Zur Popularität von DSDS – Hat Bildung keinen Wert mehr ?
Nach der Vorstellung Humboldts geschieht Bildung in der Aneignung von Kulturgütern.
Es fällt den „Gebildeten“ unter uns schwer, einem Format wie DSDS überhaupt die Bezeichnung „Kulturgut“ zuzugestehen. Seine Popularität und den daraus resultierenden Einfluss auf Kinder und Jugendliche können wir kaum mit Begriffen wie „Kulturaneignung“ oder gar „Bildung“ in einem Zusammenhang sehen.
Im Gegenteil liegt die Befürchtung nahe, dass gerade die Gruppe der bildungsferneren Jugendlichen auf ihrer Suche nach gesellschaftlichen Werten und persönlichen Werthaltungen durch dieses Medienangebot in ihrer Entwicklung beeinträchtig wird.
Ein kritischer Blick auf Castingformate, insbesondere auf DSDS, ist sicher angebracht.
Für die Kanditaten steht der Chance, (vermeintlich) berühmt zu werden, eine Reihe von Risiken gegenüber, die von persönlicher Frustration über öffentliche Demütigung bis zum psychischen Zusammenbruch gehen.
Ein Blick auf den eifrigen Rezipienten, wie er sich in Diskussionsbeiträgen und Kommentaren in entsprechenden Foren, unter Artikeln in Online- Magazinen, You-Tube-Videos oder sogar im Zusammenhang mit Produktbewertungen auf Amazon darstellt, scheint die o.g. Befürchtungen zu bestätigen:
Ein überzeugter DSDS-Fan zeichnet sich durch einen hohen Bildungsbedarf bei gleichzeitig niedrigem Bildungsbedürfnis aus, die eventuell vorhandenen Bildungsrezeptoren werden mit Bohlens wenig bildungsrelevanten Sprüchen belegt, verfügbare geistige Ressourcen und Handlungspotentiale an die Aneignung eines auf niedrigstem Niveau angesiedelten Kulturindustrie-Produktes verschwendet statt in in die eigene Bildung investiert.
Vor dem Hintergrundeiner kritisch-materialistischen Medientheorie stellt das Konzept DSDS damit ein Beispiel für eine gelungene, kommerzorientierte, manipulative Stabilisierung von sozialen Ungleichheiten dar. Ein Blick auf die von DSDS vermittelten Wertvorstellungen scheint diese Annahme zunächst zu bestätigen.
Unter dem Aspekt einer bedürfnisorientierten Mediennutzung können wir allerdings nicht leugnen, dass es den Erfindern des Konzeptes DSDS gelungen ist, sowohl Bedürfnisse zu generieren als auch vorhandene Bedürfnisse aufzugreifen und vor allem – im Rahmen der crossmedialen Inszenierung und den darin enthaltenen vielfältigen Optionen – den Jugendlichen Möglichkeiten und Handlungsräume zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen.
Im Zusammenhang mit der Frage „Hat Bildung keinen Wert mehr?“ gilt es zu klären, welche Werte die DSDS-Konsumenten in dem Medienangebot identifizieren und in ihr eigenes Wertesystem übernehmen, welche Bedürfnisse hinter dem Streben nach diesen Werten zum Ausdruck kommen und ob im Zusammenhang mit der Befriedigung dieser Bedürfnisse im Umfeld von DSDS Bildungsprozesse im Sinne von z.B. Humboldt oder Klafki initiiert und unterstützt werden. Hat Bildung für den überzeugten DSDS-Konsumenten tatsächlich keinen Wert mehr? Besteht deshalb von seiner Seite aus auch kein Bedürfnis nach Bildung und müssen damit jegliche in seine Richtung zielende Bildungsangebote ohne Wirkung bleiben ?
Tatsächlich zeigen sich bei einer näheren Betrachtung dieser Zusammenhänge sowohl bildungsrelevante Werte und Bedürfnisse als auch (Selbst-)Bildungspotential, wenn es uns, der Forderung von Baacke folgend, gelingt, „die ästhetische Erfahrung von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen zuzutrauen, in allen Arten von Material für sich Anregungen und Deutungen zu finden, die sie sich aneignen und für sich produktiv machen“ (Baacke, 1997, S. 50).
