeworfen kriegt – falls sie einem nicht einfach passieren.
Meine Freundin hat auch zwei solche “Passiert-Katzen”… inzwischen sind die ehemals “armen Katzenkinder” große, ausgewachsene Charakterkatzen. Bisschen schade – denn meine Freundin findet Katzenbabies so toll. Aber den Kleinanzeigen-Markt mit weiteren Katzenbabies fluten, die man dann “irgendwie an irgendwen, hauptsache los-”kriegen muss… das wollte sie bei aller Katzenbaby-Begeisterung dann doch nicht.
Vor etwa einem Jahr hat sie sich dann eine Rassekatze zugelegt – zwecks verantwortungsvoller Katzenzucht. Die Ragdoll hört auf den etwas banalen Namen Liesel und hat sich mit ihrer selbstbewussten Art bei freundlich neugieriger Grundeinstellung schnell und unkompliziert in die Hunde-Katzen-WG meiner Freundin integriert. Der Terrier darf auch gerne mal zeitweise auf die inzwischen angekommenen Katzenkinder aufpassen – da ist Liesel gar nicht hysterisch, sondern eher pragmatisch. Außerdem gelten Ragdolls aufgrund ihres Wesens ja eh als “Hunde unter den Katzen” – vielleicht haben die Kleinen einen beruhigenden Einfluss auf den Terrier? Ich hätte auch einen Terrier, der “unter guten Einfluss” müsste, aber in meiner Hunde-Katzen-WG bin ich eh schon so was von in der Unterzahl… also widersteh ich der Versuchung tapfer.
Wer sich die niedlichen Wollknäuel mal live angucken und ein “Verlieben” riskieren will, ist bei der frischgebackenen Züchterin übrigens herzlich willkommen.
Seltsam von wegen “getesteter Artikel”, aber für Interessierte ergiebig: “Testberichte” zur Rasse “Ragdoll”
Und jetzt zu den Katzenkindern:
Hier waren sie etwa 4 Wochen alt…
Inzwischen sind sie schon KatzenKINDER (zum Vergrößern klicken)
Ganz schön psycho…
No-Budget-Verfilmung einer Kurzgeschichte von Brigitte Krächan: Dream Evil
…aus dem Buch “Für Anna” / eBook (bei Amazon)
Von der Pädagogenseele geschimpft
Angefangen hat es mit diesem Artikel: “Die Jagd nach dem Schatz – so räumen Kinder ohne Knatsch ihr Zimmer auf”
Christoph Puppe wollte wissen, was ich von solchen “spielerischen Maßnahmen” halte… und zusammen mit Borg Drone hatten wir dann zu dritt eine mehrtätige, meinem Gefühl nach gute und interessante Diskussion über gesellschaftlichen Wandel, Erziehungsziele, Erziehungsstile und Erziehungspraktiken. Wer die ganze Diskussion nachlesen will: Die gibt´s hier in Google+.
Angesichts der vielen “Walls of Text”, die ich dort hinterlassen habe, ist mir klar geworden, dass ich mir zu diesem Thema dringend mal was von der Seele schreiben muss – daher nun hier mein Pädagogeninnerstes nach außen gekehrt… in Form eines Zusammenschnitts meiner Beiträge in dieser (und anderen) G+-Diskussionen.
(Kann sein, dass die folgende “Wall of Text” etwas durcheinander geht. Aber ich will meine Gedanken und Ansichten einfach mal loswerden.)
Das mit der Schatzsuche (siehe oben verlinkter Artikel) fällt für mich unter Kinderverarsche – Kinder verarschen heißt: Kinder nicht ernstnehmen. So was entsteht aus der Idee, das Kind müsste doch einsehen, dass… was auch immer. Hier halt, dass ein aufgeräumtes Zimmer doch viel toller ist. Hab ich als Kind auch nicht eingesehen.
Das heißt nicht, dass man Probleme nicht auch mal spielerisch lösen kann – manchmal ist auch einfach keine Kapazität mehr für Auseinandersetzungen übrig. Aber das sollte keine Dauerlösung sein – meine Meinung: Her mit den Konflikten, solange ich sie noch halbwegs überblicken und kontrollieren kann…
Wie gesagt – ab und zu ein Spielchen schadet sicher nicht und tut dem Familienklima gut. Aber als grundsätzliches Konliktlösungsprogramm würd ich das nicht empfehlen.
