“Eigentlich rede ich nicht mit Politikern”

höre ich mich sagen – zu dem Politiker, mit dem ich gerade rede.
Ups :oops:
- aber okay: Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage ?
Und während ich mein Statement noch etwas ratlos betrachte,
fragt der Politiker natürlich schon:

“Warum nicht?”

Kurz: @UlrichCommerçon
Ge
bissen hat er nicht.Er hat sich höchstens ein Grinsen verbissen. :)

Meine Spontanerklärung: “Zu weit weg”.

Prima. Jetzt weiß ich also, was ich denke. Da kann ich nun gemächlich zum Nach-Denken übergehen.

Hier also meine gesammelten impliziten Einstellungen zum Thema Politik(er):

  • Warum soll ich mich für Politik interessieren ? Politik interessiert sich ja auch nicht für mich.
  • Was an Politik in den Fernseh- oder Radio-Nachrichten erscheint oder in der Zeitung steht, ist ja eh schon “gemacht”.
  • Leserbriefe ? Wer liest die denn ? Das interessiert doch höchstens die anderen, die sich auch ärgern.
  • Politiker interessieren sich nicht für Bürgermeinungen. Die wollen meine Stimme nicht hören, sondern sehen – als Kreuz auf dem Stimmzettel.
  • Mit einem Politiker reden ? Der leiert doch nur seine Phrasen und aufgeblasenen Argumente runter und haut mit nicht nachvollziehbaren statistischen Zahlen um sich. Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich – und muss davon überzeugt werden, dass ICH recht habe.
  • Mit einem Politiker reden ? Erst, wenn ich selbst erfolgreich eine Ausbildung “Rhetorik für Politiker” abgeschlossen habe.
    (keine Schleichwerbung – will nur sagen: das gibt es tatsächlich)
  • Bis ich meine Ideen “politikfähig” recherchiert, sortiert und formuliert habe, sind die schon beim nächsten Thema.
  • Politiker ? Das sind doch die, die immer eigentlich “unanwesend” und unpersönlich einstudierte Reden bar jeglicher Authentizität, dafür voller Schlagwörter und doch so  inhaltsleer… ihr wisst schon, was ich meine.

Deshalb rede ich eigentlich nicht mit Politikern.

Ob ich mit einem Menschen aus meiner Twitter-Timeline rede ? Auch “offline” ?
Klar. Den hab ich ja deshalb in meiner TL, weil ich von seinen Inputs (Outputs?) profitiere und mich seine Ideen interessieren.
Find ich doch nett, diesen Menschen mal “in echt” zu treffen… und die Online-Kommunikation via Twitter und Blog(-kommentare) mit etwas “Face-To-Face” zu ergänzen.

Deshalb rede ich jetzt mit einem Politiker…

Von konsequenter “politischer Abstinenz”  (konnte früher locker auch mal ein paar Wochen ohne Nachrichten gemütlich vor mich hinleben) bin ich nach etwa einem Jahr Bloggen und vor allem über meine nunmehr 4 Monate Twitter-Account  irgendwie hier gelandet.

Wie ist mir das nur passiert ?

Bin ich das Opfer einer politischen Twitter-Marketing-Kampagne ?

Ich hier als Beweis für die Wirksamkeit diverser Marketing-Strategien ?

  • Mere-Exposure-Effekt:
    Mit der Häufigkeit des Kontakts steigt das Gefühl der Vertrautheit. Mit dem Gefühl der Vertrautheit steigt die Sympathie.
    Als “Kontakt” wirkt dabei schon der wiederholte, kurzzeitige gemeinsame Aufenthalt im gleichen (Cyber- ?) Raum.
  • Schnelles Feedback steigert die Motivation…
    und Twitter ist schnell ;)

@ponyQ Danke für RT! Und für den tollen Kommentar auf macht-bildung.de :-)
@ponyQ Coole Idee. Wir kümmern uns.
@ponyQ Und? Hat er gebissen? ;-) Im Ernst: Interessiert mich, was beim Nachdenken rauskommt!
(weshalb ich manipulmotiviert jetzt hier rumtexte – statt was für´s Studium zu tun…)

Hm. :roll: Ein Beweis bin ich auf jeden Fall.
Aber als Opfer fühle ich mich nicht – eher als Lerner.

