Fundstück: Märchenspiel als Gruppenpsychotherapie für behinderte Kinder
etwas älter, aber interessant, und vor allem bezüglich der im Text dargestellten Probleme, die Eltern in die Fördermaßnahme/Therapie zu integrieren, auch immer noch sehr aktuell…
Maxeiner, Verena (1988). Märchenspiel als Gruppenpsychotherapie für behinderte Kinder.
In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. – 37. 1988, 7, S. 252-257
Aufsatz zugänglich unter: http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2012/3293/
“Von den Erzieherinnen werden Kinder vorgestellt, die in ihrer Spielfähgikeit eingeschränkt sind, Ängste bei Leistungsanforderungen zeigen, in der Gruppe gehemmt und ängstlich in ihrer Selbstdarstellung sind, sowie hyperaktive und unkonzentrierte Kinder…
Das Spiel als therapeutisches Medium bietet die Möglichkeit einer ganzheitlichen Behandlung: Es fordert Betätigung und Übung psychischer Funktionen, ermöglicht Phantasietätigkeit und damit die Darstellung innerer Konflikte.
Das darstellende Spiel fordert darüber hinaus zur Selbstdarstellung, Entwicklung von Initiative und Kreativität auf.”
Erzieherausbildung an die Hochschule ?
Die Befundlage zur Entwicklung kognitiver und sozioemotionaler Kompetenzen von Kindern unter dem Einfluss „professioneller“ Betreuung ist durchwachsen. In einem kurzen Überblick könnte man zusammenfassen, dass
- nach wie vor der größte Einfluss vom Elternhaus ausgeht
- die Qualität der Betreuung aber eine große Rolle spielt
In diesem Zusammenhang und zusätzlich in Anbetracht der steigenden Anforderungen an eine/n Erzieher/in wird die bisherige Berufsausbildung immer mehr in Frage gestellt. Auch in Deutschland wird nun ein Hochschulstudium für ErzieherInnen gefordert, wie es in den meisten europäischen Ländern schon lange üblich ist.
Meine eigene Erfahrungen mit der ErzieherInnenausbildung an einer Fachschule und der nachfolgenden Tätigkeit erst in einem integrativen Kindergarten, dann in einer Schule für Geistigbehinderte und inzwischen freiberuflich neben einem Psychologiestudium:
++ Fachdidaktik:
Davon profitier ich heute noch, nicht nur im Zusammenhang mit erzieherischen Arbeiten.
Über die sehr detaillierten Ausführungen zur Planung und Durchführung von Förderangeboten, die verlangten endlos vielen und langen theoretischen Ausarbeitungen und die nervenaufreibenden praktischen Lehrübungen (mit „fremden“ Versuchskindern) habe ich während der Ausbildung viel geschimpft. Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass die daraus gewonnene Routine den Transfer in ähnlichen Situationen mit ähnlichen Anforderungen angenehm erleichtert.
Und was mir damals als „nerviger Kleinkram“ völlig überflüssig und nicht erwähnenswert vorgekommen ist, hat sich später als „Basishandwerk“ bewiesen.
Ein Beispiel von vielen: Während meine damalige Kollegin (Studium der Sonderpädagogik) die Unruhe bei der morgendichen Begrüßungseinheit in der Kuschelecke als „gegeben“ hingenommen hat, hat der versuchsweise eingeführte morgendliche Stuhlkreis mit klaren „Sitzregeln“ (deins, meins, vorne, hinten…) unvermutete Kapazitäten an Aufmerksamkeit freigesetzt.
- Pädagogik:
Hat mir insgesamt wenig geholfen, es wurden mehr Praxis-Konzepte als theoretische Grundlagen geliefert. Ohne theorethische Grundlagen kann man aber Konzepte nicht an die tatsächlichen Gegebenheiten in der speziellen Praxis anpassen. Und ich habe heute noch eine Konzeptallergie…
+- Psychologie:
Naja, da kam gerade genug, um Interesse zu wecken… und trotzdem hatte ich im Vergleich mit den „studierten“ Sonderpädagogen oft den Eindruck, dass die in ihrer Ausbildung von „Entwicklungspsychologie“ oder Sachen wie „Selbstkonzept“ oder „Personenwahrnehmung“ noch weniger bis nichts gehört hatten.
