Internet

Was hat Internet mit Zugfahren zu tun ?

Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau erzählt unbedingt hörenswert

  • von “kulturellen Ängsten gegenüber neuen Technologien”
  • von “panoramatischem Sehen” und “Lesen im Zug als Symbol der Isolation”
  • von gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Veränderungen durch das Internet
  • vom Ende des journalistischen “Quasimonopols darauf, Öffentlichkeiten herzustellen”
  • von neuen Wegen für den (Online-)Journalismus: Chancen und Risiken
  • von eDemokratie: Bürgerbeteiligung über das Wahlkreuzchen hinaus
  • vom Bedarf an professionellem Journalismus und professioneller Politik:
    Wissensmanagement und sinnvolle Anwendung von Wissen
  • von der Rolle Deutschlands in der (aktuellen) Entwicklung des Internets

und vom Experimentieren und Fehlermachen…

 

Umfrage mit Potential: Social Media und Partnerschaft

Keine Versuchspersonenstunden, keine reine Wissenschaft, aber interessant…

Ist es nicht wunderbar erschreckend (oder erschreckend wunderbar), wie sehr Social Media, Web2.0, das kollaborative Netz, teh Intertubes (tbc) jegliche Bereiche unseres Lebens verändern? Lehren und Lernen, Unternehmenskommunikation, die Art, wie wir Musik hören, Videos schauen, uns mit Freunden verabreden … und ganz offensichtlich auch die Art und Weise, wie wir lieben und unsere Partner suchen?!

Wir haben uns entschlossen, zum Thema “Social Media und Partnerschaft” etwas zu forschen und werden dazu mit Euch auf Tuchfühlung gehen müssen, wie es sich für ein Projekt geboren im kollaborativen Netz auch gehört. Und weil wir viele Ideen haben, aber noch nicht alle ausplaudern möchten, manipulieren wir Euch zur Teilnahme mit dieser hippen FAQ…

weiterlesen hier

und die Idee dahinter ist außerdem sehr sympathisch:

Wir glauben nicht, dass wir Geld damit verdienen werden, wir sind uns ja nicht noch nicht mal sicher, in welcher Form das Material publiziert wird.. Sollte es aber der Fall sein, werden wir den Teil, der von der Crowd mitgestaltet wurde, auch entsprechenend berücksichtigen und den Anteil vom Gewinn einem gemeinnützige Projekt zukommen lassen.

Wer macht mit ?
Dauert auch nicht lang… es sei denn, man möchte noch eine gute Geschichte zum Thema loswerden ^^.

Mein digitales Ich – Äußerungen statt Äußerlichkeiten ?

Ich:
tier- und kinderbedingt meistens in “Spielkleidern” (Outdoor Wear)unterwegs, Schaffschuhe (deutsch: Sicherheitsstiefel ;) ), Lieblingskappe…
Ein Test hat gerade ergeben: In “zivil” werde ich gar nicht erkannt :)

Meine Sprache:
An das Wesen meines Terriermischlings^^ und die Bedürfnisse der Kinder (Downis, Autisten…) angepasst – einfach, klar und deutlich… und oft auch laut, weil “outdoor” und weder Hunde noch Kinder gehen immer schön brav bei Fuß.

Mein Auto:
Wie die Hosentasche eines Kindes… man findet (vielleicht) keine toten Frösche darin, aber diverse Steine und alte Knöpfe auf jeden Fall – und auch sonst wahrscheinlich eigentlich alles… eine Mischung aus “Eigentlich brauche ich einen Traktor”, fahrender Hundehütte und Kinderspielplatz.

Meine Eindrücke:
Ich werde beurteilt nach dem, was ich arbeite.
Meine Arbeit wird beurteilt nach dem, was ich damit verdiene.
Den Verdienst erkennt man an Auto und Kleidung und so…
Außerdem gilt das als Arbeit, was stresst und außerhalb des “Privatalltags” stattfindet.

Blöd:
Ich mag meine Arbeit, kriege dafür leider nicht, was ich eigentlich “verdiene” ^^, trenne sie nicht wirklich von meinem “Privatleben”… und die Studiererei gilt ja eh als Hobby.

Mein Entschluss:
Ab sofort bin ich einfach stolz auf meine entspannte Ausstrahlung, wenn wieder jemand meint, ich hätte den ganzen Tag nichts zu tun.