Ich lerne was über Diskutieren, politische Bildung, Demokratie – und sicher auch zusätzlich einiges, was ich im Moment noch gar nicht benennen kann.

“Demokratie lebt von Austausch, Dialog und Mitbestimmung”

lese ich da.

Eine Demokratie ist mehr als eine Form der Regierung; sie ist vor allem eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsam kommunizierten Erfahrung. Eine demokratische Gesellschaft muss daher in Übereinstimmung mit ihrem Ideal [...] dem Spiele verschiedenster Gaben und Interessen im Sinne geistiger Freiheit Raum gewähren.

meint John Dewey (1964)

Und Piaget kam bei seinen Untersuchungen zur Entwicklung der Moral (=> Werte => Regeln, die demokratisch ausgehandelt werden) zu dem Schluss, dass tatsächlicher Austausch als Grundlage “verinnerlichter” Werte nur unter Gleichberechtigten ohne Anwesenheit von Autoritäten funktionieren kann:

Il en est de même en ce qui concerne la vie intellectuelle. La coopération entre enfants développe, avec la discussion, le sens du contrôle et le sens de la cohérence logique. Replié sur lui-même, l’enfant reste dans le rêve. Aux prises avec l’adulte, il est écrasé par une vérité qui reste extérieure à sa pensée. En collaboration avec ses proches, par contre, il développe tout à la fois sa personnalité et le culte de la vérité impersonnelle et objective.
La règle morale chez l’enfant (Jean Piaget)

Twitter, Blogs und andere Möglichkeiten des web2.0
als Mittel zu “Austausch, Dialog und Mitbestimmung” ?

Demokratie lernen und üben im Internet ?

Was mir dazu einfällt:

zum Aspekt “Austausch unter Gleichberechtigten”:

140 Zeichen reichen entweder für “authentische” Kommunikation oder für eine im Vergleich dazu wenig kommunikative Wortsammlung wie z.B. einen Hinweis auf Status(unterschiede) – 140 Zeichen fördern also gleichberechtigte Kommunikation ?
(eine These, zu der sicher irgendjemand schon eine empirische Studie gemacht hat oder spätestens ab jetzt machen will ?)

zu den Aspekten “Dialog” und “geistige Freiheit”:

Mein Kommentar unter einem Blogartikel ist kein (ungelesener ?) Leserbrief in einer Zeitung, in der morgen die Kartoffelschalen zu den Hasen transportiert werden (ich mag das “Fischeinwickel-Bild” nicht ;) ) - sondern jederzeit nachlesbarer Bestandteil einer Diskussion: andere Personen können sich in weiteren Kommentaren darauf beziehen (oder zumindest mit “Daumen hoch – Daumen runter” ein kurzes Feedback geben).

Wieso ich mich beim Kommentieren auf einem Blog nicht zur “wissenschaftlichen Ausarbeitung” meiner Argumente/Ideen bemüßigt fühle, sondern eher unbeschwert (und “geistig frei” bis frei von geist… ) drauflos schreibe ? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich dort die Möglichkeit zu weiteren Wortmeldungen habe, falls ich im Verlauf der Diskussion etwas ergänzen, differenzieren oder auch zurücknehmen will ? Weil ich – wenn´s gut läuft – mitverfolgen kann, wie andere das in ihren Kommentaren für mich übernehmen – und mir durch ihr Feedback helfen, meine Ideen zu sortieren und auszuformulieren – oder neue Ideen zu entwickeln ?

Was sagt ihr ? Seh nur ich Blogs und Blogkommentare als “niedrigschwelligen Einstieg” in Sachen (politische,demokratische,… ) Meinungsäußerung ?

  • “Auf Blog kommentieren” zum Abbau von eventuell vorhandenen Diskussionshemmungen durch den Erwerb von Diskussionskompetenz ? (wo ist/wer macht die Studie dazu ? ;) )

Wahrscheinlich habt ihr (… @JayRachel , @beatnig , @all ) zum Thema Demokratie 2.0 noch mehr Erfahrungen und Ideen ?

Ich bin ja noch ziemlich neu im web2.0. und ganz neu in diesem Demokratie-Ding
- und derzeit noch vollauf mit dem wackeligen Übergang von Online- zu Offline-MachMit beschäftigt.

