bewegung

Bewegung und Lernen

Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil der Wahrnehmung:
Das Kind er-geht, er-läuft, er-spielt, er-tanzt, ER-FÄHRT sich und seine Umwelt im Sich-Bewegen.

Zum einen führt Wahrnehmen zu Bewegung: Kleinkind sieht Ball und krabbelt hinterher.

Zum anderen führt Bewegung zu Wahrnehmung: Kind klettert auf Baum und guckt nun von oben.

Die lockernde und entspannende Wirkung von Bewegung ist Teil einer urzeitlichen Gehirnfunktion:

Anspannung / Stress (in einer Gefahrensituation) lösen Bewegung (Flucht oder Angriff) aus, das Adrenalin aus der Anspannung wird über Bewegung abgebaut. Vor allem koordinierte, rhythmisch-gleichmäßige Bewegungen wie Gehen, Laufen, Tanzen u.ä. helfen, Spannungszustände zu lösen.

Bewegung jeglicher Art steigert die Durchblutung des Gehirns und damit dessen Leistungsfähigkeit.

Motorische und mentale Prozesse laufen im Gehirn über weite Strecken hin parallel ab.

Die Annahme, unterschiedliche Gehirnfunktionen seien völlig isoliert voneinander in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns angelegt, hat sich in der Gehirnforschung als falsch erwiesen. Tatsächlich nutzen verschiedene kognitive Funktionen zumindest teilweise dasselbe System, dieselben Verknüpfungen wie motorische Funktionen.

„…dass Bewegung für alle anderen Hirnfunktionen maßgeblich ist,
auch für Gedächtnis, Emotion, Sprache und Lernen.
Denn unsere „höheren“ Hirnfunktionenhaben sich aus der Bewegung heraus entwickelt
und sind nach wie vor von ihr abhängig.“

(John J. Ratey, „A User´s Guide to the Brain. Perception, Attention and the Four Theaters of the Brain“,Pantheon Books, New York 2001)

Routinierte Bewegungsabläufe helfen beim Überwinden von Denkblockaden und fördern das Abspeichern von Informationen.

Ungewohnte Bewegungsabläufe stimulieren das Gehirn zum Schaffen neuer Verknüpfungen und bereiten neue „Denkwege“ vor.

Diese Erkenntnisse können beim Gestalten von kindgerechten Arbeitssituationen unterstützend eingesetzt werden.

Ein einfaches Beispiel zum Erarbeiten der grundlegenden Strukturen der Reihenbildung: Nach jedem Ausmalen stellt das Kind den gerade gebrauchten Buntstift wieder in den passenden Becher und kehrt zu seinem Arbeitsplatz zurück, um – mit Blick auf den gesamten Aufbau – zu entscheiden, welche Farbe als nächstes folgt.
Die räumlich entzerrten Stationen und die zwischen ihnen zurückzulegenden Wege erleichtern ihm dabei die Orientierung und helfen ihm beim Aufbau entsprechender Strukturen, indem sich kognitive und motorische Leistungen gegenseitig verstärken.

einfacher Lernen mit Bewegung

Darüber hinaus stärken Bewegungsübungen zu Koordination und Gleichgewicht neuronale Netzwerke im Gehirn, die auch zur Koordination zwischenmenschlicher Interaktionen genutzt werden.
(Siehe Sprachmuster: auf andere zu-gehen, sich auseinander-setzen, jemanden unter-stützen…)

Die Kombinationen entsprechender Übungen mit einfachen Kooperationsspielen wie z.B. dem Überwinden eines Hindernisparcours als Paar mit der Auflage, sich dabei durchgehend an einer oder beiden Händen zu halten, fördern sowohl die eigene Körperwahrnehmung als auch die einfühlsame Wahrnehmung des Gegenübers, führen zwangsläufig zu sozialen Interaktionen und lassen die Beteiligten Grundlagen und Möglichkeiten des sozialen Miteinanders unmittelbar erfahren.

Mit diesen Gedanken „im Hinterkopf“ finden sich passende Trainingsgelegenheiten bei jedem Waldspaziergang!

Selbst- und Fremdbewegung

Ich bin in der Lage , zu erkennen, ob ich mich bewege, ob ich bewegt werde oder ob sich etwas in meiner Umgebung bewegt…

Wenn ich auf einem Karussell sitze, glaube ich nicht, dass jemand den Kirmesplatz ganz schnell um mich herumdreht  – ich weiß, dass ich bewegt werde – und ich weiß auch, dass ich mich noch zusätzlich selber drehen kann – und kann alle diese Bewegungen auseinanderhalten.

