“Was ist für dich träges Wissen –
…und kann man das auch wieder flott machen ?
fragt Locutus01
Jo, das mit dem Wissen ist so eine Sache… man hat da so einiges von überall “rumliegen”, aber mit “Information” im Sinne von lat. informare – „eine Form geben” hat dieses Wissen (vielleicht sogar größtenteils ?) wenig bis nichts zu tun.
Ich glaube, dass eigentlich alles Wissen mal als “träges Wissen” angefangen hat… irgendwie zwar “vorhanden”, aber nicht so wirklich ver- und anwendbar:
Gehalt ohne Methode führt zur Schwärmerei,
Methode ohne Gehalt zum leeren Klügeln,
Stoff ohne Form zum beschwerlichen Wissen,
Form ohne Stoff zu einem hohlen Wähnen.
Johann Wolfgang von Goethe
Damit ist ja eigentlich alles gesagt, oder ?
“In echt” kann das z.B. so aussehen:
Ich merke, dass ich mit einer bestimmten Strategie in bestimmten Situationen Erfolg habe.
Natürlich bin ich von dieser Strategie überzeugt und versuche, auch andere davon zu überzeugen.
Doof, wenn mir dabei nicht klar ist, warum genau diese Strategie in bestimmten Situationen funktioniert… wenn ich nicht weiß, was genau daran unter genau welchen Bedingungen funktioniert. Vielleicht hab ich selbst ein Gespür dafür, wann die Strategie sinnvoll eingesetzt werden kann ( =Gehalt) – aber dieses Gespür lässt sich ohne Wissen um die detaillierten Hintergründe nicht verbalisieren … so hat das Ganze keine Methode… und kann, von anderen ohne das notwendige Gespür angewendet, möglicherweise kann schön nach hinten losgehen.
Gut, wenn ich dann aus einer anderen Ecke, in einem anderen (Lern-)Zusammenhang etwas über die “inneren Zusammenhänge” erfahre… wenn ich mein “Wissen, dass…” um ein “Wissen wann und warum…” ergänzen kann.
In dem Moment wird “träges Wissen” flott gemacht… vielseitiger und flexibler ver- und anwendbar.
Ein andermal lern ich lauter seltsames Zeug vor mich hin bzw. in mich rein – mit dem ich in diesem Moment gar nichts anfangen kann… “Pauken” nennt man das wohl. Und in diesem Moment fühlt sich das auch ganz übel nach sturem Eintrichtern und Auswendiglernen an.
Aber irgendwann zeigen sich dann zwischen all diesen “eingebleuten Fitzeln” Zusammenhänge und Strukturen – langsam kriegt der langweilige “Stoff” eine interessante Form. Wenn´s gut läuft, kann ich diese Form mit Erfahrung füllen (Gehalt) – und im Vergleichen von Theorie und Praxis entstehen dann sinnvolle Methoden.
Inzwischen kann ich z.B. meinen “Drill-Sergeant-Stil” als Erzieher erklären – dass er funktioniert, wusste ich ja schon lange.
Inzwischen glaube ich auch zu wissen, warum er funktioniert
- und warum eine falsch verstandene “partnerschaftliche Erziehung” gerne mal unter “das Gegenteil von gut gemeint ist gut gemacht” fällt.
Hm. Ob sich Locutus01 das so vorgestellt hat ? ![]()
Ich geb dann mal zurück an cubeworld.
edit:
dort gibt´s Antwort auf die Frage Von wem lernst du ? – Wer sind deine (all)täglichen Lehrer ?
Kann man lernen, ein guter Mensch zu sein ?
fragt JayRachel “ganz weihnachtlich”.
Klar… ein paar Bibelzitate, mindestens die 10 Gebote und ein paar weltliche Gesetzestexte – und natürlich keine Gerichtssendung verpassen !
Grins, na ja… so grad nicht, aber einen Zusammenhang zwischen Lernen und “guter Mensch” seh ich schon.
Da unterschreib ich bei Henry Ford:
Was wir das B ö s e nennen,
ist einfach Unwissenheit,
die sich im Dunkeln den Kopf stößt.
Was ich nicht kenne,
> kann ich nicht anwenden
- das schränkt meine Handlungsalternativen u.U. auf weniger “gute” Strategien ein.
original: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Patada.jpg
> macht mir Angst
- und Angst macht oft aggressiv
> übersehe ich einfach
- und handele unbewusst oder sogar “gut gemeint” zum Schaden anderer
> … to be continued
Lernen ist also ganz allgemein eine Erweiterung der Handlungskompetenzen.
„Handlungskompetenz wird verstanden als die Fähigkeit des Einzelnen,
sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen
sachgerecht, durchdacht, sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“
(Kultusministerkonferenz (KMK), 5. Februar 1999)
Außerdem:
Wenn ich so lerne, dass ich beim Lernen auch Denken lerne – was nicht immer und überall erwünscht oder üblich ist – mach ich unabhängig vom Lernstoff immer wieder eine wichtige Erfahrung:
Denken ist fehleranfällig.