Meine Gedanken zum Offline-Austausch häng ich dabba noch als PDF(eedback) an.
Und jetzt studier ich mal ein bisschen.


22 Antworten auf “Eigentlich rede ich nicht mit Politikern”

  • Hi Evi,

    danke für diese Schilderung Deiner Eindrücke. Seltsam ist es zwar, aber umso aufschlussreicher für einen “Politiker”, einmal so “nahe” zu lesen, was eine “normale” Bürgerin so denkt.

    Dabei glaube ich doch, dass diese Distanz auf beiden Seiten ihre Ursache hat.

    Zu einigen Deiner eingangs gestellten Fragen meine, ganz persönlichen ersten Einschätzungen:

    * Warum soll ich mich für Politik interessieren ? Politik interessiert sich ja auch nicht für mich.

    Solange DU Dich nicht für Politik interessierst, interessiert sie sich nicht für Dich. Und zwar nur genau so lange, bis Du Dich doch dafür interessierst. Das erfordert aber natürlich auch eigene Anstrengung.

    * Was an Politik in den Fernseh- oder Radio-Nachrichten erscheint oder in der Zeitung steht, ist ja eh schon “gemacht”.

    Das mag oft so sein. Gerade bei “Macht Bildung” versuche ich da aber einmal einen anderen Ansatz. Habe ich auch beim Regierungsprogramm letztes Jahr gemacht. Leider gibt es da, was die Beteiligung im Netz anbetrifft, derzeit nach einer starken Startphase eine Flaute. Und ich wüsste gerne, wie das wieder geändert werden könnte.
    Na, immerhin sind die Veranstaltungen alle ziemlich gut besucht und es wird – denke ich – ziemlich offen diskutiert.

    * Leserbriefe ? Wer liest die denn ? Das interessiert doch höchstens die anderen, die sich auch ärgern.

    Glaub mir: Leserbriefe lesen die Politiker ALLE. Eher als die Artikel in der Zeitung!

    * Politiker interessieren sich nicht für Bürgermeinungen. Die wollen meine Stimme nicht hören, sondern sehen – als Kreuz auf dem Stimmzettel.

    Manche wollen beides ;-)

    * Mit einem Politiker reden ? Der leiert doch nur seine Phrasen und aufgeblasenen Argumente runter und haut mit nicht nachvollziehbaren statistischen Zahlen um sich. Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich – und muss davon überzeugt werden, dass ICH recht habe.

    Stimmt :-P

    Lieber Gruß und danke für Deinen Nachdenk-Blog!

  • ponyQ sagt:

    Ich kann´s mir nicht verkneifen:
    Bitte nicht mit einem Politiker reden wollen, der gerade am Politikern ist
    (via @UlrichCommercon)

    interessant wird´s vor allem gegen Schluss, unter der Überschrift “Diskussion” :)

    Dazu dann meine Frage:

    Dabei glaube ich doch, dass diese Distanz auf beiden Seiten ihre Ursache hat.

    Meine Seite hab ich jetzt ziemlich klar – welche Ursachen gibt´s auf Seite der Politiker ?

  • Na, das Beispiel Kessler ist ja nun nur eines.

    Oder hattest Du bei “meiner” Veranstaltung hier http://www.flickr.com/photos/spdsaar/sets/72157624126053151/ auch diesen Eindruck?

    Und was ich mit den Ursachen auf beiden Seiten meine: “Das Volk” darf sich das eben nicht gefallen lassen und stattdessen selbst aktiv eingreifen.

    Aber wozu schreib ich das eigentlich noch: Du tust es ja bereits :-)

  • ponyQ sagt:

    “Das Volk”, wenn es aus allzuvielen ponyQ-ähnlichen Bürgern besteht, hat das aber irgendwie nicht gelernt.
    Oder bin tatsächlich nur ich da so ..äh.. “ahnungslos” und “vorurteilsresigniert” ?

    Wer holt mich denn da ab, wo ich in Sachen “politische Bildung” stehe?
    Bin ich doch bequemer, wenn ich schön brav da stehen bleibe…

    Oder hatte ich so was wie “politische Bildung” (Informations- und Diskussionskompetenz usw.) in der Schule und kann mich nur nicht mehr dran erinnern?

