Gegen die Tendenz, das Pferd mit dem inneren Zügel in die Wendung zu ziehen
mögliche Ursache
(und in diesem Fall auch Wirkung der “Zügelzieherei” ):
nicht korrekter Drehsitz
Einknicken (bei Rechtshändern v.a. auf der linken Hand in der linken Hüfte)
- mit dem Zug am inneren Zügel ziehst du dich zusätzlich selbst aus dem Gleichgewicht
→ dein Gewicht kommt zum Ausgleich der “Knickbewegung” nach außen
und bringt das abwendende Pferd aus dem Gleichgewicht oder verwirrt es zumindest
→ das innere Bein wird aus der Hüfte raus hochgezogen und damit “zu kurz”
→ der innere Schenkel, der das Pferd am äußeren Zügel und gebogen halten soll (→ “diagonale Hilfen”) , kann nicht effektiv einwirken
Was kann helfen ?
Mach dir Dehnung und Muskeltonus der Hüfte/seitlichen Rumpfmuskulatur bewusst:
durch seitliches Verschieben des Oberkörpers bei parallelen Schultern
- ruhig auch mal auf dem Bürostuhl oder in der Warteschlange an der Kasse
in der Wendung (auf dem Pferd ^^) :
innerer Ellbogen hoch und raus (sieht komisch aus, zieht aber den Knick raus)
auf dem ruhig stehenden Pferd:
Beide Arme bei Blick nach vorne (Kopf hoch) an den Ohren vorbei nach oben strecken – Spannung in Armen und Rumpfmuskulatur halten, so den Oberkörper drehen – Gesäßmuskeln dabei locker lassen!
→ richtigen Drehsitz erfühlen:
Jetzt sollte das innere Knie ein wenig weiter vorne fester an den Sattel drücken, während das äußere Bein minimal weiter hinten am Pferd zu liegen kommt (passend zu den “bekannten” Schenkelhilfen in einer Wendung),
weil die innere Hüfte durch die korrekte (knickfreie und gesäßlockere) Drehung des Oberkörpers leicht vor der inneren Schulter bleibt*
… und da das innere Bein in der Regel an eben dieser Hüfte angewachsen ist, sollte es … ![]()
(für äußere Hüfte und Schulter gilt das ganze dann andersrum: die äußere Hüfte bleibt bei korrekter Drehung hinter der gleichseitigen Schulter zurück… )
auf dem Pferd in der Bewegung:
ohne Sattel oder zumindest ohne Bügel “mit dem inneren Schenkel weit unter dem Bauch des Pferdes einwirken wollen” – zum “Gegenfühlen” auch mal “mit dem äußeren Schenkel weit unter dem Bauch des Pferdes einwirken wollen” … dabei erklärt sich von ganz alleine, wie der “Hüftknick” sich auswirkt.
Führe den inneren Zügel dicht am Hals – das wirkt dem falschen Eindruck entgegen, das Pferd “rumziehen” zu können und verführt dadurch weniger zum Ziehen.
* Das liest sich in manchen Reitlehrern als “einseitige Gewichtshilfe: Hüfte vorschieben” – aber tatsächlich ist mir noch nie gelungen, die Hüfte aktiv vorzuschieben… die ist vermutlich (zumindest bei mir) doch zu sehr mit meinem Po verbunden, und den verschieb ich beim Reiten eigentlich nur kurz bevor das Pferd und ich getrennte Wege gehen…
Reitenlernen für Kinder: Fantasie statt Anweisungen
Fantasiegeschichte zum Kinderreiten
Material: Kind auf geführtem Pferd (mit Voltigiergurt), Ring (vorher schon an geeigneter Stelle verstecken), Vorleser (z.B. anwesende Eltern, Großeltern ^^)
Es waren einmal ein König und eine Königin. Die hatten 5 Kinder.
Wie könnten denn die Kinder heißen?
