kinder

Blogkarneval Bildungspolitik

Jeder, der bis zum 15.06.2010 hier einen »offenen Brief« mit konstruktiver Kritik und Vorschlägen, was besser wäre, veröffentlicht, nimmt an der Verlosung des Buches »Politik in Deutschland« teil.

mehr Infos: Siemsens Selbstlerner Community / Allgemeine und politische Bildung

während ich noch etwas unkonstruktiv vor mich hin schimpfe, haben andere schon sehr konkrete Vorstellungen:

“Gefordert ist mehr Investition in soziale Einrichtungen, soziale Netzwerke, Hilfsorganisationen, Unterstützung der Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen leben müssen.

Gefordert ist diesen Menschen, diesen Müttern und Kindern zu zeigen und zu beweisen wie wertvoll und wichtig sie sind.

Gefordert sind gänzlich neue Strukturen in Sachen Grundversorgung von Kindern. Kindern muss ermöglicht werden auch mal aus den Betonwüsten heraus zu kommen. Mal kennen zu lernen was Natur ist um dort Kräfte zu sammeln für all die Anforderungen des Lebens. Wahrscheinlich würden dann auch Diagnosen wie ADHS sehr viel weniger vorkommen, wenn Kinder mal wieder ihre Ennergien ausleben dürften, statt vor volksverdummenden TV-Programmen geparkt zu werden.

Gefordert ist ein neues Schulsystem, in dem jedes Kind eine Chance hat. In dem man sich der Individualität des Kindes widmen und es fördern kann. Denn wie viele Talente bleiben unentdeckt, weil man “Aufmüpfigkeit”, oder “Andersartigkeit” mit Dummheit und Unreife verwechselt. Weil Lehrkörper ausgebrannt und desinteressiert lediglich ihre Zeit absitzen. Ja, sogar Lehrer in Grundschulen erklären – sie “hassen” Kinder und ihr Job sei nur noch eine Last.”

… ganzer Beitrag: Mitmachen beim Blogkarneval Bildungspolitik

Weitersagen ! ;)

Niedrigschwellige Betreuungsangebote – zwischen Profit, Ehrenamt und Krankenkasse

“Die Betreuungsangebote können Menschen mit demenziellen Fähigkeitsstörungen, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen nutzen. Das gilt bereits bei der so genannten “Pflegestufe 0″, wenn also eine Pflege im Sinne des Gesetzes noch nicht erforderlich ist und daher unterhalb der “Schwelle” professioneller Pflegedienste erfolgt. Aufgrund ihrer Erkrankung muss ein erhöhter Bedarf daran bestehen, sie zu beaufsichtigen und zu betreuen. Die Pflegekasse zahlt in diesem Fall monatlich 100 Euro, in schwereren Fällen monatlich 200 Euro.”
mehr lesen….Niedrigschwellige Betreuungsangebote sorgen für Entlastung

Mein erster Kontakt mit “niedrigschwelligen Betreuungsangeboten”:

Eine rüstige Rentnerin aus meinem Familienkreis will sich in der Altenpflege engagieren, nicht unbezahlt ehrenamtlich, aber gegen eine nur geringe “Aufwandsentschädigung”. Mehrere Wochen lang betreut sie an einem Nachmittag in der Woche demenzkranke  Menschen in einer “niedrigschwelligen Gruppe” – unter Anleitung eines Pflegedienstes.

Als sie sich nach einer “Einarbeitungszeit” nach der abgemachten “Aufwandsentschädigung” erkundigt, teilt man ihr seitens des Pflegedienstes mit, dass sie dafür erst einmal einen “Pflegekurs” absolvieren müsse – zufällig bietet der Pflegedienst demnächst einen solchen an – die Teilnahmegebühr wird von der Krankenkasse übernommen.

Der Pflegedienst rechnet die Betreuung  der Nachmitags-Gruppe mit den  Angehörigen über das  Budget für “zusätzliche Pflegeleistungen” ab.