Mit Bachmair davon ausgehend, dass nicht nur Medieninhalte, sondern auch die Art der Aneignung bildungsrelevant sind (Bachmair, 2007, S. 46), liefert die strukturelle Analyse der im Zusammenhang mit DSDS wirksam werdenden Bedingungen von Bildungsprozessen wertvolle Anregungen zur Gestaltung bedürfnis- und ressourcenorientierter Bildungsangebote auch im schulischen Bereich.
Etwas ausführlicher: Zur Popularität von DSDS – Hat Bildung keinen Wert mehr?
Hausarbeit im Studiengang Bachelor of Science Psychologie, Modul 3A: “Mediale Bildung und Medienkommunikation”(Wahlpflichtmodul/Bildungswissenschaften) an der FernUniversität in Hagen, Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik
Foto von Caitlinator
lizenziert unter CC BY 2.0
PS: Das BlaBlaMeter gibt diesem Einleitungstext einen Bullshit-Index von 0.51 mit der Erläuterung: “Ihr Text signalisiert deutlich: Sie wollen etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Es wirkt unwahrscheinlich, dass damit auch eine klare Aussage verbunden ist – und wenn ja: wer soll das verstehen?”
Tatsächlich musste ich damit die anfänglich eher ablehnende Haltung meines Hausarbeitsbetreuers zu meinem Thema irgendwie überwinden…
Erzieherausbildung an die Hochschule ?
Die Befundlage zur Entwicklung kognitiver und sozioemotionaler Kompetenzen von Kindern unter dem Einfluss „professioneller“ Betreuung ist durchwachsen. In einem kurzen Überblick könnte man zusammenfassen, dass
- nach wie vor der größte Einfluss vom Elternhaus ausgeht
- die Qualität der Betreuung aber eine große Rolle spielt
In diesem Zusammenhang und zusätzlich in Anbetracht der steigenden Anforderungen an eine/n Erzieher/in wird die bisherige Berufsausbildung immer mehr in Frage gestellt. Auch in Deutschland wird nun ein Hochschulstudium für ErzieherInnen gefordert, wie es in den meisten europäischen Ländern schon lange üblich ist.
Meine eigene Erfahrungen mit der ErzieherInnenausbildung an einer Fachschule und der nachfolgenden Tätigkeit erst in einem integrativen Kindergarten, dann in einer Schule für Geistigbehinderte und inzwischen freiberuflich neben einem Psychologiestudium:
++ Fachdidaktik:
Davon profitier ich heute noch, nicht nur im Zusammenhang mit erzieherischen Arbeiten.
Über die sehr detaillierten Ausführungen zur Planung und Durchführung von Förderangeboten, die verlangten endlos vielen und langen theoretischen Ausarbeitungen und die nervenaufreibenden praktischen Lehrübungen (mit „fremden“ Versuchskindern) habe ich während der Ausbildung viel geschimpft. Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass die daraus gewonnene Routine den Transfer in ähnlichen Situationen mit ähnlichen Anforderungen angenehm erleichtert.
Und was mir damals als „nerviger Kleinkram“ völlig überflüssig und nicht erwähnenswert vorgekommen ist, hat sich später als „Basishandwerk“ bewiesen.
Ein Beispiel von vielen: Während meine damalige Kollegin (Studium der Sonderpädagogik) die Unruhe bei der morgendichen Begrüßungseinheit in der Kuschelecke als „gegeben“ hingenommen hat, hat der versuchsweise eingeführte morgendliche Stuhlkreis mit klaren „Sitzregeln“ (deins, meins, vorne, hinten…) unvermutete Kapazitäten an Aufmerksamkeit freigesetzt.
- Pädagogik:
Hat mir insgesamt wenig geholfen, es wurden mehr Praxis-Konzepte als theoretische Grundlagen geliefert. Ohne theorethische Grundlagen kann man aber Konzepte nicht an die tatsächlichen Gegebenheiten in der speziellen Praxis anpassen. Und ich habe heute noch eine Konzeptallergie…
+- Psychologie:
Naja, da kam gerade genug, um Interesse zu wecken… und trotzdem hatte ich im Vergleich mit den „studierten“ Sonderpädagogen oft den Eindruck, dass die in ihrer Ausbildung von „Entwicklungspsychologie“ oder Sachen wie „Selbstkonzept“ oder „Personenwahrnehmung“ noch weniger bis nichts gehört hatten.
