erzieher

Erzieherausbildung an die Hochschule ?

Die Befundlage zur Entwicklung kognitiver und sozioemotionaler Kompetenzen von Kindern unter dem Einfluss „professioneller“ Betreuung ist durchwachsen. In einem kurzen Überblick könnte man zusammenfassen, dass

  • nach wie vor der größte Einfluss vom Elternhaus ausgeht
  • die Qualität der Betreuung aber eine große Rolle spielt

In diesem Zusammenhang und zusätzlich in Anbetracht der steigenden Anforderungen an eine/n Erzieher/in wird die bisherige Berufsausbildung immer mehr in Frage gestellt. Auch in Deutschland wird nun ein Hochschulstudium für ErzieherInnen gefordert, wie es in den meisten europäischen Ländern schon lange üblich ist.

Meine eigene Erfahrungen mit der ErzieherInnenausbildung an einer Fachschule und der nachfolgenden Tätigkeit erst in einem integrativen Kindergarten, dann in einer Schule für Geistigbehinderte und inzwischen freiberuflich neben einem Psychologiestudium:

++ Fachdidaktik:
Davon profitier ich heute noch, nicht nur im Zusammenhang mit erzieherischen Arbeiten.
Über die sehr detaillierten Ausführungen zur Planung und Durchführung von Förderangeboten, die verlangten endlos vielen und langen theoretischen Ausarbeitungen und die nervenaufreibenden praktischen Lehrübungen (mit „fremden“ Versuchskindern) habe ich während der Ausbildung viel geschimpft. Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass die daraus gewonnene Routine den Transfer in ähnlichen Situationen mit ähnlichen Anforderungen angenehm erleichtert.
Und was mir damals als „nerviger Kleinkram“ völlig überflüssig und nicht erwähnenswert vorgekommen ist, hat sich später als „Basishandwerk“ bewiesen.
Ein Beispiel von vielen: Während meine damalige Kollegin (Studium der Sonderpädagogik) die Unruhe bei der morgendichen Begrüßungseinheit in der Kuschelecke als „gegeben“ hingenommen hat, hat der versuchsweise eingeführte morgendliche Stuhlkreis mit klaren „Sitzregeln“ (deins, meins, vorne, hinten…) unvermutete Kapazitäten an Aufmerksamkeit freigesetzt.

- Pädagogik:
Hat mir insgesamt wenig geholfen, es wurden mehr Praxis-Konzepte als theoretische Grundlagen geliefert. Ohne theorethische Grundlagen kann man aber Konzepte nicht an die tatsächlichen Gegebenheiten in der speziellen Praxis anpassen. Und ich habe heute noch eine Konzeptallergie…

+- Psychologie:
Naja, da kam gerade genug, um Interesse zu wecken… und trotzdem hatte ich im Vergleich mit den „studierten“ Sonderpädagogen oft den Eindruck, dass die in ihrer Ausbildung von „Entwicklungspsychologie“ oder Sachen wie „Selbstkonzept“ oder „Personenwahrnehmung“ noch weniger bis nichts gehört hatten.
Inzwischen studier ich Psychologie, und mir ist dabei schon einiges begegnet, was mir meine „Erzieherarbeit“ bestimmt wesentlich erleichtert hätte und auch den Kindern, der Elternarbeit,  der Arbeit im Team und nicht zuletzt auch der Selbstreflexion und selbstorganisierten Weiterbildung sicher zugute gekommen wäre:

Zu den Inhalten der Fächer Musikerziehung („Glockenspiel spielen“) und Naturkunde („Blätter sammeln“) äußere ich mich hier lieber nicht :-P

Trotzdem ich mich vage an einen (vom Französischlehrer improvisierten) Unterricht in „Rechtskunde“ erinnern kann, musste ich mir alles wichtige zum Sozialgesetzbuch, möglichen Hilfe- und zusätzlichen Förder- und Betreuungsmaßnahmen, Zuständigkeiten unterschiedlicher Träger, Verfahrensweisen im Verwaltungsdschungel und ähnliches selbst zusammensuchen. Das wird spätestens da echt doof, wo man noch nicht mal weiß, dass es etwas zu suchen gibt. Ich treffe heute noch regelmäßig Erzieher, die z.B. in sonderpädagogischen Einrichtungen arbeiten und noch nie was von „Verhinderungspflege“ , „niedrigschwelligen Betreuungsangeboten“ oder unterschiedlichen Jugendhilfemaßnahmen etwas gehört haben. Das ist vor allem für die Eltern betroffener Kinder einfach schade.