Meine Nach-Gedanken:
Würden die Menschen, die sich offline ein Bild von mir machen,
mich online wiedererkennen ?
Eigentlich interessant, wie uns das Internet auf “andere Facetten” unsrer Persönlichkeit “reduziert”
… oder vielleicht besser: “konzentriert” ?
Gibt es “digitale Äußerlichkeiten” ?

Mehr Schwimmen, weniger Surfen

Nachdem ich zum wiederholten Male mit Gedanken aufgewacht bin, die eigentlich nicht meine sind, hinterfrage ich jetzt doch mal meinen Informationskonsum.

“Wer geht, sieht weniger, aber mehr.
Wer fährt, sieht mehr, aber weniger.”

… weshalb es Sinn macht, beides ausgleichend zu verbinden.
In diesem Fall sollte ich vielleicht besser von “Surfen” und “Schwimmen” reden ?
Mehr Schwimmen, weniger Surfen – und zwischendurch immer mal wieder treiben lassen…

Ähnliche Erfahrungen ?
Erprobte Strategien ?

Anmerkung 1:
Konzentrationsstörungen ? Nein, ich kann mich prima konzentrieren – allerdings werde ich dabei im Moment nach kurzer Zeit saumüde:

Konzentration
= eingeschränkte (weil fokussierte) Wahrnehmung

= vieles andere loslassen
= Entspannung
= …

Das ist dann zwar gut für Leib und Seele, aber schlecht für die Klausur.

Anmerkung 2:
Ich bin übrigens kein Stubenhocker oder so was. Sogar an “schlechten” Tagen komm ich kaum unter 2 Stunden Frischluft, meistens sind es eher doppelt so viele, häufig sogar noch mehr (tier- und kinderbedingt).

(Stichwort “Morgenseiten” und  liebe Grüße an die Wissensagentur ;) )

Lasst den Kindern ihren Willen!

Wie wir gleichWERTig mit gleichberechtigt verwechseln
und unseren Kindern damit ihre (Selbst)WERTE ab-erziehen

Kind: “Ich will nicht”
Erwachsener: “Aber du sollst wollen! – Du muss doch einsehen dass….
also will gefälligst, was ich will! ”

partnerschaftlich diskutieren

“Scheindiskussionen und Überdisziplinierung in der Erziehung
unter dem Aspekt der Moralentwicklung beim Kind
im Hinblick auf demokratische Diskurskompetenz
(und politische Partizipation?)

Piaget sah die moralische Entwicklung des Kindes eng an dessen kognitive Entwicklung gebunden, Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung geht auf die Ideen von Piaget zurück:

Werte müssen – entsprechend der kognitiven Entwicklung ( = kindgemäß) -  erarbeitet werden. Die Auseinandersetzung mit Gleichberechigten im Prozess des Entdeckens, Verbalisierens und Kommunizierens von Werten wird von beiden „Moralforschern“ als unverzichtbar für die Weiterentwicklung von „äußeren Werten“ (→ heteronome Moral, Orientierung an den positiven oder negativen Konsequenzen einer Handlung aus Respekt vor Autoritäten und Machtverhältnissen) zu „inneren Werten“ (→ autonome Moral, Orientierung an ethischen Prinzipien aus innerer Überzeugung und Einsicht) beschrieben.

Nur ein Diskurs unter „seinesgleichen“ und mit offenem Ausgang lässt dem Kind den notwendigen Raum, sich seiner eigenen Werte bewusst zu werden. Ohne Bewusstsein für seine eigenen „inneren Werte“ entwickelt es kein Bewusstsein für die „inneren Werte“ von anderen – es kann keinen Wechsel der sozialen Perspektive vollziehen. Fehlt diese Fähigkeit zum Perspektivwechsel, dann fehlt die Basis für gegenseitigen Respekt…

jugend heute

“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”

Sokrates
(470 – 399 v. Chr.)

Mein Eindruck:  Wir überfordern die Kinder mit Scheindiskussionen.