Inzwischen studier ich Psychologie, und mir ist dabei schon einiges begegnet, was mir meine „Erzieherarbeit“ bestimmt wesentlich erleichtert hätte und auch den Kindern, der Elternarbeit, der Arbeit im Team und nicht zuletzt auch der Selbstreflexion und selbstorganisierten Weiterbildung sicher zugute gekommen wäre:
- aus der Pädagogischen Psychologie z.B.: Erziehungsstile und Auswirkungen – autoritär, nachgiebig, gleichgültig, autoritativ …
- aus der Sozialpsychologie: Innergruppenverhalten und Intergruppenkonflikte
- aus der Entwicklungspsychologie: Moralentwicklung
- allgemein: Lerntheorien, Kommunikationskompetenz, Informationsverarbeitung, Informations- und Medienkompetenz, kritisches Denken
Zu den Inhalten der Fächer Musikerziehung („Glockenspiel spielen“) und Naturkunde („Blätter sammeln“) äußere ich mich hier lieber nicht
Trotzdem ich mich vage an einen (vom Französischlehrer improvisierten) Unterricht in „Rechtskunde“ erinnern kann, musste ich mir alles wichtige zum Sozialgesetzbuch, möglichen Hilfe- und zusätzlichen Förder- und Betreuungsmaßnahmen, Zuständigkeiten unterschiedlicher Träger, Verfahrensweisen im Verwaltungsdschungel und ähnliches selbst zusammensuchen. Das wird spätestens da echt doof, wo man noch nicht mal weiß, dass es etwas zu suchen gibt. Ich treffe heute noch regelmäßig Erzieher, die z.B. in sonderpädagogischen Einrichtungen arbeiten und noch nie was von „Verhinderungspflege“ , „niedrigschwelligen Betreuungsangeboten“ oder unterschiedlichen Jugendhilfemaßnahmen etwas gehört haben. Das ist vor allem für die Eltern betroffener Kinder einfach schade.
Aus meiner Sicht spricht also einiges für die „Akademisierung der ErzieherInnenausbildung“.
Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass ich ohne die praktischen Inhalte während meiner regulären Erzieherausbildung nicht „an der Front“ zu gebrauchen wäre. Mit am hilfreichsten für den Erzieheralltag fand ich die Tips und Ratschläge erfahrener, i.d.R. “unstudierter” Kollegen.
Allerdings sehe ich auch viele „erfahrene“ Erzieher, die mit den Erfahrungen „von früher“ den Anforderungen von heute nicht mehr gerecht werden können oder wollen und auch keinen Weiterbildungsbedarf sehen… die aus Angst vor Veränderungen gepaart mit einem Mangel an Informationskompetenz und fehlender „Übung“ im wissenschaftlich-kritischen Denken betriebsblind und anachronistisch vor sich hin erziehen…
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung berichten: Ein Studium vermittelt nicht nur fachbezogene Inhalte, sondern trainiert auch die eigenen „Erkenntnisaktualisierungsfähigkeiten“. (Das ist eine etwas unbeholfene Formulierung – falls irgendjemand das in wenigen Worten verständlich rüberbringen kann… gerne!)
Insgesamt bin ich der Ansicht, dass ein Studium das Ergebnis „guter Erzieher“ nicht garantiert, die Chance auf „qualifizierte Betreuung“ jedoch trotzdem erhöht, nicht zuletzt auch deshalb, weil es eine breitere Basis für diverse Weiterbildungen / Spezialisierungen liefert als die Fachschulausbildung.
Meine Meinung: ErzieherInnen sollen studieren (müssen.)
Ein umfassenderes Meinungsbild findet ihr hier – und an dieser Stelle würde mich auch eure Meinung interessieren
Inklusion ? Das ist doch…
… das Ding, mit dem die Chefs sonderpädagogischer Einrichtungen ihren Angestellten drohen, wenn diese sich wegen immer mieserer Arbeitsbedingungen beschweren… ?