Denn mit diesem Spielchen hab ich dem Kind einfallsreich untergeschoben, was ICH für richtig halte – ohne dass es sich bewusst damit auseinandergesetzt hat. Ich finde es fairer, wenn ich das als “meine Einstellung” (kann es sich dann gerne als Vorbild nehmen) deutlich mache. Da erwarte ich auch keine Begeisterung, das Kind soll ruhig fürchterlich schimpfen, während es macht, was ich will.
Für mich ist so ein Dialog wie: “Ich will, dass du dein Zimmer aufräumst” – “Warum?” – “Weil ich das so will” immer noch das kindgerechteste. Da mach ich ganz klar, dass das Kind nicht einsehen muss, warum ich das will – also braucht es sich auch nicht irgendwie “uneinsichtig” zu fühlen, wenn seine Welt nunmal anders funktioniert. Das Problem bei dieser Art der Kommunikation ist, dass viele “Erziehungsverantwortliche” nicht ertragen können, mal (vorübergehend) der “Feind” zu sein – und von ihrem Kind lieber Einsicht (= Zustimmung und Anerkennung) wollen. Dafür ist das Kind aber nicht zuständig… von wegen “Partner”…
Kinder brauchen keine Grenzen, Kinder haben Grenzen. Und Eltern haben auch Grenzen. Und es wäre für alle Beteiligten vielleicht einfach mal gut, wenn sich die Eltern (nicht die Kinder) über die Grenzen ihrer Kinder und ihre eigenen klar werden könnten und die Verantwortung dafür übernehmen wollten, dass diese Grenzen (auch die ihrer Kinder) eingehalten werden. Und dabei sollte es Eltern egal sein, ob die Kinder Grenzen einsehen oder nicht – mit “pädagogischer Überzeugungsarbeit” und “du musst doch einsehen, dass…” versuchen Eltern meiner Meinung nach, ein Stück der Erziehungsverantwortung an ihre Kinder abzugeben. Und die Kinder sind damit natürlich überfordert – weil es zur Einsicht einfach an Lebenserfahrung fehlt.
Witzigerweise hatte ich bis jetzt mit trotzigen “Ich will nicht”-Kindern durchgehend Erfolg mit dem Hinweis “Ich weiß, dass du das nicht willst. Aber ich will es. Und deshalb wird es jetzt gemacht, sonst gibt´s Ärger” Das Zauberwort war: “Ich weiß, dass du das nicht willst.” Damit fühlen sich die Kinder anscheinend als Person ernstgenommen – und das spart ihnen “weitere Hinweise” auf den eigenen Willen. Ab einem bestimmten Alter funktioniert das mit Sicherheit nicht mehr – deshalb würd ich´s schon rechtzeitig “üben”.
Eigentlich also gut, “wenn das Kind bockt und blockt”, denn damit artikuliert es seinen Standpunkt doch deutlich (“artikulieren” heißt ja nicht zwangsweise “verbalisieren”). Kritisch wird´s meiner Meinung nach da, wo das Kind sich ohne Ausdruck seiner eigenen Meinung “in sein Schicksal” fügt – da braucht´s dann auch dringend die Unterstützung beim Artikulieren seines Willens. Ich will ja keine angepassten Kinder. Ich will Kinder, die sich trauen, anderer Meinung zu sein. Das kann ich mir leisten, wenn ich “der Chef” bin und mich (nicht meine Meinung!) durchsetzen kann.
Beim “Bocken und Blocken” kommt der Wille deutlich rüber. Und das würd ich dann auch als Ausdruck akzeptieren und nicht mit einem “Spiel” drüberhinwegmanövrieren.