Inzwischen studier ich Psychologie, und mir ist dabei schon einiges begegnet, was mir meine „Erzieherarbeit“ bestimmt wesentlich erleichtert hätte und auch den Kindern, der Elternarbeit, der Arbeit im Team und nicht zuletzt auch der Selbstreflexion und selbstorganisierten Weiterbildung sicher zugute gekommen wäre:
- aus der Pädagogischen Psychologie z.B.: Erziehungsstile und Auswirkungen – autoritär, nachgiebig, gleichgültig, autoritativ …
- aus der Sozialpsychologie: Innergruppenverhalten und Intergruppenkonflikte
- aus der Entwicklungspsychologie: Moralentwicklung
- allgemein: Lerntheorien, Kommunikationskompetenz, Informationsverarbeitung, Informations- und Medienkompetenz, kritisches Denken
Zu den Inhalten der Fächer Musikerziehung („Glockenspiel spielen“) und Naturkunde („Blätter sammeln“) äußere ich mich hier lieber nicht
Trotzdem ich mich vage an einen (vom Französischlehrer improvisierten) Unterricht in „Rechtskunde“ erinnern kann, musste ich mir alles wichtige zum Sozialgesetzbuch, möglichen Hilfe- und zusätzlichen Förder- und Betreuungsmaßnahmen, Zuständigkeiten unterschiedlicher Träger, Verfahrensweisen im Verwaltungsdschungel und ähnliches selbst zusammensuchen. Das wird spätestens da echt doof, wo man noch nicht mal weiß, dass es etwas zu suchen gibt. Ich treffe heute noch regelmäßig Erzieher, die z.B. in sonderpädagogischen Einrichtungen arbeiten und noch nie was von „Verhinderungspflege“ , „niedrigschwelligen Betreuungsangeboten“ oder unterschiedlichen Jugendhilfemaßnahmen etwas gehört haben. Das ist vor allem für die Eltern betroffener Kinder einfach schade.
Aus meiner Sicht spricht also einiges für die „Akademisierung der ErzieherInnenausbildung“.
Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass ich ohne die praktischen Inhalte während meiner regulären Erzieherausbildung nicht „an der Front“ zu gebrauchen wäre. Mit am hilfreichsten für den Erzieheralltag fand ich die Tips und Ratschläge erfahrener, i.d.R. “unstudierter” Kollegen.
Allerdings sehe ich auch viele „erfahrene“ Erzieher, die mit den Erfahrungen „von früher“ den Anforderungen von heute nicht mehr gerecht werden können oder wollen und auch keinen Weiterbildungsbedarf sehen… die aus Angst vor Veränderungen gepaart mit einem Mangel an Informationskompetenz und fehlender „Übung“ im wissenschaftlich-kritischen Denken betriebsblind und anachronistisch vor sich hin erziehen…
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung berichten: Ein Studium vermittelt nicht nur fachbezogene Inhalte, sondern trainiert auch die eigenen „Erkenntnisaktualisierungsfähigkeiten“. (Das ist eine etwas unbeholfene Formulierung – falls irgendjemand das in wenigen Worten verständlich rüberbringen kann… gerne!)
Insgesamt bin ich der Ansicht, dass ein Studium das Ergebnis „guter Erzieher“ nicht garantiert, die Chance auf „qualifizierte Betreuung“ jedoch trotzdem erhöht, nicht zuletzt auch deshalb, weil es eine breitere Basis für diverse Weiterbildungen / Spezialisierungen liefert als die Fachschulausbildung.
Meine Meinung: ErzieherInnen sollen studieren (müssen.)
Ein umfassenderes Meinungsbild findet ihr hier – und an dieser Stelle würde mich auch eure Meinung interessieren
Inklusion ? Das ist doch…
… das Ding, mit dem die Chefs sonderpädagogischer Einrichtungen ihren Angestellten drohen, wenn diese sich wegen immer mieserer Arbeitsbedingungen beschweren… ?
Ich bin über die aktuellen “offiziellen Statements” zum Thema “Inklusion” nicht auf dem Laufenden. Aber was so an “inoffiziellen Meinungen” bei mir ankommt, sieht nicht danach aus, als ob es irgendwelche Informationen an den Emotionen der Betroffenen vorbei geschafft hätten.