Ich bin über die aktuellen “offiziellen Statements” zum Thema “Inklusion” nicht auf dem Laufenden. Aber was so an “inoffiziellen Meinungen” bei mir ankommt, sieht nicht danach aus, als ob es irgendwelche Informationen an den Emotionen der Betroffenen vorbei geschafft hätten.
Vor allem die Erzieher in den Sonderschulen für Geistigbehinderte haben wohl einfach Angst um ihren Arbeitsplatz – z.T. wird ihnen auch “bei Bedarf” wirklich mit diesen Entwicklungen von wegen Inklusion gedroht.
Da ist vor lauter Druck gar keine Kapazität mehr übrig, um sich mit irgendwelchen Konzepten zur Inklusion zu beschäftigen – das Bild vom armen Behinderten, der in der Regelschule doof und einsam vor sich hinvegetiert, ist aus den Köpfen der Erzieher nicht rauszukriegen. Und das wird an die Eltern genau so weiterkommuniziert und trifft dort genau in die Elternangst.
Für die Eltern ist die “institutionalisierte Ausgrenzung” verständlicherweise weniger bedrohlich als diese Vorstellung vom “individuellen Außenseiter”. Lieber eine (aus)geschlossene statusniedrige Gruppe mit interner Äquivalenz als “Einzelkämpfer”… Interessante Kommentare sind mir da schon untergekommen zu “überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder durch die Regelschule quälen”…
Diese Angst der Eltern hat einen Namen: “Big-Fish-Little-Pond-Effekt” – aber die Argumente auf der anderen Seite sind auch nicht schlecht…
… ein “alter” Artikel dazu: http://www.zeit.de/2005/50/C-BFLP-Effekt
Kaum einer hat verstanden, dass es hier nicht um “raus aus der Sonderschule, rein ins harte Leben” geht, sondern dass dafür natürlich mehr geändert werden soll als nur die Sonderschulen zu schließen oder die Regelschulen zur Aufnahme von Behinderten zu zwingen.
Klar ist, dass es hier nicht um irgendwelche “Imageprojekte” nach dem Motto “Wir machen ja schon…” gehen kann. Klar ist z.B., dass EIN zusätzlicher Sonderpädagoge noch keine “Inklusionsschule” macht – ich kann die (Regelkinder-)Eltern gut verstehen, die da Einspruch erheben. Mit ihrer unpopulären Entscheidung haben sie ein reines Image-Projekt als solches enttarnt. In diesem Sinn: Was soll das “Böse-Eltern-Geschrei” schon in der Überschrift ?
(Na ja – in den Kommentaren zeigt sich, dass es gewirkt hat…) http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Eltern-lassen-Behinderten-Projekt-platzen-id16131516.html
Abseits vom “harten Leben” sieht´s aber dann gerne mal so aus: Von der Sonderschule ins (sozial getarnte) Nichts: 25% der “L-Schüler” tauchen nie auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt auf. Inklusion sollte das ändern, aber:
“…so wie es jetzt im Moment funktioniert, nämlich Inklusion mit null zusätzlichen Ressourcen und mit null zusätzlichen Mitteln, dann ist es einfach nicht möglich, tatsächlich den Kindern gerecht zu werden, egal ob sie behindert sind oder nicht behindert sind.” http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/archiv/foerderschule/-/id=660334/nid=660334/did=8711604/mz058n/
Angst vor Ausgrenzung auf Elternseite, wirtschaftliche Abhängigkeiten auf Betreuerseite, allgemeiner Geldmangel im Bildungssystem – da kommt man nur schwerlich mit objektiven Informationen durch.
Vielleicht beschäftigen sich die “offiziellen Verhandlungen” auch inzwischen schon längst mit eben diesen Ängsten und Abhängigkeiten – ich bin, wie gesagt, da nicht auf Laufenden. Und ich hab auch nicht den Nerv, mich mit dem offiziellen Kram auseinanderzusetzen… krieg ich ja nämlich fast einen Würgereiz, wenn ein Träger einerseits nett lächelnd irgendwo “Teilhabe”-Buttons verteilt, und andererseits alles auszubremsen versucht, was ihn “Macht und Geld” kosten könnte… igittigitt.