Denn damit würd ich seinen Willen nicht ernstnehmen und ihm meinen Willen aufdrängen…. unterjubeln, wie auch immer. Wenn ich es offen zwinge, sein Zimmer aufzuräumen, zwing ich ihm ja nicht meinen Willen auf. Es darf seinen eigenen (Un)Willen ruhig behalten – auch wenn es in dieser Situation nach meinem Willen handeln muss. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Unter “zwing ich ihm meinen Willen auf” versteh ich, dass es dann „wollen soll“, was ich will. Aber mir reicht´s ja, wenn es macht, was ich will – auch wenn es selbst das nicht will. Ich zwinge ihm nicht meinen Willen auf – ich lasse ihm seinen. Ich kontrolliere das Verhalten des Kindes, nicht seine Einstellung zu diesem Verhalten. Die Einstellung soll es ruhig seinen Erfahrungen gemäß entwickeln.
Den Unterschied wird man vielleicht im Handeln gar nicht mal erkennen, er wird nur deutlich, wenn man sich ansieht, wie das Kind und der Erwachsene sich einerseits in der “Spielsituation”, andererseits in der “Kampfsituation” selbst und gegenseitig wahrnehmen – und vor allem darin, wie sich das Kind vom Erwachsenen wahrgenommen fühlt.
Äh – und reden würd ich in der Situation eh nicht so viel. Nur anordnen. Reden (und vor allem Zuhören) geht erst wieder, wenn der akute Konflikt aus der Welt ist.
Die Einsicht kommt dann irgendwann, oder auch nicht. Das ist okay – ein Kind muss die Dinge nicht so sehen wie ich. Kann es ja auch gar nicht, auf Basis seiner fehlenden und / oder anderen Erfahrung. Trotzdem bin ich der Chef und trage letztlich ja auch die Verantwortung. Und die würden meiner Meinung nach viele gerne an das Kind abgeben (Text: “Dann mach doch, was du willst, aber jammer nachher nicht über die Konsequenzen”) oder zumindest mit ihm teilen (Text: “Du musst doch einsehen, dass…”). Und DAS finde ich unfair und manipulativ. In dem Spielfall wär der (gedachte) Text dann etwa “Siehste, war doch gar nicht so schlimm, ich hatte recht und du warst doof, weil du nicht gleich eingesehen hast, dass mein Wille besser ist als deiner.
“Weil ich es will” schließt übrigens keine “pädagogische wertvollen” Erklärungen aus. Ich kann ja (als Vorbild) durchaus sagen “Ich will das, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass…”, “…weil ich der Meinung bin, dass…”. Was ich schrecklich finde, sind solche Erklärungen in Form von Pseudo-Ich-Botschaften wie etwa “Es macht mich ganz traurig, wenn du”… brrrr. Die Verantwortung für meine Seelenleben soll kein Kind tragen müssen.
Was vielen “emotional” von der Anerkennung ihrer Kinder abhängigen Erwachsenen an dieser Stelle nicht gelingt: Nachgeben, sobald das Kind nachgibt, auch wenn es das Verlangte mit Murren tut. Viele warten auf “Einsicht” und ziehen den Konflikt damit unnötig in die Länge. Sobald das Kind die ersten Bausteine in die Kiste räumt, kann wegen mir das “Spiel” gerne beginnen – und ich helfe dann auch beim Aufräumen und bin “Vorbild” und zeige, mit welchen Aufräumstrategien man das Chaos (vorübergehend) besiegen kann.
Mein Erziehungsziel ist dabei nicht, “Unlust” spielerisch in “Lust” umzuwandeln. Was hab ich davon, wenn ein Kind nur macht, worauf es Lust hat? Es ist nicht immer ein Animateur zur Stelle, der Volition mit Motivation ersetzt.
Mein Ziel wäre eher, dem Kind das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu vermitteln. Auch das unwillig aufgeräumte Zimmer hinterlässt ein Erfolgserlebnis und überzeugt vielleicht auch durch andere Vorteile. Mit der Zeit weiß das Kind diese Vorteile entweder auch zu schätzen oder es setzt das Aufräumen samt Ergebnis eben weiter unten in die individuelle Prioritätenliste. Jedenfalls hat es mit meiner Hilfe Strategien erworben, wie es das Ziel “aufgeräumtes Zimmer” erreichen kann, wenn es das will… wenn es also seine Einstellung zu dem entsprechenden Verhalten eventuell geändert hat.