Aus meiner Sicht spricht also einiges für die „Akademisierung der ErzieherInnenausbildung“.
Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass ich ohne die praktischen Inhalte während meiner regulären Erzieherausbildung nicht „an der Front“ zu gebrauchen wäre. Mit am hilfreichsten für den Erzieheralltag fand ich die Tips und Ratschläge erfahrener, i.d.R. “unstudierter” Kollegen.
Allerdings sehe ich auch viele „erfahrene“ Erzieher, die mit den Erfahrungen „von früher“ den Anforderungen von heute nicht mehr gerecht werden können oder wollen und auch keinen Weiterbildungsbedarf sehen… die aus Angst vor Veränderungen gepaart mit einem Mangel an Informationskompetenz und fehlender „Übung“ im wissenschaftlich-kritischen Denken betriebsblind und anachronistisch vor sich hin erziehen…
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung berichten: Ein Studium vermittelt nicht nur fachbezogene Inhalte, sondern trainiert auch die eigenen „Erkenntnisaktualisierungsfähigkeiten“. (Das ist eine etwas unbeholfene Formulierung – falls irgendjemand das in wenigen Worten verständlich rüberbringen kann… gerne!)

Insgesamt bin ich der Ansicht, dass ein Studium das Ergebnis  „guter Erzieher“ nicht garantiert, die Chance auf „qualifizierte Betreuung“ jedoch trotzdem erhöht, nicht zuletzt auch deshalb, weil es eine breitere Basis für diverse Weiterbildungen / Spezialisierungen liefert als die Fachschulausbildung.

Meine Meinung: ErzieherInnen sollen studieren (müssen.)

Ein umfassenderes Meinungsbild findet ihr hier – und an dieser Stelle würde mich auch eure Meinung interessieren :-)

Inklusion ? Das ist doch…

von Michael Bruns… das Ding, mit dem die Chefs sonderpädagogischer Einrichtungen ihren Angestellten drohen, wenn diese sich wegen immer mieserer Arbeitsbedingungen beschweren… ?

Hinweis: Die folgenden Ausführungen spiegeln meine persönlichen Eindrücke wider – die externen Links sind natürlich dementsprechend ganz manipulativ-suggestiv eingefügt.

Ich bin über die aktuellen “offiziellen Statements” zum Thema “Inklusion” nicht auf dem Laufenden. Aber was so an “inoffiziellen Meinungen” bei mir ankommt, sieht nicht danach aus, als ob es irgendwelche Informationen an den Emotionen der Betroffenen vorbei geschafft hätten.

Vor allem die Erzieher in den Sonderschulen für Geistigbehinderte haben wohl einfach Angst um ihren Arbeitsplatz – z.T. wird ihnen auch “bei Bedarf” wirklich mit diesen Entwicklungen von wegen Inklusion gedroht.
Da ist vor lauter Druck gar keine Kapazität mehr übrig, um sich mit irgendwelchen Konzepten zur Inklusion zu beschäftigen – das Bild vom armen Behinderten, der in der Regelschule doof und einsam vor sich hinvegetiert, ist aus den Köpfen der Erzieher nicht rauszukriegen. Und das wird an die Eltern genau so weiterkommuniziert und trifft dort genau in die Elternangst.