lesenswert an dieser Stelle:
“Die gesamte Branche lebt von der Exklusion. Geldgierige Wohlfahrt” http://www.taz.de/!74546/
Unter dem wirtschaftlichen Aspekt noch was zu den vieldiskutierten Integrationshelferstunden:
(Diskussion z.B. hier: “Die Schule den Kindern anpassen – nicht umgekehrt!” http://www.macht-bildung.de/?p=1274 )
Interessant wäre, zu wissen, ob das Jugend- (Sozial-?)Amt für alle Intergrationshelferstunden den gleichen Stundensatz bezahlt. Die entsprechenden Stellen in den Institutionen bezahlen jedenfalls sehr unterschiedlich – und für mich hat das schon wiederholt so ausgesehen, als ob dieses “Integrationshelferding” von einigen einfach auch als nette Einkommens- und Arbeitskräftequelle genutzt wird. (Falls das Amt nur bezahlt, was die Integrationshelfer tatsächlich kriegen, vergesst den nächsten Abschnitt )
1. Ich stelle für das Leisten der genehmigten und (von Amt) finanzierten Stunden einen Freiwilligen / Ehrenamtlichen ein (z.B. im Rahmen eines FSJ) – der kostet mich allenfalls einen Apfel und ein Ei, das Geld vom Amt fließt fast komplett… äh… “in die Verwaltung”…
2. Ich bin privater Träger einer G-Schule und biete gleichzeitig einen Integrationshelferdienst an, spare das Einstellen von mehr Personal, und ziehe den Integrationshelfern noch “Verwaltungsgebühr” ab…
Wie gesagt, meine persönlichen Eindrücke mit hinterlistig platzierten Links. Über andere Eindrücke und Meinungen würde ich mich freuen. Hätte echt nichts dagegen, mit vielen meiner Einschätzungen ganz falsch zu liegen.
Foto von Michael Bruns
lizensiert unter CC BY 2.0
Zur Schulreform in Hamburg und im Saarland – mehr als 140 Zeichen…
Wie Ungleichheit zu Ungleichheit führt: RT @N_Exner: Hamburg: reich wählt, arm nicht. Warum?: http://wp.me/pRkpy-iX #bildung #partizipation
aemaets via buzz
Wenn das jetzt so schlimm ist, dass die Reform in Hamburg gescheitert ist, und wenn die an den “Reichen” gescheitert ist, dann muss man den Reichen doch Dummheit statt ökonomischen Interessen unterstellen – es ist doch klar, wer ganz zum Schluss die mangelnde Bildung in einem Land bezahlt ….
aemaets
besser: wie kann man das ändern ? bestimmt nicht, indem man auf die Reichen schimpft, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen
aemaets
Ich scheitere einfach an den 140 Buchstaben beim Twittern … der tweetet mich nicht, wenn ich so viel schreibe.
ponyQ via buzz
Du meinst – die “Reichen” müssen schließlich später die Sozialleistungen für die Armen bezahlen … und haben trotzdem dagegen gestimmt ? Ich glaub halt nicht, dass alle “Reichen” so differenziert denken… und aus Hamburg kamen schon ganz schön elitäre Kommentare http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama408.html
aemaets via buzz
Ja, aber das Fernsehen sucht sich schon auch die raus, mit denen sich wunderbar polarisieren lässt. Wäre ich in Hamburg, hätte ich vermutlich auch gegen die Reform gestimmt ( so wie ich im Saarland auch gegen das 5. Grundschuljahr bin)
Meine Gründe lassen sich weder twittern noch in einem 2 minütigen Fernsehinterview darlegen, eben weil ich mir die Sache gründlich überlegt habe .
Es ist Blödsinn, den “Gebildeten” (und die sind ja wohl mit den “Reichen” gemeint) zu unterstellen, sie wollten allen anderen Bildung verweigern, um für ihre Sprößlinge einen Vorteil zu haben. Die richtig Reichen lassen sich auf das deutsche Schulsystem ohnehin nicht mehr ein, wozu gibt es private Schulen vor Ort und Internate im Ausland … und jeder, der ein bisschen überlegt ( und vielleicht hat das ja doch der eine oder andere Hamburger getan) weiß, dass wir gut ausgebildete Leute brauchen, um auch den Lebensstandard der “Reichen” ( ab welchem Einkommen reden wir überhaupt ?) halten zu können, dabei muss man gar nicht ans “Bezahlen” denken, unsere Wirtschaft funktioniert schlicht und ergreifend nicht nur mit gut ausgebildeten Gymnasiasten , da gehören mehr und andere dazu.
