Förderziel: Kampfansage
Autist hat was falsch gemacht -
erstarrt kurz, lässt dann alles hängen, Schultern, Kopf, sogar die Ohren.
Zum Boden vor seinen Füßen sagt er:
“Am besten wär ich einfach gar nicht mehr da.
Ich mache eh immer alles falsch.
Ich bin immer verkehrt.”
einen Monat später:
Ich sage: “Das kannst du. Halte es aus. Tu es. “
Autist sagt zur Wand hinter mir:
“Wenn ich das tun muss,
rege ich mich furchtbar auf
und dann muss ich ausrasten.
Das willst du doch nicht, oder?”
- “Mach nur. Ausrasten stört mich nicht. Das überleben wir.”
Autist rastet aus – wir überleben es.
Autist ist etwas irritiert, scheint aber ganz zufrieden.
Macht. Hält aus. Kann.
zwei Monate später:
Ich sage zu Autist: “Du hast was falsch gemacht.” -
Autist erstarrt. Autist lässt alles hängen, Schultern, Ohren…
Autist hebt den Kopf und sagt zu einem Unsichtbaren irgendwo neben mir:
“Das war nicht meine Schuld.
Das war dein Fehler.
Du hast was falsch gemacht.” -
Ich denke.
“Shit, du hast recht”, muss ich zugeben.
Autist ist zufrieden. Mit uns.
ein paar Monate später:
Riesenkrach mit Autist, der was falsch gemacht hat und jetzt ausrastet.
Er ist Anspannung pur, schlägt, tobt, schimpft, hasst (mich).
Er schaut mir in die Augen, funkelt mich an:
“Ich weiß, dass ich das kann.
Beim nächsten Mal werd ich´s dir beweisen.”
Die Psychologie sagt: “Hilflosigkeit” ist lernbar.
Lass mich erleben, dass ich nichts kann.
- Sag: “Das will ich dir nicht zumuten.”
- Sag: “Das probieren wir lieber nicht mehr.”
- Beschütze mich – immer und überall.
- Sag voller Mitleid und ganz verständnisvoll:
“Du kannst ja nichts dafür. Ich mag dich trotzdem.”
Ich weiß, du meinst es gut mit mir. Ich glaube dir.
“Der Mediziner und Psychotherapeut Aaron T. Beck nimmt an, daß bei depressiven Menschen negative Gedanken über sich selbst, ihre Umwelt und die Zukunft vorherrschend sind, welche die Depression auslösen und aufrechterhalten. Die Basis sollen dysfunktionale Grundüberzeugungen sein, die Beck auf Erfahrungen und die Familienbeziehungen in der Kindheit zurückführt.” … weiter lesen
Geschichten vom “sturen Downi”
Etwas lieblos - dabba dabba, wir haben doch keine Zeit und wer weiß, wie lange Lina jetzt überhaupt Interesse an dem Ganzen hat - schneide ich drei kleine gelbe Sterne aus dem Karton.
Namensschilder für die Weihnachtsgeschenke sollen das werden: Mama, Papa, Sarah … eine Kerze, ein Gummi-Entchen (hihi), ein Textmarker.
Lina hat sie im Einkaufszentrum selbst für jeden ausgesucht und bezahlt.
Mehr beiläufig und aus “pädagogischer Höflichkeit” frage ich:
“Schreibst du die Namen drauf ? Oder soll ich das machen ?” - Ich natürlich…vor allem, wenn ich in der Aufzählung am Schluss stehe – und Lina sich aus Bequemlichkeit ja immer für das Letztgehörte entscheidet…leicht manipulativ – aber ich weiß ja auch nicht, wie lange sie überhaupt Interesse… -
“Ich”, sagt Lina. - Huch, denke ich. Das kriegt sie nicht hin…dann ärgert sie sich…lässt alles liegen…ich mach´s dann für sie…und sie fühlt sich wieder doof und unfähig…keine gute Pädagogik – denke ich. -
Sagen tu ich – als hätte ich nix anderes erwartet: “Okay – ich schreib´s dir vor.” Tatsächlich erwarten tu ich ein bisschen unleserliches Kritzelkratzel - und überlege schon, ob es wichtiger ist, dass der Richtige das richtige Geschenk kriegt…oder dass Lina jetzt und hier das Gefühl hat, sie kriegt das hin, ohne dass ich noch was dazu schreibe…aber spätestens, wenn´s nachher keiner lesen kann…3-Sekunden-Pädagogik-Gewitter… -
Ich schreibe vor, Lina malt ab. Ich sage “hoch”, “runter”, “Kopf”, “Bauch” … - keine Ahnung, wie man Buchstaben be-schreiben kann – schlechtes Gewissen, das sollte ich doch eigentlich…egal -
… hups…kurz Radieren - ohweh, jetzt ist sie beleidigt und hat keine Lust mehr ? - es stört sie gar nicht, sie arbeitet immer noch hochkonzentriert.