Für die Eltern ist die “institutionalisierte Ausgrenzung” verständlicherweise weniger bedrohlich als diese Vorstellung vom “individuellen Außenseiter”. Lieber eine (aus)geschlossene statusniedrige Gruppe mit interner Äquivalenz als “Einzelkämpfer”… Interessante Kommentare sind mir da schon untergekommen zu “überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder durch die Regelschule quälen”…

Diese Angst der Eltern hat einen Namen: “Big-Fish-Little-Pond-Effekt” – aber die Argumente auf der anderen Seite sind auch nicht schlecht…
… ein “alter” Artikel dazu:
http://www.zeit.de/2005/50/C-BFLP-Effekt

Kaum einer hat verstanden, dass es hier nicht um “raus aus der Sonderschule, rein ins harte Leben” geht, sondern dass dafür natürlich mehr geändert werden soll als nur die Sonderschulen zu schließen oder die Regelschulen zur Aufnahme von Behinderten zu zwingen.

Klar ist, dass es hier nicht um irgendwelche “Imageprojekte” nach dem Motto “Wir machen ja schon…” gehen kann. Klar ist z.B., dass EIN zusätzlicher Sonderpädagoge noch keine “Inklusionsschule” macht – ich kann die (Regelkinder-)Eltern gut verstehen, die da Einspruch erheben. Mit ihrer unpopulären Entscheidung haben sie ein reines Image-Projekt als solches enttarnt. In diesem Sinn: Was soll das “Böse-Eltern-Geschrei” schon in der Überschrift ?
(Na ja – in den Kommentaren zeigt sich, dass es gewirkt hat…)
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Eltern-lassen-Behinderten-Projekt-platzen-id16131516.html

Abseits vom “harten Leben” sieht´s aber dann gerne mal so aus: Von der Sonderschule ins (sozial getarnte) Nichts: 25% der “L-Schüler” tauchen nie auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt auf. Inklusion sollte das ändern, aber:

“…so wie es jetzt im Moment funktioniert, nämlich Inklusion mit null zusätzlichen Ressourcen und mit null zusätzlichen Mitteln, dann ist es einfach nicht möglich, tatsächlich den Kindern gerecht zu werden, egal ob sie behindert sind oder nicht behindert sind.”
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/archiv/foerderschule/-/id=660334/nid=660334/did=8711604/mz058n/

Angst vor Ausgrenzung auf Elternseite, wirtschaftliche Abhängigkeiten auf Betreuerseite, allgemeiner Geldmangel im Bildungssystem – da kommt man nur schwerlich mit objektiven Informationen durch.

Vielleicht beschäftigen sich die “offiziellen Verhandlungen” auch inzwischen schon längst mit eben diesen Ängsten und Abhängigkeiten – ich bin, wie gesagt, da nicht auf Laufenden. Und ich hab auch nicht den Nerv, mich mit dem offiziellen Kram auseinanderzusetzen… krieg ich ja nämlich fast einen Würgereiz, wenn ein Träger einerseits nett lächelnd irgendwo “Teilhabe”-Buttons verteilt, und andererseits alles auszubremsen versucht, was ihn “Macht und Geld” kosten könnte… igittigitt.

lesenswert an dieser Stelle:
“Die gesamte Branche lebt von der Exklusion. Geldgierige Wohlfahrt”
http://www.taz.de/!74546/

Unter dem wirtschaftlichen Aspekt noch was zu den vieldiskutierten Integrationshelferstunden:

(Diskussion z.B. hier: “Die Schule den Kindern anpassen – nicht umgekehrt!” http://www.macht-bildung.de/?p=1274 )

Interessant wäre, zu wissen, ob das Jugend- (Sozial-?)Amt für alle Intergrationshelferstunden den gleichen Stundensatz bezahlt. Die entsprechenden Stellen in den Institutionen bezahlen jedenfalls sehr unterschiedlich – und für mich hat das schon wiederholt so ausgesehen, als ob dieses “Integrationshelferding” von einigen einfach auch als nette Einkommens- und Arbeitskräftequelle genutzt wird. (Falls das Amt nur bezahlt, was die Integrationshelfer tatsächlich kriegen, vergesst den nächsten Abschnitt )