Unsere Kinder sind “durch” und trotzdem bin ich gegen das 5. Grundschuljahr im Saarland – nicht aus “Standesdünkel”, sondern weil ich die Art, wie die saarländische Regierung Reformen im Bildungsbereich unreflektiert durchpaukt und Zusagen und Versprechungen bricht, seit etlichen Jahren aus nächster Erfahrung kenne – und weil ich denke, sie sollten erst einmal die vielen begonnenen Reformen zu Ende bringen
- Lehrpläne G8 und Abi-G8 müssten jetzt dringend nach dem ersten G8 Abi an der Realität gemessen d.h. überarbeitet werden, dafür ist keine Zeit, weil jeder die Reform plant
- Schulbuchausleihe wie bisher hat sich als Quatsch erwiesen, wird auch nix gemacht, weil keine Zeit ist
Das ist die Sicht von Gymnasialseite – nicht weil ich das Gymnasium einseitig bevorzuge, sondern weil ich damit aus eigener Erfahrung einfach besser Bescheid weiß als mit anderen Schulformen – aber ich weiß, dass die Realschulen und Gesamtschulen auch jammern, weil viel begonnen und versprochen wurde und nix richtig zu Ende geführt wurde.
Mir konnte auch noch keiner sagen, ob aus dem G8 dann ein G7 werden soll und wie am Gymnasium der 9 jährige Stoff ( und die Gesamtanzahl der Stunden bleibt ja, weil das von der KMK so vorgeschrieben ist) in 7 Jahren vermittelt werden soll.
Alle weiterführenden Schulen ( auch Gesamtschulen und Realschulen) im Saarland klagen darüber, dass das Bildungsniveau bei den einzelnen Grundschulen zu unterschiedlich sei und es deshalb immer schwieriger würde, die Schüler aus den einzelnen Grundschulen innerhalb eines Schuljahres ( im Gymnasium war das bisher das 5. Schuljahr) auf ein gleiches Niveau zu bringen. Ein Jahr mehr Grundschule wird das nicht besser machen und den weiterführenden Schulen wird das Jahr genommen. Es macht keinen Sinn, einfach nur irgendwo ein Jahr anzuhängen ( Grundschule) oder wegzunehmen ( G 8 Gymnasium) , das ändert nichts an der Qualität des Unterrichts, der Ausbildung der Lehrer usw.
Wenn wir die Grundschule, wie sie bisher ist, um ein Jahr verlängern, lösen wir keine Probleme, wieso soll sich durch ein zusätzliches Jahr irgendetwas verbessern, was in den vorangegangenen 4 Jahren nicht gut gemacht wurde – das ist kein zeitliches Problem, sondern ein inhaltliches.
Warum also nicht mal in allen Schulformen inhaltliche Verbesserungen anstreben – warum nicht mal das Haus aufräumen und im Innern dringend notwendige Reparaturen vornehmen, anstatt noch einen Schuppen anzubauen ( für ziemlich viel Geld und Zeit, was ja eh hinten und vorne nicht reicht)
so … das wäre nur der Anfang meiner Meinung … kannst du aber gerne bloggen
noch ein Nachtrag:
Ich kenne mich mit dem Hamburger “Schulfrust” nicht aus, aber ich war gerade in Hamburg und da ist mir in nur 3 Tagen aufgefallen, dass Hamburg anscheinend ziemlich viele Privatschulen hat, die werben z.B. in der Hochbahn. Ziemlich viele Privatschulen lassen aber auch die Vermutung zu, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Leistungsfähigkeit der staatlichen Schulen ( und damit in die kommunale Bildungspolitik) sowieso nicht besonders hoch ist – vielleicht haben viele da in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich im Saarland.
Ein ganz anderes strukturelles Argument: wie sieht es denn mit der vielfach geforderten beruflichen Mobilität innerhalb Deutschlands aus, wenn wir Eltern schon in der Grundschulzeit ihrer Kinder ein solches Problem mit auf den Weg geben ? Überall versucht man die Übergänge zu erleichtern ( z.B. Bachelor) und da schafft man unnötigerweise eine solche Hürde.
gebloggt – could be continued
(Keine) Politische Partizipation ?