„Mein Wert“ mag ein „innerer Wert“ sein – zumindest halt ich ihn ja dafür^^ – für das Kind bleibt er „dein Wert“, die Vorstellung eines Erwachsenen, etwas, das von außen an es herangetragen wird… eine Forderung, die unabhängig von seiner „Einsichtigkeit“ durchgesetzt werden wird…

Das gutgemeinte „partnerschaftliche“ Diskutieren – gedacht zur Unterstützung der moralischen Entwicklung und Diskurskompetenz im Rahmen von demokratischem Denken und Partizipation – bewirkt in dafür ungeeigneten Situationen genau das Gegenteil.

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“
Afrikanisches Sprichwort

Ich verlange von einem Kind „Einsicht“ in meine Forderung. Angesichts der Tatsache, dass es die zu dieser Einsicht notwendigen kognitiven Fähigkeiten erst noch entwickeln muss, stellt sich die (meiner Meinung nach etwas peinliche) Frage:

Wieso bin ich als Erwachsener eigentlich so scharf auf die Bestätigung meiner Werte
- durch ein Kind? *kopfkratz*
(weil ich mir meiner Werte selbst nicht sicher bin ?? )

Meine Erwartung „Das musst du doch einsehen!“ überfordert das Kind. Ich werte seine eigenen Ideen, seinen Willen, seine Erfahrungen und Bedürfnisse und viel zu oft auch gedankenlos sein ganzes Selbst ( = den Menschen „Kind“ ) in solchen (Schein-)Diskussionen ab. Das Kind ist in dieser Situation nun mal nicht gleichberechtigt, sondern kognitiv und emotional unterlegen.

Deshalb nenn ich das auch eine Scheindiskussion: Der Überlegene beweist dem Unterlegenen, dass dieser „falsch“ denkt.

Wie fühlt Ihr euch, wenn der Chef sagt: „Ich hab die besseren Argumente, du bist nur zu doof, um das einzusehen“?

Fatal: Für ein Kind sind (falsch) Denken und (falsch) Fühlen noch EINS.
Noch fataler: Für ein Kind sind (falsch) Fühlen und (falsch) Sein noch EINS.

Das Kind lernt in einer solchen Diskussion:

Ich bin falsch.

Scolded

= Unsicherheit, Selbstzweifel, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Frustration…
mit der Reaktion: Vermeidungsverhalten (Null Bock) oder Aggression.
(deshalb müssen uneinsichtige Kinder oft in eine Therapie)

Das Kind entwickelt die Einstellung:

selbstwertWenn ich falsch bin,
sind meine „inneren Werte“ falsch.
Ich will nicht falsch sein.
Also übernehm ich sicherheitshalber die „äußeren Werte“, die andere mir vorschlagen.
Dann merkt zumindest niemand,
dass ich falsch bin.

Das scheint in diesem Moment eine gute Lösung für alle Beteiligten – Erwachsene und Kinder – zu sein.

Blöd nur , wenn aus diesem Kind dann ein Teenager wird, der sich zunehmend dem Einfluss „vernünftiger“ Erziehungspersonen entzieht und sich auf der Suche nach Werten an eventuell weniger vernünftigen Peergroups und Medien orientiert.

Stichworte:

  • Kiffen macht gleichgültig
  • Ausländer raus
  • Wer xyz macht /hat /ist, ist cool
  • ……

Da findet „Kind“ dann entsprechend seiner Kompensationsstrategien (Vermeidung oder Aggression) sicher etwas passendes…

Also doch lieber autoritär statt partnerschaftlich ? Ein Lob der Disziplin ?

Natürlich können in der Erziehung viele Auseinandersetzungen nicht als echte, partnerschaftliche Diskussionen geführt werden, weil der Ausgang in jedem Fall vom „überlegenen“ Erwachsenen bestimmt wird – im Rahmen seiner Verantwortlichkeit von ihm bestimmt werden MUSS.

„Kinder wollen nicht immer, was sie brauchen“

lese ich grinsend bei Jesper Juul.

In diesem Moment liegt meine Verantwortung gegnüber dem Kind nicht darin, sein Wollen abzuwerten oder seinen Willen zu „disziplinieren“ , sondern darin, ihm „ohne viel Gespräch“ („Das musst du doch einsehen“) das zu geben, was es braucht – auch gegen seinen Willen, aber nicht mit dem Ziel , diesen zu  „zerstören“:

“Du willst das.Es ist okay, das zu wollen.
-  Ich will jenes. Ich trage die Verantwortung, deshalb machst du, was ich will.”