Manchmal kann man es für einen kurzen Moment auch mal nicht sortieren, z.B.wenn man in einem stehenden Zug sitzt und nebenan ein Zug anfährt… fährt der vorwärts oder fahr ich rückwärts?

Hätte ich diese Fähigkeit zur Unterscheidung von Selbst- und Fremdbewegung nicht, könnte ich mich in der Welt nicht orientieren – würde z.B. ziemlich demnächst überfahren werden oder Rolltreppen höchst verdächtig finden (wer trägt das Kaufhaus an mir vorbei?).

Wenn meine Wahrnehmung mit Sortieren nicht mehr mitkommt z.B. weil sich auf einem Schiff das bewegt, was mein Hirn als unbeweglich abgespeichert hat, muss ich mich eventuell übergeben…grins.

Selbst- und Fremdbewegung lassen sich noch weiter unterteilen:
Ich fahre auf einer Rolltreppe. Ich kann in Richtung der Rolltreppe laufen, gegen die Richtung der Rolltreppe laufen – dann ändere ich im Verhältnis zum Kaufhaus meinen Ort nicht, obwohl ich mich bewege… Wenn jemand auf einer parallelen Rolltreppe genau das gleiche macht wie ich, bewegen wir uns im Verhältnis zueinander nicht und bewegen uns aber doch…

Wir können auch einfach auf der Stelle zappeln – dann bewegen wir uns zwar, ändern aber nicht den Ort.

Ohne diese Wahrnehmung von Bewegung bleibt die Wahrnehmung unsortiert und es gibt keine Orientierungspunkte zur Verarbeitung… ich weiß z.B., dass  Autos nicht wachsen oder schrumpfen, wenn sie an mit vorbeifahren, sondern dass sie erst  näher kommen und dann wieder weiter weg fahren…ich stell mir eine Welt vor, in der ich ohne erkennbare Bewegungszusammenhänge ein Auto -möglichst noch bei Gegenverkehr – überholen soll…

Bewegung gibt Aufschluss über Zusammenhänge…wenn ich sehe, wie zwei Menschen sich im Verhältnis zueinander bewegen, kann ich abschätzen, was zwischen ihnen passiert, ob sie sich einig sind, streiten usw…Ohne Ton…

Ein Beispiel zu kognitiven “Umarbeitung” von Bewegung in Kausalzusammenhänge: Michotte

Keine Bewegung, keine Information…ich lese einen Text von links nach rechts… von rechts nach links gelesen (Lesen ist “Augenbewegung”) gibt das Ganze keinen Sinn…oder vielleicht doch?

Wahrnehmen, konzentrieren, entspannen

K O N Z E N T R A T I O N
=
Zustand eingeschränkter
W A H R N E H M U N G

=
E N T S P A N N U N G

Konzentration hängt eng mit Wahrnehmung zusammen:

Wenn ich meine Aufmerksamkeit/Wahrnehmung auf eine Sache/einen Reiz konzentriere, lasse ich  alles andere los.

Erlebe ich diesen Reiz als angenehm und lasse mich gerne auf diese Wahrnehmung ein, führt mich dieser Reiz in einen Zustand der entspannten Konzentration/konzentrierten Entspannung.

Führe ich unter günstigen Umständen (Ungestörtheit, Ruhe, angenehme Umgebung…) eine bestimmte Wahrnehmungs-/Konzentrationsübung regelmäßig bis zum Erreichen dieser konzentrierten Entspannung durch, entsteht dabei eine gewisse Routine = konditionierte Entspannungsreaktion, die mir schließlich ein Erreichen des Entspannungszustandes auch unter ungünstigen Bedingungen ermöglicht.

Erwachsene können sich mit Mentaltechniken ( wie z.B. den Formeln des Autogenen Trainings) auf „entspannende Reize“ konditionieren, ihre Aufmerksamkeit bewusst und willentlich auf eine bestimmte Wahrnehmung lenken. Kinder brauchen kindgerechte Reize, die individuell von Kind zu Kind und Situation zu Situation verschieden sein können und aus sich heraus, ohne willentliche mentale „Anstrengung“ die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich ziehen.

Natürlicher Bestandteil der kindlichen Wahrnehmung ist Bewegung: Das Kind er-geht, er-läuft, er-spielt, er-tanzt, ER-FÄHRT  sich und seine Umwelt im Sich-Bewegen. Vor allem koordinierte, rhythmisch-gleichmäßige Bewegungen wie Gehen, Laufen, Tanzen u.ä. helfen, Spannungszustände zu lösen.

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