Ich sage:
„Warum soll ich mich für Politik interessieren ?
Politik interessiert sich ja auch nicht für mich.“
Ulrich Commerçon,
Initiator des „Partizipationsprojektes“ MachtBildung, sagt dazu:
„Solange DU Dich nicht für Politik interessierst,
interessiert sie sich nicht für Dich.
Und zwar nur genau so lange,
bis Du Dich doch dafür interessierst.
Das erfordert aber natürlich auch eigene Anstrengung.“
Herr Commerçon,
Sie haben den Eindruck, „dass diese Distanz auf beiden Seiten ihre Ursache hat.“
Nachdem ich mehrmals (vergeblich) versucht habe, „den Politikern“ großzügig alle Ursachen dieser Distanz zuzuschreiben, glaube ich, inzwischen langsam zu verstehen, was Sie so deutlich vielleicht nicht sagen wollten:
Warum soll sich die Politik für dich interessieren ?
Du interessierst dich ja auch nicht für die Politik.
Nicht ganz. Eher so: “Wie kann sich die Politik denn für Dich interessieren, wenn Du nicht deutlich machst, was Du von ihr erwartest.”
? Wie erleben Sie als „partizipationswilliger“ Politiker die Partizipationswilligkeit und auch die Partizipationsfähigkeit bwz. tatsächliche Partizipation der Bürger ?
Ich erlebe das sehr unterschiedlich und halte nichts von pauschalen Bewertungen à la: “Die Jugend interessiert sich ja nicht für Politik.” oder: “Die sind politik(er)verdrossen.”
Alles in allem mag die Bereitschaft zu politischer Partizipation in Deutschland (erheblich) nachgelassen haben. Allerdings gehört der Ehrlichkeit halber dazu, dass sie in Deutschland seit Beginn der 70-er Jahre auch im europäischen und internationalen Vergleich außerordentlich hoch war.
In den Parteien, aber v.a. auch in (anderen, denn Parteien sind dies ja eigentlich auch) “Bürgerinitiativen”/Verbänden etc. gibt es zum Glück immer noch eine Menge und sehr engagierte Menschen.
Und natürlich finde ich, dass Politik(er) und Parteien auch attraktive Angebote der Partizipation machen sollten. Ich bemühe mich darum jedenfalls, aktuell in der “MachtBildung”-Kampagne, aber auch schon bei der Erarbeitung des Regierungsprogramms im vergangenen Jahr.
Sie nutzen – nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit MachtBildung – die „Macht der SocialMedia“.
? Stichwort „Sehen und gesehen werden“ :
Mit welchen Zielen haben Sie sich ins web2.0 begeben ?
Nun, am Anfang stand eher meine spielerische Neugierde; klar: und natürlich so ein bisschen auch “Obamania” bzw. die Überlegung, mal zu schauen, wie sich das web2.0 für den Wahlkampf nutzen lässt. Ich wollte halt mal sehen, ob es bspw. sinnvoll ist, den Spitzenkandidaten Heiko Maas mit einem Twitteraccount auf die Leute loszulassen. Dass ich dann recht schnell so viel Aufmerksamkeit auf mich gezogen habe, hat mich dann überrascht. Und dann kam der Zufall dazu, dass mich eine wegen einer störenden Baustelle auf die Bahn wütende Bloggerin und Twitterin, unsere heißgeliebte und hochverehrte @ApfelMuse dazu verleitet hat, mich um ihr Problem zu kümmern und ihr die entsprechenden Kontakte und Infos zu besorgen…
? Welche Erfahrungen in Sachen „Partizipation“ haben Sie mit Twitter u.ä. bis jetzt gemacht ?
…Dabei entstand ein so guter und spannender Dialog, dass ich merkte: Mensch, da sind ja die Menschen, die auch wirklich was von Dir wissen wollen. Das ist ja fast so etwas wie ein “Infostand des 21. Jahrhunderts”.