So kann ich dem Kind seinen Willen lassen – auch, wenn ich ihm nicht folge und meinen Willen durchsetze.

schimpfen

Eine in diesem Sinne erfolgreiche Intervention zeigt sich darin,
dass das Kind fürchterlich schimpft und flucht,
während es das tut,
was ICH will… :)

Übrigens weiß ich aus eigener Erfahrung zu berichten, dass auch ein großzügig-demokratisches „Dann mach doch, was du willst“ – gefolgt von einem späteren „Siehste – das hab ich doch gesagt. Hättest du mal bloß auf mich gehört“ nicht wirklich zum Aufbau eines Selbst – Wert – Gefühls beiträgt.

Eltern, Erzieher, Lehrer…

Zu oft geben wir unseren Kindern Antworten, die sie behalten sollen,
anstatt Aufgaben, die sie lösen sollen.
(Roger Lewin, amerikanischer Anthropologe und Wissenschaftsjournalist, geb. 1946)

In unsrer Funktion als „Wertevermittler“ neigen wir vielleicht zu häufig dazu, uns mit zu vielen und in zu viele Diskussionen einzumischen – um die „richtigen“ Werte vorzugeben – und stören damit wichtige Entwicklungsprozesse:

„Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.“
Georg Christian Lichtenberg

Und ich frage  mich:
Wo und wie und vom wem sollen Kinder unter diesen Umständen soziales Engagement und politische Partizipation lernen ?
(Wie und warum soll ich meine Werte vertreten, wenn ich keine habe ?)

“Demokratie”, so Theodor W. Adorno, “beruht auf der Willensbildung eines jeden Einzelnen, wie sie sich in der Institution der repräsentativen Wahl zusammenfasst. Soll dabei nichts Unvernünftiges resultieren, so sind die Fähigkeit und der Mut des Einzelnen, sich seines Verstandes zu bedienen, vorausgesetzt.” Obwohl bereits lange bekannt ist, dass die Realisierung der Demokratie weniger unter einem Mangel an gutem Willen und demokratischen Werten leidet (weshalb auch die ständigen öffentlichen Appelle, uns auf moralische Werte zu besinnen, an dem Problem vorbeizielen), als vielmehr an einem Mangel. an demokratischen Fähigkeiten, wird immer noch darüber gestritten, erstens, ob die Schule diese Kompetenzen überhaupt fördert bzw. fördern kann,und zweitens, welche pädagogischen Methoden sich dafür eignen.
aus: Prof. Dr. Georg Lind – Moralerziehung als demokratische Bildung

Wir sollten Möglichkeiten zu echten Diskussionen erkennen, bewusst schaffen und nutzen – und dann tatsächlich auch nur in solchen Situationen diskutieren, in denen wir ehrlich bereit und in der Lage sind, ihren Standpunkt offen zu betrachten und uns von ihren Ideen und Argumenten eventuell auch überzeugen zu lassen.

Lasst den Kindern ihren Willen, denn aus dem Wollen werden Werte.

Danke an meine “Co-Autoren im Geiste”:

  • diverse noch unverzogene Kinder,
    die meine pädagogischen Fehlanwendungen mit einem frechen Grinsen quittieren
  • “sture” Downis,
    die Scheindiskussionen konsequent einfach ignorieren
  • sozialwahrnehmungsgestörte Autisten,
    die sich auf diese “Spiele der Erwachsenen” gar nicht einlassen (können)

Please complete:
Wer hat / schreibt noch einen ergänzenden Artikel, der hier verlinkt sein sollte ?
;) So was wie:

  • Keine kompetenten Kinder ohne kompetente Erwachsene (* wink *)
  • “Partizipation braucht Mut derer, die sie zulassen…” (* grins *)
  • Medien- und Informationskompetenz im Mitmach-Web:
    Internet und politische Bildung (@beatnig ?)
  • Demokratie 2010: (Schein-) Partizipation ?
  • “…dass eine demokratische Gesellschaft, um den Rückfall in Diktatur und Barbarei zu verhüten, die Bildung ;)   ihrer Bürger zu fördern habe, koste es, was es wolle.”
    (nach Alexis de Tocqueville ,1805-1859, Historiker und Staatstheoretiker)
  • …. was euch dazu noch einfällt, was euch auf dem Herzen liegt, was ihr ganz anders seht….

gleich

Bilder: http://www.morguefile.com/


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