Diese Einsicht führt dann hoffentlich nicht dazu, das Denken lieber bleiben zu lassen…
Wer für (Denk-)Fehler immer einen Anschiss kriegt, läuft natürlich Gefahr, auf das doofe Denken zu verzichten und es sich etwas einfacher zu machen…
Denken ist schwer,
darum urteilen die meisten.
C.G.Jung
Die “Denkfehlererfahrung” bringt mich hoffentlich dazu, mein eigenes Denken kritisch zu betrachten – und insgesamt “kritisch zu denken”:
Kritisches Denken heisst in Kürze:
selbstgesteuertes, selbstdiszipliniertes, selbstüberwachtes und selbstkorrigierendes Denken.
Es setzt die Bejahung und Beherrschung strenger Qualitätskriterien voraus.
Es führt zu wirkungsvollen Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten
und zur Dauerverpflichtung, den angeborenen Egoismus bzw. Gruppenegoismus zu überwinden.sehr lesenswert:
Kritisches Denken: Begriffe & Instrumente.
Ein Leitfaden im Taschenformat
von Dr. Richard Paul und Dr. Linda Elder
Meine Antwort daher:
Man kann zumindest beim Lernen lernen, ein e t w a s besserer Mensch zu sein.
… zurück an cubeworld
edit:
dort findet ihr eine Antwort auf die Frage:
Muss eine Lehrperson eine Rolle spielen, damit sie was taugt oder hilft absolute Ehrlichkeit beim Lernen?
Wie hältst du dein Lernen auf Kurs ?
Öhm – gar nicht. Ich bin lernarrogant – ich lerne, was mich interessiert.
Und wenn ich den interessanten Sachen folge, komm ich immer wieder vom “geplanten” (oh ja – ich plane schon manchmal… meistens plan ich, dass ich einen Plan planen könnte…) Weg ab und verstöbere mich in den Tiefen und Weiten des Stoffes… von rechts nach links durch´s Internet, hier und da ein Büchlein… Und dann 2 Wochen vor der Klausur noch dabba bei anderen die Zusammenfassungen zu dem abgreifen, was mich selbst nicht so toll angesprochen hat – oder wo ich vor lauter kreuz und quer nicht mehr bis hin gekommen bin.
Wenn ich mir die Rosinen mangels Vorhandenseins nicht aus einem Stoff rauspicken kann, versuche ich meine Volition (irgendwo hab ich wohl eine ganz kleine…) mit Lernmusik und neuer/ interessanter Arbeitssoftware (xmind, impress,prezi, inkscape, photoshop, musicmaker, audacity…) zu unterstützen, indem ich die Schweinehunde ablenke.
Eigentlich erstaunlich, dass ich überhaupt irgendwie manchmal dort ankomme, wo ich laut “Lernziel” ankommen sollte…
Und weil ich glaube, dass Locutus01 da ein besseres (organisierteres) Vorbild in Sachen Kurshalten ist, geht diesmal genau die gleiche Frage zurück an cubeworld.
Sollte dein Wissensmittler für dich auch irgendwie interessant sein ?
Jo, sollte er. Und bitte auch sympathisch.
Wobei sich meine Kriterien für “interessant” und “sympathisch” im Laufe der Zeit geändert haben.
Als (kleines) Kind fand ich jeden interessant, der etwas wusste, was mich interessierte – und sympathisch wurde er mir spätestens dann, wenn er sein Wissen bereitwillig an mich weitergab (bzw. weiterzugeben versuchte ^^)
Als (größeres) Kind fand ich zunehmend andere Sachen interessanter als die, die man mir zu vermitteln versuchte… meine Lernbereitschaft beschränkte sich auf Lehrer (im weitesten Sinne), die mir schon vorab und grundsätzlich sympathisch waren.
Für die unsympathischen Lehrer in der Schule hab ich auch ab und zu gelernt – war ein Statement: “Ich könnte, wenn ich wollte. Aber ich will nicht”
Praktischerweise bin ich dann irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem mir die eigene Begeisterung des Lehrers für seinen Stoff den Lehrer irgendwie sympathisch und seinen Stoff damit interessant machte.
Und inzwischen hab ich gelernt, dass nicht alles, was begeistert und begeisternd und im Brustton der Überzeugung an Wissen vermittelt wird, auch tatsächlich “richtig” ist. (Das Ende des Gurus
)
Und ich lerne am liebsten von Menschen, die von “ihrem Thema” ehrlich begeistert sind – dabei aber (selbst-)kritisch und offen für andere “Wissensergebnisse” bleiben und sich und anderen auch mal einen Irrtum zu- und eingestehen.
Da ich es aber von mir selbst kenne, dass ein gewisser “Guru-Faktor” schon irgendwie anziehend ist:
Zurück an cubeworld und Locutus01 mit der Frage:
Was macht guru-ähnliche Wissensvermittler so attraktiv ?
Antwort hier