Auch @ApfelMuse schien das so zu gefallen, dass ein Politiker das mal Ernst nimmt und sich kümmert, dass sie mich weiter empfohlen hat, sodass ich nicht nur immer mehr Follower bekam, sondern auch extrem viele Anfragen aus den Communities zu politischen Alltagsproblemen.
? Haben diese Erfahrungen ihre Ziele verändert ?
Die Ziele nicht, aber sicher die Denkweise und die Methoden. Und vielleicht ist ein Ziel verstärkt worden oder mir bewusster oder auch von einem Mittel zum Ziel geworden: Partizipation selbst. Ok. Und die extrem hohe Bedeutung von Partizipation im demokratischen Prozess war nicht mehr nur noch theoretisch, sondern plötzlich ganz praktisch erfahrbar.
Partizipation ist weder an einen Parteieintritt gebunden noch auf ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel beschränkt.
? Welche Wege zur Partizipation möchten Sie beiden Seiten – Bürgern und Politikern – zum Abschluss noch einmal als „niedrigschwelligen Einstieg“ ans Herz legen ?
Da muss jedeR ihren/seinen eigenen Weg finden und wählen, was am besten zu den eigenen Vorstellungen passt. Ich persönlich kann den vielfältigen Möglichkeiten, die das Web2.0 bietet eine Menge abgewinnen und empfehle allen KollegInnen, die auch Freude daran haben, diese Kontaktmöglichkeiten nicht zu unterschätzen.
Twitter ist dabei mein persönlicher Favorit, weil es flexibel, spontan, geistreich und witzig ist und weil dort echte Kommunikationsjunkies unterwegs sind, die selbst wieder stark vernetzt sind und Meinung sehr dauerhaft beeinflussen.
Allerdings: Den unmittelbaren “körperlichen” Kontakt möchte ich darüber hinaus nicht missen. Authentischer als im R(eal)L(ife) geht es halt doch (noch!?) nicht
Den interessierten BürgerInnen sage ich eigentlich das gleiche: Macht es, wie es Euch gefällt.
Aber macht es! Bombardiert uns mit Mails, twittert uns voll, schreibt Briefe, bittet um persönliche Gespräche, kommt in Veranstaltungen, werdet in Bürgerinitiativen aktiv und geht in Parteien, übernehmt Funktionen, kandidiert für Mandate…
… ach ja: Und zuallererst schreibt Ihr alle mal schön brav Kommentare auf http://www.macht-bildung.de und schickt die Webadresse mal an Euer Adressbuch, verlinkt sie auf Eurer HP und twittert Hashtag: #MachtBildung
Ansonsten fragt Ihr am besten @ponyQ, die weiß, wie’s geht.
Tatsächlich redet ponyQ ja eigentlich gar nicht mit Politikern ^^… und deshalb dann doch noch eine Nach-Frage:
Bei MachtBildung scheint alles an Wortmeldungen willkommen zu sein – von persönlicher (Einzel-)Betroffenheit bis All-Inklusive-Konzept.
? War das so gewollt oder hat sich das so ergeben ?
Das war pure Absicht. Wir wollen ja möglichst keine Hemmschwelle einbauen.
? Oder gilt das sogar generell für “Partizipation”: Kann ich (entgegen meiner bisherigen ponyQ-Ansichten, s.o.) davon ausgehen, dass ein “normaler Politiker” bemüht ist, “zwischen den Zeilen” zu lesen ?
Anders formuliert: Wird meine Meinung – und mag sie auch noch so privat, emotional verwickelt und eventuell auch etwas holprig formuliert sein – von einem Politiker auf einer “politisch verwertbaren Ebene” zur Kenntnis und ernst genommen ?
Das ist mir ehrlich gesagt zu pauschal gefragt. Worum “normale Politiker” bemüht sind, weiß ich nicht.
Ich bemühe mich; und die meisten meiner KollegInnen auch. Ob ich/wir allerdings auf einer nach dem jeweiligen Geschmack “politisch verwertbaren Ebene” agieren, stelle ich mal anheim
Im Ernst: In meiner Fraktion wird jeder Versuch der Kontaktaufnahme, Meinungsäußerung o.ä. nicht nur zur Kenntnis, sondern auch zum Anlass für eine Antwort genommen.
… wie man hier lesen kann
Danke !