schafft gleich einen persönlichen Bezug zu der ganzen Geschichte – und über was anderes als Reiten nachdenken macht außerdem locker
Und immer, wenn sie alle Zeit haben, wenn der König und die Königin abends mit Regieren fertig sind und die Kinder ausgespielt haben, machen sie einen großen Spaziergang durch den Wald und spielen dabei…
z.B. ”Ich sehe was, was du nicht siehst” oder einfach nur ”Farben suchen” (Zeig mir mal alles, was rot ist…)
Lockerungsübung – bringt das Kind dazu, sich a) auf dem Pferd zu bewegen, z.B. die Hände loszulassen, um etwas zu zeigen, sich zu drehen, den Kopf zu heben, sich umzuschauen und dabei aufzurichten usw. und macht b) locker, weil Spaß ^^
Eines Abends – die Kinder sind schon alle im Bett – tönt ein entsetzter Schrei durch´s Schloss. (je nach Pferd lieber nicht so laut “synchronisieren” ^^) So entsetzt und laut, dass alle Kinder wach werden und schnell zu dem König und der Königin ins Schlafzimmer rennen. Und da hockt Mama Königin mit aufgerissenen Augen im Bett und Papa König hat die Stirn in sorgenvolle Falten gelegt… „Warum guckt ihr denn so erschrocken und sorgenvoll. Was ist denn passiert?“ fragen die Kinder. Und der König erklärt mit Kummerfalten in der Stirn:
“Wir haben heute auf dem Spaziergang unseren „Schlauen Ring“ verloren. Ohne den sind wir verloren. Der Ring hat uns zu allen schwierigen Fragen immer eine Antwort geschickt – z.B. „was schenken wir unseren Kindern zum Geburtstag? – was für ein Fest könnten wir mal mit unseren Untertanen feiern, damit die sich vom vielen Arbeiten erholen können? – was kochen wir morgen? …“
„Das ist doch nicht so schlimm“, trösten die Kinder , „ wir machen morgen früh gleich einen Spaziergang, laufen den gleichen Weg wie gestern, halten alle 7 unsre 14 Augen gut offen und dann finden wir den „Schlauen Ring“ ganz schnell wieder.“ Traurig schütteln der König und die Königin den Kopf. „So einfach ist das leider nicht mit dem „Schlauen Ring“, seufzt die Königin. Der Ring wär ja kein schlauer Ring, wenn er die Gelegenheit nicht nutzen würde, um einfach zu verschwinden und dann nie wieder arbeiten und Fragen beantworten zu müssen. Der hat sich irgendwo versteckt oder ist ganz weit weg gerollt oder hat sich von einem Vogel davontragen lassen… den finden wir nie wieder…“ „Und ohne Ring können wir nicht regieren, das ist viel zu kompliziert. Ohne „Schlauen Ring“ werden wir ständig was falsch machen, Geburtstage vergessen, unsere Untertanen ärgern, Sachen kochen, die keiner essen will…Es ist schrecklich!“ jammert der König. Und alle schauen ziemlich dumm aus der Wäsche.
Alle, bis auf xx „Ich werde den Ring schon finden“, sagt … ich nehm jetzt mal ein Mädchen…
„Ich reite gleich los.“ „Das ist viel zu gefährlich und du bist noch viel zu klein und du wirst dich verirren und…“ hört sie die anderen noch befürchten, und macht sich den Weg.
Es ist ziemlich dunkel, und sie streicht erst mal mit den Händen über das Pferd, um zu fühlen, ob´s auch tatsächlich ihr Pferd ist und sie sich in der Dunkelheit nicht versehentlich auf den Hofelefanten geschwungen hat:
Sie streicht am Hals entlang bis zu den Ohren, fühlt nach, ob eine Mähne am Hals ist, streicht über den Rücken, die Kruppe (den Po), den Bauch… Und? Pferd oder Elefant?
hilft, den richtigen Sitz zu finden… lieber weiter nach vorne gebeugt, nach hinten gelehnt… wo ist die Mitte…
Es fällt ihr ein, dass es im Dunkeln nicht viel Sinn macht, einen Ring zu suchen, und eigentlich sie auch noch ganz schön müde, sie hat ja in dieser Nacht kaum geschlafen. Also beschließt sie, erst mal auszuruhen. Sie lässt das Pferd anhalten und legt sich bequem hin.
Probier mal, wie du am gemütlichsten liegen kannst.
vertrauenschaffend, ruhig auch auf stehendem Pferd mal “falschrum” drehen und sich mit Kopf Richtung Kruppe auf den Bauch legen lassen…
Als die Sonne sie an der Nase kitzelt, wacht sie langsam auf.
Sie setzt sich wieder und reckt und streckt sich erst mal.
Sitz aufrichtend
Dann beginnt die Suche.
Sie schaut hoch in den Himmel, ob da vielleicht ein Vogel mit dem Ring unterwegs ist.
Lockerungsübung und gut zum Finden der passenden Muskelspannung in Bauch und Rücken
Sie sucht auf dem Boden. Sie guckt ganz genau, ob da was liegt.
So weit runter, wie´s geht – zum Ausprobieren, bis wohin man rutschen kann, ohne das Gefühl zu haben, gleich runterzufallen. Bringt die Griffe des Voltigiergurts als “Halt” (auch für Notfälle) ins Bewusstsein.