Selbstwirksamkeit hinterlässt ein nettes Lebensgefühl – und ist vielseitiger verwendbar als Spaß am Aufräumen.
Schrecklich finde ich, dass – in meiner Wahrnehmung vor allem engagierte Eltern mit gut geförderten und deshalb verbal ziemlich fitten Kindern – ihre Kinder bei dem Versuch, sie zur Einsicht zu bewegen, mit Erklärungen tottexten. Ungeachtet der Tatsache, dass gerade bei Kindern “benutzte Sprache” und “verstandene Inhalte” eben nicht das gleiche sind, unterstellen viele Eltern ihren Kinden eine moralische Kompetenz, die die Kinder in ihrem kurzen Leben einfach noch nicht entwickelt haben können. Also bitte die Erklärungen auch an die Kinder anpassen – und gerne auch mal erst “nach der heißen Phase”.
Ich hatte vor kurzem Gelegenheit, zwei jungen, offensichtlich sehr engagierten Eltern fast eine Stunde lang bei der “Erziehung” ihres etwa 2jährigen Sprösslings zuzuhören. Dank diverser Pflichlektüren aus meiner Erzieherausbildung hätte ich zu jedem der etwa 100 Versuche, das übermüdete und deshalb überdrehte Kind zu beruhigen, eine passende Textstelle aus einem Erziehungsratgeber nennen können… Da war von “Kinder brauchen Grenzen” über “Kinder lernen aus den Folgen” bis zu der Idee “Ich mache jetzt mal eine klare Ansage” einiges vertreten… (die Ansage kam dann tatsächlich, ziemlich wort- und argumentenreich – gegenüber einem Kleinkind!) Es wurde diskutiert, verhandelt, gezappelt und geweint – ohne Erfolg, für keine der zwei (manchmal auch drei) Seiten. Und alle Beteiligten – Eltern und Kind – schienen miteinander, voneinander und von sich selbst völlig überfordert.
Mir war dringend nach einem klaren “Sitz !” in überzeugender Tonlage.
Und ja, ich übe Druck aus. Mein Favorit ist die negative Verstärkung: “Wenn du nicht xxx, dann darfst du nicht yyy”. Wichtig ist mir dabei das ” darfst du nicht”… denn ” kannst du nicht” geht mir zu sehr Richtung “Kinder lernen aus den Folgen” – von wegen “die (aufgezeigten) Konsequenzen sollen sich ganz natürlich aus dem Verhalten ergeben”. Hab ich schon paarmal probiert. Bestenfalls orakeln sich die Kinder irgendwelche Voodoo-Kausalitäten zusammen, minderbestenfalls haben sie das Gefühl, dass der Erwachsene sie auflaufen lässt und eiskalt zuguckt, wie sie sich in den “natürlichen” Konsequenzen verheddern. Das fördert weder das Vertrauen in den Erwachsenen noch ein positives Selbstkonzept… Schlimmstenfalls interpretieren sie irgendwann einen Generalzusammenhang: „Ich bin verkehrt, deshalb passieren mir so doofe Sachen und ich krieg nichts geregelt.“ Deshalb lass ich die Verantwortung für die Konsequenzen lieber schön übersichtlich bei mir… Das reduziert meiner Meinung nach den “Leistungsdruck” ganz erheblich. (Äh – und mal so nebenbei… nicht mal ich als Erwachsener schaffe es immer auf das entsprechende Reflexivitätsniveau, um alles doofe, was mir passiert, als Konsequenz auf mein eigenes Denken und Verhalten zu erkennen – und das ist gut so, sonst wär ich ja mit mir selbst komplett überfordert)
Und nein, ein angesichts negativer Verstärkungen eventuell zu befürchtetender “Gehorsam aus Angst” entsteht nicht dadurch, dass ich Konsequenzen androhe (oder auch mal meine körperliche Überlegenheit ausnutze… mit Festhalten, Irgendwohinschieben…). Angst entsteht da, wo Kinder sich physisch oder psychisch als Person abgelehnt und “bedroht” fühlen. Ich muss in Konflikten darauf achten, das Verhalten des Kindes von der “Person als Ganzes” zu trennen, und mit ein bisschen Empathie kann ich dieses Verhalten meistens auch verstehen und dieses Verständnis auch rüberbringen – und das Verhalten dabei trotzdem als verkehrt kritisieren oder ein anderes Verhalten verlangen. Es irritiert ein Kind gar nicht, wenn ich diesen Zusammenhang deutlich mache. Wichtig ist, dass es dabei echt nur um’s Verhalten geht, nicht um’s “Komplettkind”. Und sowas lässt sich meiner Meinung besser in offenen Konflikten artikulieren als in “verdeckten Erziehungsoperationen”, in denen die unterschiedlichen Standpunkte und wesentlichen “Konfliktthemen” gar nicht deutlich werden.