    Wer ist denn dafür zuständig, dass “das Volk” lernt, wie es “aktiv eingreifen” kann ? Jeder einzelne Politiker ? Die Bildungspolitik ? Die Lehrer ? “Das Volk” ?

    Ich arbeite mich gerade mehr oder weniger autodidaktisch in das Thema “Demokratie” ein… das würde ich nicht tun, wenn ich nicht hier im Netz zufällig drüber gestolpert wär und mich nicht die entsprechenden “Entwicklungen” aufgefangen und zur näheren Betrachtung motiviert hätten.

    Ich frage mich, wie andere aus “dem Volk” – vielleicht mangels “Drüber-Stolpern” – den Weg zum “Aktiv eingreifen” finden sollen ?

    Und der alle Vorurteile bestätigende Kessler ist nur ein Beispiel – von vielen ähnlichen. Da verliert “das Volk” doch die Lust am Suchen…

  • JayRachel sagt:

    Das sind sehr interessante Überlegungen mit denen ich mich mehr oder weniger im Moment auch beschäftige,aber wider erwarten auch noch nicht weiter gekommen bin. Trotz gefühlten 50 Semestern Politikwissenschaft fühle ich mich nicht wirklich wie ein politischer Mensch (obwohl ich es vl im Vergleich zu sehr vielen Menschen bin; im Vergleich zu so manchem aktiven SVler halt wiederum nicht). Tatsächlich aktiviere ich mich grade erst. In meinem Job, mit Twitter und Bloggen, aber eben bisher recht vorsichtig vortastend…
    Was ich glaube ist, dass sich politische Kultur im Moment grundlegend verändert, schon verändert hat, dies aber im “offiziellen Teil” noch nicht angekommen ist. Ich denke aber es spiegelt sich in dem was wir “bei denen da oben” (ein Ausdruck der ja sehr viel aussagt) gerade erleben: Es funktioniert nicht mehr so wie wir es gewohnt sind, neue Formen müssen her. Und eben diese sind wir im Moment am Entwickeln. Tierisch spannend find ich das – endlich ist mal was los in der Politik. Und ich glaub wir werden noch sehr viel mehr erleben…

  • Dirk sagt:

    Wenn politische Partizipation sich auch für bewußt Parteilose wie mich nicht mehr darauf beschränkt, bei sporadischen Wahlen meine Kreuze zu setzen, sondern wenn meine Stimme auch bei anderen Gelegenheiten gehört und ernst genommen wird, sind wir auf einem richtigen Weg.
    Junge Menschen erfahren dies in der Regel zuwenig, der Weg zum mündigen politischen Bürger beschränkt sich eben nicht nur auf Politikunterricht in der Schule. Die Bevölkerungsgruppe der JungwählerInnen hat klassisch die niedrigste Wahlbeteiligung. Es fehlen fächerübergreifende Demokratieprojekte in den Schulen, Partizipationsmöglichkeiten für SchülerInnen abseits der “Wahl des Klassensprechers”.
    Wenn auf eine Demonstration gegen Schulreformen, an der sich auch SchülerInnen beteiligen, seitens des Ministeriums mit einer Mahnung an die Schulen reagiert wird, die Teilnahme zu unterbinden, dann muss man sich nicht wundern.

  • ponyQ sagt:

    Also – auf der Suche nach den “Wurzeln meiner politischen Bildung” bestätigt meine Mama meine “Kindheitserinnerungen”:
    “Wir [meine Eltern] haben verfolgt [ich erinnere mich an endlos lange Übertragungen von Landtagsdebatten im 3.Programm :( ], wie die Politiker gegeneinander gesprochen haben. Und dann haben wir miteinander über die Politiker gesprochen – aber nie mit einem Politiker. – Verwandte ausgeschlossen – aber mit denen konnte man auch besser Schwenken, Laxem kochen oder Bier trinken als über Politik reden…”
    [die näheren Ausführungen zum jeweiligen Ausgang des Versuchs, da über Politik zu reden, lass ich jetzt lieber weg ;) ]

    Kennt das irgendjemand aus seiner “Entwicklungsgeschichte” in ähnlicher Form ?

