Selbst- und Fremdbewegung

Ich bin in der Lage , zu erkennen, ob ich mich bewege, ob ich bewegt werde oder ob sich etwas in meiner Umgebung bewegt…

Wenn ich auf einem Karussell sitze, glaube ich nicht, dass jemand den Kirmesplatz ganz schnell um mich herumdreht  – ich weiß, dass ich bewegt werde – und ich weiß auch, dass ich mich noch zusätzlich selber drehen kann – und kann alle diese Bewegungen auseinanderhalten.

Manchmal kann man es für einen kurzen Moment auch mal nicht sortieren, z.B.wenn man in einem stehenden Zug sitzt und nebenan ein Zug anfährt… fährt der vorwärts oder fahr ich rückwärts?

Hätte ich diese Fähigkeit zur Unterscheidung von Selbst- und Fremdbewegung nicht, könnte ich mich in der Welt nicht orientieren – würde z.B. ziemlich demnächst überfahren werden oder Rolltreppen höchst verdächtig finden (wer trägt das Kaufhaus an mir vorbei?).

Wenn meine Wahrnehmung mit Sortieren nicht mehr mitkommt z.B. weil sich auf einem Schiff das bewegt, was mein Hirn als unbeweglich abgespeichert hat, muss ich mich eventuell übergeben…grins.

Selbst- und Fremdbewegung lassen sich noch weiter unterteilen:
Ich fahre auf einer Rolltreppe. Ich kann in Richtung der Rolltreppe laufen, gegen die Richtung der Rolltreppe laufen – dann ändere ich im Verhältnis zum Kaufhaus meinen Ort nicht, obwohl ich mich bewege… Wenn jemand auf einer parallelen Rolltreppe genau das gleiche macht wie ich, bewegen wir uns im Verhältnis zueinander nicht und bewegen uns aber doch…

Wir können auch einfach auf der Stelle zappeln – dann bewegen wir uns zwar, ändern aber nicht den Ort.

Ohne diese Wahrnehmung von Bewegung bleibt die Wahrnehmung unsortiert und es gibt keine Orientierungspunkte zur Verarbeitung… ich weiß z.B., dass  Autos nicht wachsen oder schrumpfen, wenn sie an mit vorbeifahren, sondern dass sie erst  näher kommen und dann wieder weiter weg fahren…ich stell mir eine Welt vor, in der ich ohne erkennbare Bewegungszusammenhänge ein Auto -möglichst noch bei Gegenverkehr – überholen soll…

Bewegung gibt Aufschluss über Zusammenhänge…wenn ich sehe, wie zwei Menschen sich im Verhältnis zueinander bewegen, kann ich abschätzen, was zwischen ihnen passiert, ob sie sich einig sind, streiten usw…Ohne Ton…

Ein Beispiel zu kognitiven “Umarbeitung” von Bewegung in Kausalzusammenhänge: Michotte

Keine Bewegung, keine Information…ich lese einen Text von links nach rechts… von rechts nach links gelesen (Lesen ist “Augenbewegung”) gibt das Ganze keinen Sinn…oder vielleicht doch?

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