Sie sieht sich in alle Richtungen um. Rechts, links, hinten, vorne, überall. Und dabei sieht sie…
Umschauen = bewegen + aufrichten, Sitzgefühl/Balance entwickeln, locker werden
Entdecktes erzählen lassen = atmen, nicht verkrampfen
mitmachen + agieren = gut für´s Kindergefühl
PS: diese Übung mit fortgeschrittenen Kindern ruhig auch im Trab !
Plötzlich steht sie vor einem Fluss.
Um ohne nasse Füße durch den Fluss zu reiten, muss sie die Füße ganz hoch heben.
hilft beim Wahrnehmen der Sitzbeinhöcker/ Beckenstellung / Beinlage aus der Hüfte heraus
Geschafft. Und sie sucht weiter, sieht sich um, guckt genau auf den Boden. Und sucht einen Vogel im Himmel.
Sie kommt in einen Wald. Hier hängen die Äste aber tief.
Sie muss sich auf dem Pferd ganz klein machen, sonst stößt sie sich den Kopf an…
Vorübung “leichter Sitz”
Und jetzt stehen die Bäume so eng.
Sie zieht die Knie so hoch sie kann, damit sie nicht an den Stämmen hängen bleibt.
s.o. Sitzbeinhöcker/ Beckenstellung / Beinlage aus der Hüfte
Da vorne ist eine Lichtung im Wald. Mitten auf der Lichtung steht ein Apfelbaum. Sie hat Hunger, aber die Äpfel hängen sehr hoch. Sie muss sich ganz schön strecken, um einen zu pflücken.
Aufrichtung, Geradesitzen, Muskeltonus Bauch und Rücken
Sie kaut genüsslich. Hm, fein.
Aber …
Die Äpfel sind verzaubert. Wer einen ist, wird sofort ganz ganz müde. Alles wird schwer.
Die Arme werden auf einmal so schwer, die Beine werden so schwer, als hätte jemand Gewichte an die Füße gehängt. Der Kopf wird so schwer…
kennt man als Entspannungsübung aus dem Autogenen Training
Schließlich fallen ihr die Augen zu uns sie schläft ein, während das Pferd sich wieder auf den Weg macht. Es trägt sie ganz vorsichtig den weiten Weg nach Hause. Und sie träumt von saftigen Äpfeln und „Schlauen Ringen“, von Mama Königin und Papa König… und im Traum hört sie ihr Pferd etwas flüstern… und das Pferd flüstert: „Hey, du hast den Ring zwar nicht gefunden, aber du warst die einzige, die sich überhaupt getraut hat, ihn zu suchen. Deshalb verrate ich dir ein Geheimnis: Der König und die Königin haben den Ring gar nicht auf dem Spaziergang verloren. Da war er schon weg, sie haben´s bloß erst nach dem Spaziergang gemerkt. Vor dem Ausflug in den Wald waren sie im Stall und haben mir mein Abendessen gebracht. Vielleicht findest du den Ring dort irgendwo?“
Müde öffnet das Mädchen die Augen, sie ist schon fast zu Hause. Und sie erinnert sich an den Traum vom flüsternden Pferd. Kann es sein …?
Sie steigt ab, führt das Pferd in den Stall und …
Wo könnte sich der Ring versteckt haben?
“Das ist aber kein schönes Stroh !”
…meint der Fachmann nach einem etwas verächtlichen Blick auf meinen angerupften Strohballen.
Da hat er recht. Kurze, geknickte, zerfaserte und alles andere als goldgelbe Halme… nicht schön – genau so mag ich mein Stroh.
Langes Stroh wickelt sich erst dekorativ um die Pferdebeine, bewegt sich als Anhang derselbigen durch die ganz Box (und weiter) und türmt sich nach mehreren Pferde-Umdrehungen ordentlich an den Wänden auf – um eine kahle Mitte rum.
Goldgelb glänzend taugt Stroh sowieso nur zur Deko: glanzstark = saugarm.
Was glänzt, ist nämlich die Wachsschicht, Kutikula genannt. Die ist relativ wasserundurchlässig, schützt die Pflanze damit vor dem Austrocknen – und das Stroh vor dem Vollsaugen.
Außerdem macht die Wachsschicht die Pflanze resistenter gegen Pilz- und Schädlingsbefall – und wird dabei von einem fürsorglichen Landwirt mit diversen Mittelchen unterstützt. Die besagten Mittel sind in der Regel fettlöslich und lagern sich dementsprechend bevorzugt in der Wachsschicht an.
Frag ich “meinen Bauern” nach beregnetem Stroh, dann grinst der und sucht mir einen “unschönen” Ballen raus, mit zerbröselten Halmen, an denen die Wachsschicht schon möglichst abgewaschen ist.
Prima – ich will ja kein Deko-Stroh zu Gold spinnen, sondern die Box einstreuen und den Pferden was zum Dauerkauen anbieten.