Dabei fällt gerade engagierten Eltern, die besonders hohe Erwartungen an ihr erzieherisches Handeln haben, der Gedanke schwer: „Ich bin der Chef, auch wenn ich nicht recht habe.“ Heißt: Wenn mir in der Konfliktsituation klar wird, dass das Kind mit meiner Forderung vielleicht einfach auch überfordert ist (z..B. hätt ich doch mal was von Aufräumen gesagt, als der Durcheinander noch halbwegs übersichtlich war), setz ich mich trotzdem erst mal durch. Dabei sag ich dann auch, dass ich (als letztlich Verantwortlicher) vielleicht besser zu einem anderen Zeitpunkt schon hätte unterstützend einschreiten sollen, dass ich das aber verpasst habe und wir jetzt halt mit der Situation klarkommen müssen, wie sie ist…. und dass ich das Mal dann aber besser weiß, wann ich mit schimpfen anfangen muss.
Vorbilder müssen nicht omnipotent sein. Sie sollen´s eigentlich gar nicht sein. Damit kommen Kinder klar.
Irgendwann kommt dann eh das Alter, in dem einem die “Druckmittel” ausgehen – bis dahin hat das Kind dann hoffentlich gelernt, dass wir (meistens) Gründe für unsere Ansichten haben und es uns vertrauen kann.
Ich bezweifle, dass sich in “manipulativen” Erziehungspraktiken so ein Vertrauen wirklich aufbauen kann. (PS: Mary Poppins mag ich trotzdem).
Ich denke schon, dass sich in der Erziehung wegen steigender Sensibilität vieles verbessert hat. Leider machen viele “Erziehungsratgeber” mit ihren “Kurzgebrauchsanleitungen” aber auch vieles kaputt, weil man die Konzepte nur sinnvoll umsetzen kann, wenn man die Ideen und Zusammenhänge dahinter versteht und die Kinder nicht “zwangskonzeptionieren” will.
(siehe weiter oben das Beispiel mit den seltsamen Ich-Botschaften, die eigentlich getarnte Schuldzuweisungen sind…)
Grundsätzlich finde ich das Verhandeln über Strukturen und Konzepte wichtig. Leider entsteht dort, wo Mangel an gesundem Menschenverstand auf Konzepte trifft, oft ein gefährliches Halbwissen. Ganz doof, wenn dann auf dieser Basis “Konzepte” weitervermittelt werden. Ein Blick in Kindergärten und Schulen… Und ich sehe viele halbverstandene und damit ad absurdum geführte Konzepte… .. weshalb ich zuverlässige, kompetente (und distanzierte) “Erziehungsfachkräfte” ziemlich wichtig finde - aber … siehe “Sparmaßnahmen”…
Blöderweise haben die zuständigen pädagogischen Fachkräfte (vor lauter Sparmaßnahmen ?) einfach auch keine Zeit – und oft auch keine Energie mehr -, sich effektiv mit diesen Ideen auseinanderzusetzen… Was dabei herauskommt, ist dann etwa so, als würde eine Unternehmensleitung sich auf das Konzept “kontinuierliches Verbesserungsmanagement” beziehen und dafür einen Zettelkasten als “Beschwerdebox” aufhängen…
Was mich schüttelt ist, dass es tatsächlich bestätigt sinnvolle Konzepte und (langfristig und sorgfältig) evaluierte Maßnahmen gibt – aber keiner danach zu fragen scheint. Vielleicht sind die kleinen Schritte und die langen Zeiträume, in denen diese Maßnahmen nur umgesetzt werden können, nicht spektakulär genug? Freie (finanzielle und personelle) Kapazitäten werden lieber “publikumswirksamer” eingesetzt…
Im Moment werden überall halbherzig und trotzdem übereifrig Konzepte “aus der Wirtschaft” umgesetzt, Bildung wird über “Leistung” definiert, Pädagogische Konzepte in diversen Ordnern an- und abgelegt, weil von “oben” (weit weg vom täglichen Geschehen) so angeordnet.