    Noch ein Link zum Thema: Danke @PoBiHH ( http://www.nachdenken-mitwirkung.de/ ): Training “politische Bildung”

  • JayRachel sagt:

    Klar, kenne ich das genauso wie du, ponyQ. Bei uns (milieubedingt, schätze ich) waren Politiker Leute die drüber standen die man aber, wie das wohl häufig ist bei Leuten die man als überlegen einschätzt, gleichzeitig irgendwie geringschätzig betrachtete. Selbst der Ortsvorsteher war da ehrfurchtserregend.

    In der Schule wurde (trotz Gymnasium, trotz UNESCO-Projektschule, trotz relativ engagierter Lehrer) Partizipation nie thematisiert oder als Option betrachtet. Klassensprecher waren die Streber oder ein paar Exoten, und auf die Idee Schülersprecherin zu werden wäre ich nie gekommen, da gab es wohl spannenderes. Mithin war Schule in weiten Teilen ein kalter lebensfremder Ort.

    Wo also sollte man es lernen oder Interesse entwickeln sich einzumischen?

    Ich erinnere mich an ein gut gemeintes Projekt das von außen in die Schule kam, indem wir eine Sache entwicklen sollten die uns wichtig war und auch überlegen wie wir sie durchsetzen könnten. Wir entschieden uns für Spinde, weil wie es leid waren das ganze Material durch die Gegend zu schleppen und uns wohl auch nach einem kleinen Stück persönlichen Raums in der Schule sehnten. Nach dem Projekt wurde unsere Idee direkt mit “geht nicht, weil [Ausrede nach Wahl hier]” abgeschmettert. Wozu sich also weiter Gedanken machen oder engagieren, wenn es nicht weiter führt? Das war übrigens in einem Alter in dem man sehr viel freie Energie hat und noch nicht weiß wo man sie hin kanalisieren könnte. Wir hätten die Spinde wahrscheinlich auch eigenhändig gebaut und Sponsoren dafür gesucht wenn man uns gelassen hätte.

    Partizipation braucht aber Mut derer die sie zulassen, seien es Politiker oder Lehrer. Sie ist nämlich nicht kontrollierbar, es können Dinge entstehen, die man sich “so_dann_nicht_vorgestellt” hat.
    *Lufthol*

    Ich könnte darüber jetzt noch den Nachmittag weiter schreiben, aber ich muss an meinem Fortbildungskonzept zu Lebensweltorientierung in ganztägigen Angeboten weiterschreiben – mehr dazu dann demnächst auf Twitter und Blog ;-)

  • ponyQ sagt:

    Wow !

    Partizipation braucht aber Mut derer, die sie zulassen, seien es Politiker oder Lehrer. Sie ist nämlich nicht kontrollierbar, es können Dinge entstehen, die man sich “so_dann_nicht_vorgestellt” hat.

    Klasse zusammengedacht/-fasst
    - freu mich schon auf deinen entsprechenden Blog-Artikel ;)

    Ich finde, das ist eine prima Überschrift für das, was gerade unter #demokratie2.0 #lernen2.0 und #bildung2.0 in Bewegung kommt.

    Vom “Mitmach-Web” über “Mitmach-Schule” zur “Mitmach-Demokratie”… :)

    PS: Unesco,Spinde,IGI?

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  • Locutus01 sagt:

    Schwellenangst auf zumindest einer Seite, Informationsdefizite auf beiden Seiten. Das Aushandeln einer gemeinsamen Verständigungsbasis ist schwer und zeitaufwendig. Also: warum sollten die Meisten sich das antun ? Der Politiker ist, zumindest vordergründig, informiert und geht so in das Gespräch. Es ist sein Tagesgeschäft; der “mündige” Bürger hatte zur Vorbereitung auf ein solches Gespräch im Vorfeld keine Zeit / Lust. Der hat ebenfalls sein Tagesgeschäft. Wer also kann es ihm verdenken ? Diese Bequemlichkeit oder schlichte Unmöglichkeit hält den Bürger aber in seinen eigenen Augen unter Augenhöhe des Politikers, der zudem in einer langen Ochsentour zu seiner jetzigen Position rhetorisch gestählt ist. Wer kann da schon mithalten ? Folge: asymmetrische Kommunikationsvoraussetzungen. Ausweg: sich auf Augenhöhe bringen (leichter gesagt als getan)
    mehr dazu gerne hier:
    Mission Impossible – Eine pointierte Skizze politischer Entscheidungsfindung und -vermittlung

    • ponyQ sagt:

      Dazu hätt ich nach meiner ersten “Diskussionserfahrung” bei MachtBildung ein paar Vorschläge, z.B.