1. Ich stelle für das Leisten der genehmigten und (von Amt) finanzierten Stunden einen Freiwilligen / Ehrenamtlichen ein (z.B. im Rahmen eines FSJ) – der kostet mich allenfalls einen Apfel und ein Ei, das Geld vom Amt fließt fast komplett… äh… “in die Verwaltung”…

2. Ich bin privater Träger einer G-Schule und biete gleichzeitig einen Integrationshelferdienst an, spare das Einstellen von mehr Personal, und ziehe den Integrationshelfern noch “Verwaltungsgebühr” ab…

Wie gesagt, meine persönlichen Eindrücke mit hinterlistig platzierten Links. Über andere Eindrücke und Meinungen würde ich mich freuen. Hätte echt nichts dagegen, mit vielen meiner Einschätzungen ganz falsch zu liegen.

Foto von  Michael Bruns
lizensiert unter CC BY 2.0

Lasst den Kindern ihren Willen!

Wie wir gleichWERTig mit gleichberechtigt verwechseln
und unseren Kindern damit ihre (Selbst)WERTE ab-erziehen

Kind: “Ich will nicht”
Erwachsener: “Aber du sollst wollen! – Du muss doch einsehen dass….
also will gefälligst, was ich will! ”

partnerschaftlich diskutieren

“Scheindiskussionen und Überdisziplinierung in der Erziehung
unter dem Aspekt der Moralentwicklung beim Kind
im Hinblick auf demokratische Diskurskompetenz
(und politische Partizipation?)

Piaget sah die moralische Entwicklung des Kindes eng an dessen kognitive Entwicklung gebunden, Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung geht auf die Ideen von Piaget zurück:

Werte müssen – entsprechend der kognitiven Entwicklung ( = kindgemäß) -  erarbeitet werden. Die Auseinandersetzung mit Gleichberechigten im Prozess des Entdeckens, Verbalisierens und Kommunizierens von Werten wird von beiden „Moralforschern“ als unverzichtbar für die Weiterentwicklung von „äußeren Werten“ (→ heteronome Moral, Orientierung an den positiven oder negativen Konsequenzen einer Handlung aus Respekt vor Autoritäten und Machtverhältnissen) zu „inneren Werten“ (→ autonome Moral, Orientierung an ethischen Prinzipien aus innerer Überzeugung und Einsicht) beschrieben.

Nur ein Diskurs unter „seinesgleichen“ und mit offenem Ausgang lässt dem Kind den notwendigen Raum, sich seiner eigenen Werte bewusst zu werden. Ohne Bewusstsein für seine eigenen „inneren Werte“ entwickelt es kein Bewusstsein für die „inneren Werte“ von anderen – es kann keinen Wechsel der sozialen Perspektive vollziehen. Fehlt diese Fähigkeit zum Perspektivwechsel, dann fehlt die Basis für gegenseitigen Respekt…

jugend heute

“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”

Sokrates
(470 – 399 v. Chr.)

Mein Eindruck:  Wir überfordern die Kinder mit Scheindiskussionen.

„Mein Wert“ mag ein „innerer Wert“ sein – zumindest halt ich ihn ja dafür^^ – für das Kind bleibt er „dein Wert“, die Vorstellung eines Erwachsenen, etwas, das von außen an es herangetragen wird… eine Forderung, die unabhängig von seiner „Einsichtigkeit“ durchgesetzt werden wird…

Das gutgemeinte „partnerschaftliche“ Diskutieren – gedacht zur Unterstützung der moralischen Entwicklung und Diskurskompetenz im Rahmen von demokratischem Denken und Partizipation – bewirkt in dafür ungeeigneten Situationen genau das Gegenteil.

