Die natürliche Schiefe des Pferdes
Beispiel:
Pferd N. ist Rechtshänder:
Seine stärkeren Beine sind das rechte Vorderbein und das linke Hinterbein. Es tritt hinten rechts an seinem Schwerpunkt bzw. seiner Bewegungslinie vorbei und schiebt sich dabei auf die linke Schulter.
Das äußert sich beim Reiten z.B. so:
Da beim Abstellen des Halses die Hinterhand die Tendenz hat, in die entgegengesetzte Richtung auszuweichen,fällt es ihm leichter, sich nach links zu stellen – und mit der Hinterhand nach rechts auszuweichen.
Alle Übungen, die das rechte Hinterbein zum Überkreuzen nach links bewegen (Vorhandwendung nach rechts,dem rechten Schenkel weichen) fallen ihm schwer,weil die entsprechenden Muskeln quasi “zu kurz” sind.
Auf gebogenen Linien schiebt es sich linke Hand auf die linke Schulter nach innen, was sich in der Tendenz zeigt, vor allem in höheren Gangarten z.B. den Zirkel immer weiter zu verkleinern. Auf der rechten Hand schiebt es sich dementsprechend über die linke Schulter nach außen und neigt dazu, die Zirkellinie zu vergrößern (fällt oft nicht so auf, weil die Bande als Begrenzung dient.)
Während es beim Abwenden nach links geradezu in die Wendung “fällt”, läuft es beim Abwenden nach rechts oft erst mal über die linke Schulter geradeaus weiter.
Wichtig: Linien korrekt reiten – und dabei über koordinierte diagonale Hilfen an den oben genannten Problemen arbeiten. (z.B. vor dem Abwenden nach rechts das Pferd ganz bewusst mit dem inneren/rechten Schenkel an den äußeren/linken Zügel treiben und damit sowohl die Schulter begrenzen als auch das innere Hinterbein zum fleißigen Untertreten anregen.)
Viel Spaß beim Denken!
Tiergestützte Therapie?
Pferde als “Entwicklungshelfer”
*In einem Fall als “Belohnung” für das Verlassen der Komfortzone:
Innerhalb eines Planes “erst das…dann zum Stall” begibt sich z.B. ein pferdeliebender Autist in unbekannte und damit möglicherweise gefährliche Situationen…
*In einem anderen Fall als “Eindruck”,
der das dringende Bedürfnis weckt, sich “sprachlich” auszudrücken.
*Oder als “Erlebnis”
Faszination des Grauens…ich will, aber ich krieg keine Garantie, dass alles glatt läuft…will ich mehr als ich Angst habe…ich will…wow…ich hab mich getraut.
*Oder als Minisystem zum Studieren sozialer Zusammenhänge
Das Pferd meldet Fehler gnadenlos, direkt und ehrlich zurück – und geht dann möglichst schnell wieder in den “Normal-Modus”.
*Oder als Persönlichkeitstraining direkt:
Pferde folgen nicht jedem…man braucht schon eine gewisse “selbstsichere Ausstrahlung” (mein Terrier funktioniert ähnlich)…wenn dann allerdings ein 500kilo- Tier brav hinter mir hertrottet und sich bei Gefahr sogar hinter mir zu verstecken versucht – das bringt mindestens 1m inneren Größengewinn. (Und wenn der Terrier tatsächlich mal macht, was ich will: HA!)
*zum Liebhaben und zusammen schweigen
basales Erleben und emotionale Entspannung
*…zum gemeinsam im Fehler sein
sehr beziehungsfördernd
*…zum “Ich-hab-den-Futtereimer”-Wichtig-Sein
Macht und wie man sie sinnvoll einsetzt – Verantwortung
*…zum Sich-Bewusst-Bewegen-Müssen
Pferd animiert zum “bewussten” Bewegen, weil es angesichts des “Redeschwalls an Körpersprache” ziemlich verwirrt reagiert und irgendwann dann gar nicht mehr “zuhört”
Und als Übersetzer für mich:
Ich hantiere die Tiere jeden Tag, hab sie zum Teil schon seit 15 Jahren und alle selbst ausgebildet.
Ich sehe, wie sie auf einen Menschen reagieren und wie ein Mensch auf sie zugeht -und weiß schon ziemlich viel.
(Pferde übersetzen Muskeltonus in Verhalten…sozusagen. )
Tiergestützte Therapie? Heiltherapeutisches Reiten?
Brauchen Kinder ein “Therapiesetting”, um vom Umgang mit Tieren zu profitieren?

