Sprachlastig

Input – Throughput – Output …
Sprache ist das Mittel meiner Wahl – für alles.

Eingang – Durchgang – Ausgang…

  • Zugang finden, zu einem Thema, zu einem anderen Menschen, zu mir …
  • Gemeinsamkeiten entdecken oder schaffen
  • die Welt in Worte fassen:
    lernen, verstehen, durchdenken, erklären, beschreiben, analysieren, synthetisieren …
  • Eindrücke ausdrücken … mit Sprache
  • überall Worte:
    informative, ermutigende, fragende, tröstende, warnende, freundliche, böse, klare, uralte, neu erfundene, einfache, komplizierte, emotionale, sachliche … Worte
  • innen und außen:
    lesen, schreiben, hören, sprechen, denken

Wo ich schon länger nicht mehr war:
Am Ende der Sprache – jenseits der Worte…

  • Ich höre mich mit einem meiner Reitschüler schimpfen:
    “Texte doch dein Pferd nicht so zu – es kann ja aus all den Hilfen gar nicht mehr erkennen, was du eigentlich von ihm willst. Kein Wunder, dass es abschaltet und einfach nicht mehr hinhört.”

    Es ist schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass ich so was zu einem Reitschüler sage – und endlich dämmert es mir:
    “Texte doch deine Reitschüler nicht so zu – die können ja aus all den Hinweisen und Erklärungen…”

Klar – ich benutze viele Bilder (Metaphern, Analogien und so…) – aber auch die fasse ich nun mal in Worte.

  • “Mein Downi” redet im Moment kaum mit mir. Dabei wär es doch jetzt – von wegen Pubertät und allen damit verbundenen inneren Knoten – so wichig, die Knoten zwecks Auflösung zu verbalisieren.
    Und während ich mich um hilfreiche, passende Worte bemühe, wird mein Downi immer stiller und trauriger…

    Aber nach einer Massage mit dem Igelball krieg ich plötzlich ein zufriedenes, entspanntes Lächeln… *an-die-Stirn-hau* – wieso bin ich da nicht schon früher draufgekommen ?

Ich hab einfach vergessen, dass der Zusammenhang “innere Haltung = äußere Haltung” keine Einbahnstraße ist.
Ich kann mich – wortreich – von innen nach außen “durcharbeiten”.

Aber es geht auch umgekehrt:

“Berührung ist eine Form der Kommunikation…
Massage wurde als Mittel verstanden, mit unterdrückten Gefühlen und Erinnerungen,
die in der Körpermuskulatur gefangen sind, in Berührung zu kommen.”
(aus irgendeinem Massagehandbuch vor langer Zeit mal abgeschrieben)

  • Wisst ihr, was mein taubstummer Autist macht, wenn er sich freut:
    Er lacht lauthals und quietscht und gluckst vor Vergnügen.

    Statt zu sagen: “Ich freue mich”.
    Hm. So lach ich eigentlich nur über einen guten Witz. Freuen tu ich mich irgendwie anders. Mit Worten … bestenfalls mit einem Lächeln …

Nicht, dass ich jetzt vorhätte, meine Sprache “runterzufahren” – Sprache ist nun mal ein vielseitig verwendbarer Trägerstoff – gerade hier im Netz, im Studium und überhaupt…

Aber ich will auf jeden Fall was tun, um meine “Sprachlastigkeit” auszugleichen.

z.B. in manchen Situationen einfach mal die Klappe halten ?… grins… nee, das mein ich nicht. Ich weiß jetzt schon, dass ich mich dann eben “innerlich zuquassele”.

Also müssen andere Strategien her.
Bin aber ganz zuversichtlich, dass die sich von selbst finden, wenn ich einfach “achtsam” statt “sprachsam” bin…
In Worten ^^: “Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung”

edit nach spätem Frühstück:

… weil mir nämlich gerade auffällt, dass dieser Artikel wahrscheinlich mit zu der Erkenntnis “sprachlastig” beigetragen hat:
http://bachmichels.wordpress.com/2010/07/25/twitter-sucks/

… und hier gibt´s (gerade entdeckt) auch noch ein paar “verwertbare” Gedanken zu dem Thema:
http://arminkoenig.wordpress.com/2010/07/27/schweigen-oder-schreiben-indem-man-ein-ungluck-rationalisiert-versucht-man-zu-begreifen/

Eine Antwort auf Sprachlastig

  • ApfelMuse sagt:

    Vielen Dank für diesen Text, der uns an deiner Welt und deinen Erkenntnisprozessen teilhaben lässt, und uns hilft bei dem eigenen Umgang mit Sprache. Ich erkenne mich in sehr vielem wieder

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige

Follow me