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“
Afrikanisches Sprichwort

Ich verlange von einem Kind „Einsicht“ in meine Forderung. Angesichts der Tatsache, dass es die zu dieser Einsicht notwendigen kognitiven Fähigkeiten erst noch entwickeln muss, stellt sich die (meiner Meinung nach etwas peinliche) Frage:

Wieso bin ich als Erwachsener eigentlich so scharf auf die Bestätigung meiner Werte
- durch ein Kind? *kopfkratz*
(weil ich mir meiner Werte selbst nicht sicher bin ?? )

Meine Erwartung „Das musst du doch einsehen!“ überfordert das Kind. Ich werte seine eigenen Ideen, seinen Willen, seine Erfahrungen und Bedürfnisse und viel zu oft auch gedankenlos sein ganzes Selbst ( = den Menschen „Kind“ ) in solchen (Schein-)Diskussionen ab. Das Kind ist in dieser Situation nun mal nicht gleichberechtigt, sondern kognitiv und emotional unterlegen.

Deshalb nenn ich das auch eine Scheindiskussion: Der Überlegene beweist dem Unterlegenen, dass dieser „falsch“ denkt.

Wie fühlt Ihr euch, wenn der Chef sagt: „Ich hab die besseren Argumente, du bist nur zu doof, um das einzusehen“?

Fatal: Für ein Kind sind (falsch) Denken und (falsch) Fühlen noch EINS.
Noch fataler: Für ein Kind sind (falsch) Fühlen und (falsch) Sein noch EINS.

Das Kind lernt in einer solchen Diskussion:

Ich bin falsch.

Scolded

= Unsicherheit, Selbstzweifel, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Frustration…
mit der Reaktion: Vermeidungsverhalten (Null Bock) oder Aggression.
(deshalb müssen uneinsichtige Kinder oft in eine Therapie)

Das Kind entwickelt die Einstellung:

selbstwertWenn ich falsch bin,
sind meine „inneren Werte“ falsch.
Ich will nicht falsch sein.
Also übernehm ich sicherheitshalber die „äußeren Werte“, die andere mir vorschlagen.
Dann merkt zumindest niemand,
dass ich falsch bin.

Das scheint in diesem Moment eine gute Lösung für alle Beteiligten – Erwachsene und Kinder – zu sein.

Blöd nur , wenn aus diesem Kind dann ein Teenager wird, der sich zunehmend dem Einfluss „vernünftiger“ Erziehungspersonen entzieht und sich auf der Suche nach Werten an eventuell weniger vernünftigen Peergroups und Medien orientiert.

Stichworte:

  • Kiffen macht gleichgültig
  • Ausländer raus
  • Wer xyz macht /hat /ist, ist cool
  • ……

Da findet „Kind“ dann entsprechend seiner Kompensationsstrategien (Vermeidung oder Aggression) sicher etwas passendes…

Also doch lieber autoritär statt partnerschaftlich ? Ein Lob der Disziplin ?

Natürlich können in der Erziehung viele Auseinandersetzungen nicht als echte, partnerschaftliche Diskussionen geführt werden, weil der Ausgang in jedem Fall vom „überlegenen“ Erwachsenen bestimmt wird – im Rahmen seiner Verantwortlichkeit von ihm bestimmt werden MUSS.

„Kinder wollen nicht immer, was sie brauchen“

lese ich grinsend bei Jesper Juul.

In diesem Moment liegt meine Verantwortung gegnüber dem Kind nicht darin, sein Wollen abzuwerten oder seinen Willen zu „disziplinieren“ , sondern darin, ihm „ohne viel Gespräch“ („Das musst du doch einsehen“) das zu geben, was es braucht – auch gegen seinen Willen, aber nicht mit dem Ziel , diesen zu  „zerstören“:

“Du willst das.Es ist okay, das zu wollen.
-  Ich will jenes. Ich trage die Verantwortung, deshalb machst du, was ich will.”

So kann ich dem Kind seinen Willen lassen – auch, wenn ich ihm nicht folge und meinen Willen durchsetze.

schimpfen

Eine in diesem Sinne erfolgreiche Intervention zeigt sich darin,
dass das Kind fürchterlich schimpft und flucht,
während es das tut,
was ICH will… :)

Übrigens weiß ich aus eigener Erfahrung zu berichten, dass auch ein großzügig-demokratisches „Dann mach doch, was du willst“ – gefolgt von einem späteren „Siehste – das hab ich doch gesagt. Hättest du mal bloß auf mich gehört“ nicht wirklich zum Aufbau eines Selbst – Wert – Gefühls beiträgt.