Das Problem verschärft sich dadurch, dass selbst da, wo die Bildungspolitik Feedbackkanäle schafft, überwiegend nur “politisch korrekte” Feedbacks geäußert werden. Wir haben hier im Saarland sehr kommunikationsbereite Bildungspolitiker, die das Internet wirklich zur direkten Kommunikation nutzen. Aber niemand der „Insider“ traut sich, zu erzählen, was in den Institutionen wirklich abgeht. Beispiel: Eine private Sonderschule verteilt mit engagiertem Untertext Teilhabebuttons. Intern droht man den angesichts der zunehmend schlechteren Arbeitsbedingungen murrenden Angestellten indessen mit “inklusionsbedingten” Entlassungen und die meisten Mitarbeiter halten dementsprechend wenig von neuen Konzepten – und tunlichst auch die Klappe. Der bemühte Kommunikationspolitiker muss aber mit dem arbeiten, was er an Feedback kriegt…
PS: Das Familienleben sollte meiner Meinung nach auch auf keinen Fall in “Erziehungsmanagement” ausarten müssen – sonst kommen die Eltern vor lauter Erziehen ja nicht mehr dazu, ihre Kinder liebzuhaben.
„Egal, wie man sein Kind erzieht, man macht es immer falsch.
Hauptsache man macht es mit so viel Liebe wie möglich falsch.“
Reinhard Mey
Das ganze in “etwas wissenschaftlicher” hab ich hier schon mal darzustellen versucht: Lasst den Kindern ihren Willen!
Hier eine interessante Arbeit zu Erziehungungsratgebern: Aktuelle Erziehungsratgeber – Populismus oder wissenschaftlich belegbar?
Bilder: http://openclipart.org/
The Open Clipart Library (OCAL) is the Largest Collaboration Community that creates, shares and remixes clipart. All clipart is released to the public domain and may be used in any project for free and with no restrictions.
Zur Popularität von DSDS – Hat Bildung keinen Wert mehr ?
Nach der Vorstellung Humboldts geschieht Bildung in der Aneignung von Kulturgütern.
Es fällt den „Gebildeten“ unter uns schwer, einem Format wie DSDS überhaupt die Bezeichnung „Kulturgut“ zuzugestehen. Seine Popularität und den daraus resultierenden Einfluss auf Kinder und Jugendliche können wir kaum mit Begriffen wie „Kulturaneignung“ oder gar „Bildung“ in einem Zusammenhang sehen.
Im Gegenteil liegt die Befürchtung nahe, dass gerade die Gruppe der bildungsferneren Jugendlichen auf ihrer Suche nach gesellschaftlichen Werten und persönlichen Werthaltungen durch dieses Medienangebot in ihrer Entwicklung beeinträchtig wird.
Ein kritischer Blick auf Castingformate, insbesondere auf DSDS, ist sicher angebracht.
Für die Kanditaten steht der Chance, (vermeintlich) berühmt zu werden, eine Reihe von Risiken gegenüber, die von persönlicher Frustration über öffentliche Demütigung bis zum psychischen Zusammenbruch gehen.