Vor allem die Erzieher in den Sonderschulen für Geistigbehinderte haben wohl einfach Angst um ihren Arbeitsplatz – z.T. wird ihnen auch “bei Bedarf” wirklich mit diesen Entwicklungen von wegen Inklusion gedroht.
Da ist vor lauter Druck gar keine Kapazität mehr übrig, um sich mit irgendwelchen Konzepten zur Inklusion zu beschäftigen – das Bild vom armen Behinderten, der in der Regelschule doof und einsam vor sich hinvegetiert, ist aus den Köpfen der Erzieher nicht rauszukriegen. Und das wird an die Eltern genau so weiterkommuniziert und trifft dort genau in die Elternangst.
Für die Eltern ist die “institutionalisierte Ausgrenzung” verständlicherweise weniger bedrohlich als diese Vorstellung vom “individuellen Außenseiter”. Lieber eine (aus)geschlossene statusniedrige Gruppe mit interner Äquivalenz als “Einzelkämpfer”… Interessante Kommentare sind mir da schon untergekommen zu “überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder durch die Regelschule quälen”…
Diese Angst der Eltern hat einen Namen: “Big-Fish-Little-Pond-Effekt” – aber die Argumente auf der anderen Seite sind auch nicht schlecht…
… ein “alter” Artikel dazu: http://www.zeit.de/2005/50/C-BFLP-Effekt
Kaum einer hat verstanden, dass es hier nicht um “raus aus der Sonderschule, rein ins harte Leben” geht, sondern dass dafür natürlich mehr geändert werden soll als nur die Sonderschulen zu schließen oder die Regelschulen zur Aufnahme von Behinderten zu zwingen.
Klar ist, dass es hier nicht um irgendwelche “Imageprojekte” nach dem Motto “Wir machen ja schon…” gehen kann. Klar ist z.B., dass EIN zusätzlicher Sonderpädagoge noch keine “Inklusionsschule” macht – ich kann die (Regelkinder-)Eltern gut verstehen, die da Einspruch erheben. Mit ihrer unpopulären Entscheidung haben sie ein reines Image-Projekt als solches enttarnt. In diesem Sinn: Was soll das “Böse-Eltern-Geschrei” schon in der Überschrift ?
(Na ja – in den Kommentaren zeigt sich, dass es gewirkt hat…) http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Eltern-lassen-Behinderten-Projekt-platzen-id16131516.html
Abseits vom “harten Leben” sieht´s aber dann gerne mal so aus: Von der Sonderschule ins (sozial getarnte) Nichts: 25% der “L-Schüler” tauchen nie auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt auf. Inklusion sollte das ändern, aber:
“…so wie es jetzt im Moment funktioniert, nämlich Inklusion mit null zusätzlichen Ressourcen und mit null zusätzlichen Mitteln, dann ist es einfach nicht möglich, tatsächlich den Kindern gerecht zu werden, egal ob sie behindert sind oder nicht behindert sind.” http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/archiv/foerderschule/-/id=660334/nid=660334/did=8711604/mz058n/
Angst vor Ausgrenzung auf Elternseite, wirtschaftliche Abhängigkeiten auf Betreuerseite, allgemeiner Geldmangel im Bildungssystem – da kommt man nur schwerlich mit objektiven Informationen durch.
Vielleicht beschäftigen sich die “offiziellen Verhandlungen” auch inzwischen schon längst mit eben diesen Ängsten und Abhängigkeiten – ich bin, wie gesagt, da nicht auf Laufenden. Und ich hab auch nicht den Nerv, mich mit dem offiziellen Kram auseinanderzusetzen… krieg ich ja nämlich fast einen Würgereiz, wenn ein Träger einerseits nett lächelnd irgendwo “Teilhabe”-Buttons verteilt, und andererseits alles auszubremsen versucht, was ihn “Macht und Geld” kosten könnte… igittigitt.