Die Sterne sind natürlich viel zu klein (die waren ja auch für mich …*hüstel*). Die Buchstaben passen nicht hintereinander (mein Fehler). Deshalb stehen sie jetzt neben- und übereinander. Sie sind auch nicht alle aus dem deutschen Alphabet.
Aber die Namen sind lesbar. Lina ist zufrieden. Nicht mal besonders stolz – nur einfach zufrieden.
Ich bin stolz. Und ein bisschen erschüttert. Und ein bisschen beschämt….während Lina engelsgeduldig - wow ! trotz Problemen mit der Feinmotorik - die gelochten Sterne mit Geschenkband an die Päckchen knotet – und anschließend noch mit der Riesenschere das Geschenkband kräuselt - äh – Probleme mit der Feinmotorik ?…
Linas Schule sagt:
Lina ist zu faul zum Schreiben. Die hat da einfach kein Interesse dran.
Psychologie sagt:
- Andere Leute teilen mir indirekt durch ihre Reaktionen mit, wie sie mich einschätzen.
- Die indirekten Mitteilungen beeinflussen meine Selbsteinschätzung.
- Meine Selbsteinschätzung beeinflusst meine Motivation und meine Leistung.
aus einer Fragebogenstudie von Weiner, Graham, Stern und Lawson 1982
- Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Schlechte Note des Schülers und Reaktion des Lehrers -
Ärger, Schuld, Mitleid, Überraschung oder Traurigkeit - Auf welche Ursache führt wohl ein ärgerlicher, mitleidiger… Lehrer den Misserfolgs des Schülers zurück ?
z.B. mangelnde Anstrengung, fehlende Fähigkeiten… - …zu welcher Selbsteinschätzung führt das wohl beim Schüler?
- … usw.
Wie geht es dir?
Mach den Stroop-Test
-> lies die Wörter
-> nenn die Farben
Wenn das mit dem Lesen den Farben gut geklappt hat, bist du wahrscheinlich nicht so gut drauf. Schade.
Über Emotionen:
emotion1
Basics, Komponenten, Funktion
emotion2
Klassifikation, Theorien / Forschungsansätze, Induktion von Emotionen
Links zum Thema:
- Spiegel online /Wissenschaft:
“Des einen “:-)” ist des anderen “^.^”:
kulturspezifische Eigenheiten beim Dekodieren von Gesichtsausdrücken”
Mimik-Barriere: Warum Asiaten Europäer missverstehen - Spiegel online /Wissenschaft:
“Die Gefühle, die Weinen auslösen, sind ebenso vielfältig wie individuell unterschiedlich – der Sinn der Tränen selbst ist aber immer noch unklar.”
Tränen-Studie: Warum wir weinen - Spiegel online /Wissenschaft:
“Briten und Himba verstanden gleichermaßen Tonaufnahmen von Lauten, die Zorn und Ärger, Angst, Ekel und Trauer, aber auch positive Gefühle wie Freude oder Erheiterung ausdrückten.”
Universelle Kommunikation: Gefühlslaute werden weltweit verstanden - Spiegel online /Wissenschaft:
“Unsere Studie zeigt, dass die stimmensensitiven Gehirnregionen bereits im Alter von sieben Monaten Stimmen und die damit verbundenen Emotionen erkennen”, erklärt Grossmann. Das könnte wichtig sein für die frühzeitige Diagnose von Entwicklungsstörungen.”
Schon Kleinkinder erkennen Gefühle in der Stimme