Eltern, Erzieher, Lehrer…

Zu oft geben wir unseren Kindern Antworten, die sie behalten sollen,
anstatt Aufgaben, die sie lösen sollen.
(Roger Lewin, amerikanischer Anthropologe und Wissenschaftsjournalist, geb. 1946)

In unsrer Funktion als „Wertevermittler“ neigen wir vielleicht zu häufig dazu, uns mit zu vielen und in zu viele Diskussionen einzumischen – um die „richtigen“ Werte vorzugeben – und stören damit wichtige Entwicklungsprozesse:

„Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.“
Georg Christian Lichtenberg

Und ich frage  mich:
Wo und wie und vom wem sollen Kinder unter diesen Umständen soziales Engagement und politische Partizipation lernen ?
(Wie und warum soll ich meine Werte vertreten, wenn ich keine habe ?)

“Demokratie”, so Theodor W. Adorno, “beruht auf der Willensbildung eines jeden Einzelnen, wie sie sich in der Institution der repräsentativen Wahl zusammenfasst. Soll dabei nichts Unvernünftiges resultieren, so sind die Fähigkeit und der Mut des Einzelnen, sich seines Verstandes zu bedienen, vorausgesetzt.” Obwohl bereits lange bekannt ist, dass die Realisierung der Demokratie weniger unter einem Mangel an gutem Willen und demokratischen Werten leidet (weshalb auch die ständigen öffentlichen Appelle, uns auf moralische Werte zu besinnen, an dem Problem vorbeizielen), als vielmehr an einem Mangel. an demokratischen Fähigkeiten, wird immer noch darüber gestritten, erstens, ob die Schule diese Kompetenzen überhaupt fördert bzw. fördern kann,und zweitens, welche pädagogischen Methoden sich dafür eignen.
aus: Prof. Dr. Georg Lind – Moralerziehung als demokratische Bildung

Wir sollten Möglichkeiten zu echten Diskussionen erkennen, bewusst schaffen und nutzen – und dann tatsächlich auch nur in solchen Situationen diskutieren, in denen wir ehrlich bereit und in der Lage sind, ihren Standpunkt offen zu betrachten und uns von ihren Ideen und Argumenten eventuell auch überzeugen zu lassen.

Lasst den Kindern ihren Willen, denn aus dem Wollen werden Werte.

Danke an meine “Co-Autoren im Geiste”:

  • diverse noch unverzogene Kinder,
    die meine pädagogischen Fehlanwendungen mit einem frechen Grinsen quittieren
  • “sture” Downis,
    die Scheindiskussionen konsequent einfach ignorieren
  • sozialwahrnehmungsgestörte Autisten,
    die sich auf diese “Spiele der Erwachsenen” gar nicht einlassen (können)

Please complete:
Wer hat / schreibt noch einen ergänzenden Artikel, der hier verlinkt sein sollte ?
;) So was wie:

  • Keine kompetenten Kinder ohne kompetente Erwachsene (* wink *)
  • “Partizipation braucht Mut derer, die sie zulassen…” (* grins *)
  • Medien- und Informationskompetenz im Mitmach-Web:
    Internet und politische Bildung (@beatnig ?)
  • Demokratie 2010: (Schein-) Partizipation ?
  • “…dass eine demokratische Gesellschaft, um den Rückfall in Diktatur und Barbarei zu verhüten, die Bildung ;)   ihrer Bürger zu fördern habe, koste es, was es wolle.”
    (nach Alexis de Tocqueville ,1805-1859, Historiker und Staatstheoretiker)
  • …. was euch dazu noch einfällt, was euch auf dem Herzen liegt, was ihr ganz anders seht….

gleich

Bilder: http://www.morguefile.com/


Nur Dumme lernen lebenslänglich

Fakt ist:
Lernen macht dumm.
Mit jedem neuen Thema, Buch, Artikel…mit jeder neuen Information
vergrößert sich die Menge der Dinge, die ich nicht weiß.
Blöd, jetzt zur Vermehrung meiner Dummheit auch noch Psychologie zu studieren.
Warum tu ich mir so was überhaupt an – in meinem Alter (inzwischen mehr U40 als Ü30)?