      Moderation… Aufgabe:
      „Übersetzung“ von Einzelerfahrungen und -situationen in konstruktive Beiträge.
      „Privatmeinungen“ bringen die Diskussion zwar ins Stocken, geben aber auch Ideen ins Gespräch… wenn jemand da ist, der das eigentliche Anliegen herauszuhören bereit ist und es entsprechend auf einer allgemeineren Ebene verbalisieren kann.

      In meinem Kopf die Stimme meiner Didaktik-Lehrerin:
      „Erst fördern, dann fordern. Und jeden da abholen, wo er steht.“

      Das scheinen manche Politiker mehr als gar nicht zu beherrschen ^^ – abere andere bemühen sich darum… Noch mehr Arbeit…

    • Die Argumentation/Beobachtung mit den “asymmetrischen Kommunikationsvoraussetzungen” hat sicher einiges für sich, auch wenn ich das nur als “Tendenzielles”, nicht als “Absolutes” bezeichnen würde, wenn Ihr versteht, was ich damit meine!? Auch Politiker, selbst “Fach”-Politiker (mich selbst würde ich so übrigens nicht sehen, eher “Generalist”) haben ebenfalls derart viele unterschiedliche Themen zu beackern, verlassen sich dabei – wenn sie klug sind – im Zweifel auch mal auf die Wissenschaft(lichen Referenten) und müssen auch Informationshopping betreiben. Aber in der Tat sind Berufs-Politiker zeitlich natürlich immer in einem (relativen/tendenziellen) Vorteil.

      Der beschriebene “Ausweg” ist sicher eine Möglichkeit für Interessierte, damit umzugehen. Es gibt aber auch noch einen zweiten, mindestens genau so wichtigen Punkt: Werte/Grundüberzeugungen/die philosophische Basis ist zwischen Menschen oft leichter zur Übereinstimmung mit oder zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Politikvorschlägen zu bringen. Ich “empfinde” jedenfalls – nicht nur aus einem “Gruppenzugehörigkeitsgefühl” – allein schon die Herangehensweise und die “prinzip”-iellen Politiken der verschiedenen Fraktionen durchaus als wichtige Indizien.

    • ponyQ sagt:

      Mein persönlicher Eindruck: Werte, Grundüberzeugungen, philisophische Basis verschwinden ganz leicht hinter der “prinzipiellen” Politik – und wohin die verschiedenen Fraktionen – samt ihren Prinzipien – dann verschwinden, sieht man gerade im Saarland im Moment ja “live und in (Jamaika-)Farbe” ;)

      Ich kann mich weder für Fraktionen noch für deren “omnipotenten Aushängepolitiker” erwärmen. Authentische Persönlichkeiten, die “zufällig” auch noch Politiker sind, scheinen mir vertrauenswürdiger… und mit denen kann ich auch über Werte und Überzeugungen diskutieren (huch^^) – im Vertrauen darauf, dass sie daraus dann “Politik” machen –

      Eine Demokratie ist mehr als eine Form der Regierung; sie ist vor allem eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsam kommunizierten Erfahrung. Eine demokratische Gesellschaft muss daher in Übereinstimmung mit ihrem Ideal [...] dem Spiele verschiedenster Gaben und Interessen im Sinne geistiger Freiheit Raum gewähren. John Dewey (1964)

      (Hab ich schon mal zitiert, gefällt mir auch einfach gut ^^)

      Übrigens versuch ich grad, andere davon zu überzeugen, dass Politiker nicht unbedingt immer beißen und durchaus “verwendbar” sein können – es ist nicht leicht. Meine Vorurteile sind nicht gerade “einzigartig”… und ich rede oft gegen “erlernte Hilflosigkeit” an.

  • Brigitte sagt:

    “Authentische Persönlichkeiten, die “zufällig” auch noch Politiker sind, scheinen mir vertrauenswürdiger… und mit denen kann ich auch über Werte und Überzeugungen diskutieren (huch^^) – im Vertrauen darauf, dass sie daraus dann “Politik” machen –”

    Politik von Politikern jenseits des Fraktionszwangs ? Geht das überhaupt ? Kann man darauf “vertrauen” ?