Ein Blick auf den eifrigen Rezipienten, wie er sich in Diskussionsbeiträgen und Kommentaren in entsprechenden Foren, unter Artikeln in Online- Magazinen, You-Tube-Videos oder sogar im Zusammenhang mit Produktbewertungen auf Amazon darstellt, scheint die o.g. Befürchtungen zu bestätigen:
Ein überzeugter DSDS-Fan zeichnet sich durch einen hohen Bildungsbedarf bei gleichzeitig niedrigem Bildungsbedürfnis aus, die eventuell vorhandenen Bildungsrezeptoren werden mit Bohlens wenig bildungsrelevanten Sprüchen belegt, verfügbare geistige Ressourcen und Handlungspotentiale an die Aneignung eines auf niedrigstem Niveau angesiedelten Kulturindustrie-Produktes verschwendet statt in in die eigene Bildung investiert.
Vor dem Hintergrundeiner kritisch-materialistischen Medientheorie stellt das Konzept DSDS damit ein Beispiel für eine gelungene, kommerzorientierte, manipulative Stabilisierung von sozialen Ungleichheiten dar. Ein Blick auf die von DSDS vermittelten Wertvorstellungen scheint diese Annahme zunächst zu bestätigen.
Unter dem Aspekt einer bedürfnisorientierten Mediennutzung können wir allerdings nicht leugnen, dass es den Erfindern des Konzeptes DSDS gelungen ist, sowohl Bedürfnisse zu generieren als auch vorhandene Bedürfnisse aufzugreifen und vor allem – im Rahmen der crossmedialen Inszenierung und den darin enthaltenen vielfältigen Optionen – den Jugendlichen Möglichkeiten und Handlungsräume zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen.
Im Zusammenhang mit der Frage „Hat Bildung keinen Wert mehr?“ gilt es zu klären, welche Werte die DSDS-Konsumenten in dem Medienangebot identifizieren und in ihr eigenes Wertesystem übernehmen, welche Bedürfnisse hinter dem Streben nach diesen Werten zum Ausdruck kommen und ob im Zusammenhang mit der Befriedigung dieser Bedürfnisse im Umfeld von DSDS Bildungsprozesse im Sinne von z.B. Humboldt oder Klafki initiiert und unterstützt werden. Hat Bildung für den überzeugten DSDS-Konsumenten tatsächlich keinen Wert mehr? Besteht deshalb von seiner Seite aus auch kein Bedürfnis nach Bildung und müssen damit jegliche in seine Richtung zielende Bildungsangebote ohne Wirkung bleiben ?
Tatsächlich zeigen sich bei einer näheren Betrachtung dieser Zusammenhänge sowohl bildungsrelevante Werte und Bedürfnisse als auch (Selbst-)Bildungspotential, wenn es uns, der Forderung von Baacke folgend, gelingt, „die ästhetische Erfahrung von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen zuzutrauen, in allen Arten von Material für sich Anregungen und Deutungen zu finden, die sie sich aneignen und für sich produktiv machen“ (Baacke, 1997, S. 50).
Mit Bachmair davon ausgehend, dass nicht nur Medieninhalte, sondern auch die Art der Aneignung bildungsrelevant sind (Bachmair, 2007, S. 46), liefert die strukturelle Analyse der im Zusammenhang mit DSDS wirksam werdenden Bedingungen von Bildungsprozessen wertvolle Anregungen zur Gestaltung bedürfnis- und ressourcenorientierter Bildungsangebote auch im schulischen Bereich.
Etwas ausführlicher: Zur Popularität von DSDS – Hat Bildung keinen Wert mehr?
Hausarbeit im Studiengang Bachelor of Science Psychologie, Modul 3A: “Mediale Bildung und Medienkommunikation”(Wahlpflichtmodul/Bildungswissenschaften) an der FernUniversität in Hagen, Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik
Foto von Caitlinator
lizenziert unter CC BY 2.0
PS: Das BlaBlaMeter gibt diesem Einleitungstext einen Bullshit-Index von 0.51 mit der Erläuterung: “Ihr Text signalisiert deutlich: Sie wollen etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Es wirkt unwahrscheinlich, dass damit auch eine klare Aussage verbunden ist – und wenn ja: wer soll das verstehen?”
Tatsächlich musste ich damit die anfänglich eher ablehnende Haltung meines Hausarbeitsbetreuers zu meinem Thema irgendwie überwinden…

