Das fragen sich und mich auch einige meiner Mitmenschen:

Bist du schon fertig?
Nein, ich hab ja grad erst angefangen.

Wann bist du denn fertig?
Wenn´s gut läuft, in etwa 2 Jahren.

Bist du nicht zu alt zum Studieren?
Traue keinem Psychologen unter 60.

Bist du eigentlich schon mit IRGENDETWAS fertig?
Erzieher, Trainer Westernreiten, Entspannungspädagoge

Warum studierst dann noch so einen Quatsch?
Na ja – vielleicht lebt es sich nach der “Image-Kampagne” als Erzieher etwas besser
- wenn man nicht mehr als “Spielschultante” belächelt und bezahlt wird…?

Wie – “keine Zeit” ? Studenten haben keine Zeit ?
*verschwörer-blinzeln*
Das ist mir aber neu.
Freie Zeiteinteilung hat nichts mit “freier Zeit” zu tun.

Fernstudium? Das ist doch nur Mist
- das kriegst du eh nirgends anerkannt.

…weiß doch jeder, oder?

Früher hast du dein Studium ja auch nicht durchgezogen
- und jetzt willst du in Eigenregie… ?

Früher hat ein Studium auch schon Geld gekostet
- und ich war nicht der einzige Student,
der irgendwie auf seinen Nebenjobs hängengeblieben ist *grins*
Jetzt weiß ich, was ich tue – und Fernstudium ist eine flexible Angelegenheit.
Selbstorganisiertes Lernen hat auch Vorteile.

Hab ich dich geweckt?
…passiert euch das auch?
Mein Hirn raucht und knattert, ich bin  auf dem Weg zum Aha-Erlebnis
- das Telefon scheucht mich aus meinen Gedanken auf – und dann so was?

Bist du computersüchtig?
Ich arbeite.

Achje – in deinem Alter fällt einem das Lernen ja sicher schwer.
Ich hab viel Übung. Und ein routiniertes Anfängergespenst.

Und ich hab gelernt, je nach Art des mitmenschlichen Argwohns zum Thema
“lebenslanges Lernen” entweder den Lernspaß oder den Lernstress in die Diskussion zu schicken.
Irgendwann lern ich noch, mich über den Argwohn an sich nicht mehr zu ärgern.
Hab ja noch ein Leben lang (Lern-)Zeit.

Und ich bin ja nicht alleine:  SiemsensSelbstlernerComunity

BiWiBine sagt dazu am Fernstudientag als Bildungsreporter On Air

Das "Schon" der anderen

Vorinformation zum besseren (Un-)Verständnis der folgenden Geschichte:

Ein “normaler Erzieher” kostet einen “normalen Arbeitgeber” über 30 € pro tatsächlich gearbeitete Stunde – wenn man Urlaubs-,  Krankheits- und Feiertage auf den Stundenlohn umlegt.
Ein Integrationshelfer (auch Schulbegleiter genannt) kostet das Jugendamt 16 € pro tatsächlich gearbeitete Stunde – umzulegen gibt´s nix, weil nicht gearbeitete Stunden – etwa wegen Ferien, Feiertag, Krankheit des Begleiters oder des zu begleitenden Kindes – nicht bezahlt werden.
Als Integrationshelfer arbeiten in der Regel keine pädagogischen Fachkräfte, sondern z.B. junge Menschen im “Freiwilligen Sozialen Jahr”.

Es sei eine Erzieherin:

Seit sie ihren letzten Arbeitsvertrag freiwillig nicht unterschrieben hat, ist sie freiberuflich tätig. Sie arbeitet überwiegend mit Autisten.

Bei einem dieser Autisten steht ein Schulwechsel an. Die bisherigen Erfahrungen mit “Nicht-Fachkräften” als Schulbegleiter veranlassen das Jugendamt Ende Februar zu der Frage, ob die Erzieherin nicht die Integrationshilfe übernehmen wolle.