    • ponyQ sagt:

      Keine Ahnung. Aber sonst bleibt ja nicht mehr viel übrig – und die Gründung einer “Frühstückpartei” ;o) würde ja auch schon an den innerparteilichen Differenzen scheitern…

      Im Moment hab ich einfach den Eindruck, dass man nur im Kleinen wursteln kann – erst die Gesellschaft, dann die Politik (oder so irgendwie hat das mal ein Goetz Werner gesagt). Politik verwirrt mich – gleiche Ziele sind halt nicht unbedingt gemeinsame Ziele… Und bis da alle Knoten raus sind, sind wahrscheinlich schon wieder 1000 neue an einer anderen Stelle. Das macht keinen Spaß.

      Das Problem bei dem “im Kleinen wursteln”:
      Die “oberen Politiker” kriegen gar nicht mit, wie die kleinen Wurstler an so manchen Stellen das System TROTZ der seltsamen Entscheidungen “von oben” am Laufen halten – und fühlen sich und ihre Vorstellungen mangels Fehlermeldung bestätigt. Leider lassen sich dezente Hinweise relativ unaufwendig ignorieren. Da müssen schon komplette Zusammenbrüche her – und an denen sind dann ja sowieso die anderen Schuld.

      Meine Hoffnung:
      “Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.” – wenn sie sich via Internetz zusammenfinden können. So bisschen wie das Ding mit Swimmy … als Masse fallen die kleinen Wurstler (hoffentlich) besser ins (politische) Auge.

  • Locutus01 sagt:

    @Ulrich Commercon (wie krieg ich eigentlich die Cédille hin?)
    Selbstverständlich war das tendenziell gemeint, Gegenbeweise für Absolutheitsansprüche existieren hier ja erfrischenderweise viele. Was den “Generalisten” angeht, so impliziere ich eigentlich genau dieses in meinem Artikel: vernetztes Denken funktioniert nur dann möglichst optimal, wenn in der Wissensstruktur eines Menschen möglichst viele Anknüpfpunkte für neues Wissen / Verfahren bestehen. Der Überblick, die Einordnung neuer Sachverhalte oder veränderter Rahmenbedingungen über diese Knotenpunkte eines Netzes ist eben für den Generalisten einfacher als für, überspitzt gesagt, den “Fachidioten”. Er hat schlicht und einfach mehr Knoten, sein “mentales Wissensnetzwerk” ist grösser. Und wie du richtig bemerkt hast, lässt er sich, wenn er schlau ist, die Details (oder “Fäden” zwischen den Knoten) von den Leuten spinnen, die in der jeweiligen Fragestellung spezialisiert sind. Die Befähigung zur Filterung der wichtigen zugetragenen Informationen auf einer höheren Aggregationsebene darf man dann ja fast schon beim Generalisten voraussetzen. Unter anderem wegen dieser Fähigkeiten ja auch meine Vorstellung einer “Renaissance” der Berücksichtigung des Humboldtschen Ideals. Da wird man ja heute fast schon von Vertretern der Wirtschaft gesteinigt. Womit wir bei den von dir erwähnten “Werten” oder Grundhaltungen wären. . Einsparungen beispielsweise an den Hochschulen zu Lasten der Fachbereiche, die solche Fähigkeiten fördern, und zu Gunsten derjenigen, die unmittelbar wirtschaftlich verwertbar sind, tragen doch im Ergebnis dazu bei, dass letztendlich irgendwann auf allen Schlüsselpositionen der Gesellschaft koordinationsunfähige “Fachidioten” sitzen. Die ironischerweise genau die “Schlüsselkompetenzen” (ein eigenes ergiebiges Thema) fordern, die sie selbst tatkräftig unterminieren und selbst nicht unbedingt in sehr deutlichem Masse vorweisen können. Ich wage zu behaupten, dass erste Auswirkungen schon längere Zeit sichtbar sind.
    Schaun wir mal, wie´s weitergeht…

  • Locutus01 sagt:

    Danke, funktioniert leider nicht auf dem Laptop. Bin am Gucken, wie ich den virtuellen NumPad eingerastet kriege. Da gibt´s auch wieder eine andere Kombination…

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