lesenswert an dieser Stelle:
“Die gesamte Branche lebt von der Exklusion. Geldgierige Wohlfahrt” http://www.taz.de/!74546/
Unter dem wirtschaftlichen Aspekt noch was zu den vieldiskutierten Integrationshelferstunden:
(Diskussion z.B. hier: “Die Schule den Kindern anpassen – nicht umgekehrt!” http://www.macht-bildung.de/?p=1274 )
Interessant wäre, zu wissen, ob das Jugend- (Sozial-?)Amt für alle Intergrationshelferstunden den gleichen Stundensatz bezahlt. Die entsprechenden Stellen in den Institutionen bezahlen jedenfalls sehr unterschiedlich – und für mich hat das schon wiederholt so ausgesehen, als ob dieses “Integrationshelferding” von einigen einfach auch als nette Einkommens- und Arbeitskräftequelle genutzt wird. (Falls das Amt nur bezahlt, was die Integrationshelfer tatsächlich kriegen, vergesst den nächsten Abschnitt )
1. Ich stelle für das Leisten der genehmigten und (von Amt) finanzierten Stunden einen Freiwilligen / Ehrenamtlichen ein (z.B. im Rahmen eines FSJ) – der kostet mich allenfalls einen Apfel und ein Ei, das Geld vom Amt fließt fast komplett… äh… “in die Verwaltung”…
2. Ich bin privater Träger einer G-Schule und biete gleichzeitig einen Integrationshelferdienst an, spare das Einstellen von mehr Personal, und ziehe den Integrationshelfern noch “Verwaltungsgebühr” ab…
Wie gesagt, meine persönlichen Eindrücke mit hinterlistig platzierten Links. Über andere Eindrücke und Meinungen würde ich mich freuen. Hätte echt nichts dagegen, mit vielen meiner Einschätzungen ganz falsch zu liegen.
Foto von Michael Bruns
lizensiert unter CC BY 2.0
Testkonstruktion (1) – wie die Bäume langsam zum Wald…
“(1)” … in der Hoffnung, dass ich bis zur Klausur noch einen “Testkonstruktion 2″ – Artikel zustande bringe…
Es zieht sich, weil ich mir (wie immer und grad in StatistikSachen) alles aufmalen muss, damit ich´s verstehe.
… also testet man den Test, der den Test testet, der den Test testet…. ?
1 Grundlagen Testverfahren
Definition, Anwendungsbereiche, Klassifikation, Testtheorie Basics
2 Klassische Testtheorie KTT
Grundannahmen, Axiome, Kritik
3 Testkonstruktion basics
Planung bis Entwurf, Konstruktionsprinzipien
4 Items generieren
Vorgehen, Inhalte, Formate, Aufgabentypen, AFA, CIT
5 Items analysieren
(edit 28.02.11 – Thanks to the Korrekturleser in Sachen Pommes-Umpolung !)
(KTT) Rekodierung, Itemschwierigkeit, Trennschärfe
6 Probabilistische Testtheorie PTT
Grundideen, Messmodelle, diverse Rasch-Modelle, Birnbaum-Modelle, Modelltests
7 Explorative Faktorenanalyse EFA
(edit 05.03.11 – Eigenwert = Spaltensumme der quadrierten Faktorladungen – sorry.)
Spickzettel (mit wesentlichen Zusammenhängen
) , Basics, PCA + PAF, Faktorenextraktion, Faktorenrotation, Muster- + Strukturmatrix
edit 26.09.11 für Fernuni-Hagen-Studenten gibt´s dazu Lernkarten: http://effimz.wordpress.com/
Studie: “Kunst ist Geschmacksache – und die Geschmäcker sind verschieden, ODER?”
Wenn Ihr meine Projektgruppe im empirischen Praktikum unterstützen wollt:
Ich freue mich über zahlreiche Teilnehmer an der oben genannten Studie ![]()
(… dauert nach den ersten Rückmeldungen etwa 20 Minuten)
Hier der allgemeine Link zu Studie: Unipark / Fernuni Hagen
Und hier der Link, über den die Psychologiestudierenden der Fernuni Hagen sich 1,5 Versuchspersonenstunden (in etwa 20 Min^^) “erarbeiten” können:
Virtuelles Labor / PC63
Kritische Anmerkungen und Rückmeldungen jeglicher Art sammele ich gerne als hilfreiche Kommentare unter diesem Artikel – und die Ergebnisse werde ich hier auf dem Blog natürlich auch posten – kann aber März werden.
Danke schon mal an alle, die bereits teilgenommen haben – und an alle die bis zum 9.Januar noch teilnehmen – und natürlich an alle, die die Links weiterschicken oder schon weitergeschickt haben