Die Erzieherin – weil sie den Autisten mag und der Autist  sie zu mögen scheint – rechnet:

Bei 16 €/Stunde und einem durch die  lange Anfahrt hohen Zeit- und Spritaufwand bleibt abzüglich Sozialversicherung u.ä. noch ein Stundenlohn von 2,70 €,  der sich dann in “guten Monaten” (keine Ferien , keine krankheits- oder andersbedingten Ausfälle) zu einem monatlichen Einkommen von 300 bis günstigstenfalls 400 € summieren könnte.

Die Erzieherin erklärt sich bereit, den Job für 16 €/Stunde + Erstattung der Fahrtkosten zu übernehmen.

Um ihr Psychologie-Studium dabei wenigstens noch als Teilzeitstudent fortführen zu können, sucht sie für andere von ihr betreute Kinder eine “Ersatzbetreuung” – der “NebenerwerbsReitunterricht” wird wohl eingestellt werden müssen. ..dass durch die längere Studiendauer zusätzliche Gebühren anfallen, soll hier mal ignoriert werden.

Brav legt die Erzieherin beim Jugendamt die angeforderten Ausbildungsnachweise, Referenzen, bisherigen Arbeitsberichte zum Fall des betreffenden Autisten und diverse weitere Qualifikationsnachweise vor – z.B. das gute (weil vor dem freiwillig nicht unterschriebenen Vertrag ausgestellte :wink: ) Arbeitszeugnis ihres ehemaligen Arbeitgebers.
(als “Bewerbung” für einen Job, der in der Regel …s.o.)

Ende April lehnt das Jugendamt die Kostenübernahme ab.

Die Erzieherin macht Zusagen an andere Kunden, baut den “NebenerwerbsReitunterricht” aus, organisiert ihr Studium dementsprechend.

Anfang Mai will das Jugendamt nochmal darüber nachdenken, ob eine Fachkraft nicht doch sinnvoll sei – es müssten allerdings noch ein paar Dinge geklärt werden… man werde der Erzieherin einen Gesprächstermin nennen.

Die Erzieherin entwickelt zu ihrer aktuellen Planung noch Plan B bis (etwa) X – und antwortet ab sofort auf unterschiedliche Anfragen zu diversen Lebenslagen mit einem konsequenten “Vielleicht, wenn… dann -  oder…”

Nach einigen Wochen mit gelegentlichen Nachfragen an unterschiedlichen, in die Entscheidungsfindung eingebundenen Stellen warten Mitte Juni immer noch mehr oder weniger gelassen:
Die Erzieherin, der Autist und seine Familie, andere Kunden der Erzieherin, die Vielleicht-Ersatzbetreuung, deren andere Kunden, die zukünftige Schule (sollte man annehmen), der zuständige Autismustherapeut, die Integrationsdienstleitung der bisher für den Schulbegleiter zuständigen Institution (die nicht weiß, ob sie sich jetzt ihrerseits um die Besetzung der Stelle kümmern soll)…

Am Montag hab ich angerufen und den Job von meiner Seite aus abgesagt.

Am Dienstag hat man mich angerufen, um mir mitzuteilen, ich sei als Integrationshelfer mit 16 € /Stunde genehmigt, nur über die Fahrtkostensache wäre noch nicht endgültig entschieden…aber – leicht säuerlich – ich hätte meine Entscheidung  ja SCHON getroffen.

Das “SCHON” der Bürokratie ist eindeutig nicht mein “SCHON“…

P.S: Eine andere Maßnahme mit dem Ziel, den Autisten auf den Schulwechsel und die damit verbundene Integration in eine neue Gruppe vorzubereiten, läuft SCHON langsam – weil erfreulich erfolgreich – aus…beantragt im Dezember – und bis jetzt (wenige Wochen vor den Schulferien -> dem Schulwechsel) noch nicht genehmigt.

für Interessierte:
Expertenpapier des Landesjugendamtes Rheinland zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus durch Integrationsassistenz

Anzeige

Follow me