Der nächste Kontakt mit den “niedrigschwelligen Betreuungsangeboten”:

Ein Träger der Behindertenhilfe rechnet im Rahmen seines  “Familienentlastenden Dienstes”  16 € / Stunde mit den Angehörigen ab… finanzierbar über Verhinderungspflege oder niedrigschwellige Betreuungsangebote.

Davon bezahlt der Träger 7 € an den semi-ehrenamtlichen Betreuer aus, der Rest verschwindet…
wo auch immer, vielleicht  “in der Verwaltung” ?

Diese Sachlage irritiert offensichtlich auch andere,
siehe Leserbrief zu oben zitiertem Artikel: “Gesetzliche Förderung der Profitgier”

Seit Oktober 09 bin ich selbst ein “anerkanntes niedrigschwelliges Betreuungsangebot”

- auf Drängen einiger Eltern, die ihre Kinder lieber von mir als von ehrenamtlichen Helfern betreuen lassen, habe ich einen Antrag auf Anerkennung von niedrigschwelligen Betreuungsangeboten nach § 45b Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 SGB Xl gestellt.

Ehrenamtliche Mitarbeiter habe ich keine.
Die “niedrigschwelligen Betreuungskosten” ergeben sich aus einer -  im Vergleich zu meinen ” höherschwelligen”  pädagogischen Fördermaßnahmen -  eingeschränkten Leistung.

Heißt: Ich mache keinen Förderplan, bereite kein Lernmaterial vor, schreibe keine Berichte, keine Beratung, kein zusätzlicher Aufwand … ich nehme die Kinder einfach mit und “baue sie in meinen Tagesablauf mit ein”

  • … einkaufen
  • Stallarbeit, Pferdepflege
  • Hunde ausführen
  • Hausarbeit, Gartenarbeit
  • Einladungen von Freunden
  • Arbeit am Computer
  • usw.

Anmerkung: Die Kinder mögen es ,  “eingebaut werden”.
Die Eltern melden regelmäßig kleine Entwicklungsfortschritte trotz “eingeschränkter Pädagogik”… ;)

Eine Familie freut sich über die Entlastungsmöglichkeiten
- und fragte bei der zuständigen Krankenkasse nach.

Ergebnis nach einigem Hin und Her:

” Die haben noch nie was von niedrigschwelligen Betreuungsangeboten gehört.
Als Anbieter einer Maßnahme für Geistigbehinderte braucht man außerdem eine Bescheinigung vom Bildungsministerium.
Und überhaupt ist die Krankenkasse dafür nicht zuständig.
Ich hab der Sachbearbeiterin aber mal Ihre Telefonnummer gegeben, damit Sie nachfragen kann.”

Angerufen hat mich keiner.
Meine schriftlichen Anfragen wurden ignoriert.

Eine Rückfrage von mir beim Landkreis:
“Das kann nicht sein. Das Kind müsste sogar schon in seinem letzten Gutachten vom Medizinischen Dienst einen entsprechenden Verweis stehen haben. Die Eltern sollen noch mal nachhorchen. ” – ” Den Eltern fehlt dazu der Kampfgeist – die haben aufgegeben. ” – “Lassen Sie sich eine Vollmacht schreiben.”

Mein Telefonat mit der Krankenkasse:

“Ich hab eine Frage zu niedrigschwelligen Betreuungsangeboten”.
- “Zu was? Das kenn ich nicht.”
- “Niedrigschwellige Betreuungsangebote nach § fünfund…”
- “Mit Paragraphen hab ich nichts tun, das hier ist die Zentrale…was soll das sein?”
- “niedrigschwellige Betreuungsangebote… zusätzliche Pflegeleistungen… Pflegeleistungsergänzungsgesetz….”
- “Moment”
- schreckliche Warteschleifenmusik
- “Ich hab eine Frage zu niedrigschwelligen Betreuungsangeboten”
- “Ja?”
- “Ich rufe an im Auftrag einer Bekannten, die diese für ihren Sohn in Anspruch nehmen will.”
- “Dann soll die Bekannte am besten selbst anrufen”
- “Sie hat mir eine Vollmacht erteilt, darüber Informationen einzuholen”
- “Mir liegt unter dem Namen XY keine Vollmacht vor. Da kann ich Ihnen keine Auskünfte erteilen”
-”Mir liegt eine Vollmacht vor. Am besten machen wir einen persönlichen Termin ab, dann bring ich die Vollmacht mit.”
- “Das Kind XY hat Anspruch auf diese Leistungen. Frau XY soll uns mitteilen, wer diese Leistung erbringen soll – die Lebenshilfe oder welcher andere Träger… dann vergleichen wir das mit unsrer Liste.”
- “Die Leistung soll Frau Eva-Maria Vogtel erbringen”
- “Das sind doch Sie!”
- “Richtig.”
- “Und SIE haben eine Zulassung als Anbieter niedrigschwelliger Betreuungsangebote?”
- “Jep. Vom Landkreis NK, Herr Z..”
- “Sie stehen nicht in unserer Liste”
- “Das sollte ich aber.”
- “Ich rufe zurück.” ..—–
- “Ihre Unterlagen sind da – aber Sie stehen nicht in der Liste. Frau XY soll uns einfach die Abrechnung schicken”
- “Danke.”

Frau XY hat sich gefreut – und gewundert.

Die Behindertenbeauftragte unserer Gemeinde hat sich nicht gewundert -

“An Deinem Erlebnis mit der AOK wird deutlich, wie uneffizient derartige Einrichtungen arbeiten. Ähnliche Erfahrungen habe ich mit dem Landesamt für Soziales oder der Rentenversicherung; ganz hinten gibt es da noch die Agentur für Arbeit…. Ich habe diese Mail für meinen Ordner “Behindertenbeauftragte” ausgedruckt, damit ich Menschen in vergleichbaren Situationen erklären kann, dass sie nicht ein “Einzelfall” sind an dem eine Institution ihre Böswilligkeit auslässt.”

Geschichten vom “sturen Downi”

Etwas lieblos - dabba dabba, wir haben doch keine Zeit und wer weiß, wie lange Lina jetzt überhaupt Interesse an dem Ganzen hat - schneide ich drei kleine gelbe Sterne aus dem Karton.
Namensschilder für die Weihnachtsgeschenke sollen das werden: Mama, Papa, Sarah … eine Kerze, ein Gummi-Entchen (hihi), ein Textmarker.
Lina hat sie im Einkaufszentrum selbst für jeden ausgesucht und bezahlt.

Mehr beiläufig und aus “pädagogischer Höflichkeit” frage ich:
“Schreibst du die Namen drauf ? Oder soll ich das machen ?” - Ich natürlich…vor allem, wenn ich in der Aufzählung am Schluss stehe – und Lina sich aus Bequemlichkeit ja immer für das Letztgehörte entscheidet…leicht manipulativ – aber ich weiß ja auch nicht, wie lange sie überhaupt Interesse… -

“Ich”, sagt Lina. - Huch, denke ich. Das kriegt sie nicht hin…dann ärgert sie sich…lässt alles liegen…ich mach´s dann für sie…und sie fühlt sich wieder doof und unfähig…keine gute Pädagogik – denke ich. -

Sagen tu ich – als hätte ich nix anderes erwartet: “Okay – ich schreib´s dir vor.”  Tatsächlich erwarten tu ich ein bisschen unleserliches Kritzelkratzel - und überlege schon, ob es wichtiger ist, dass der Richtige das richtige Geschenk kriegt…oder dass Lina jetzt und hier das Gefühl hat, sie kriegt das hin, ohne dass ich noch was dazu schreibe…aber spätestens, wenn´s nachher keiner lesen kann…3-Sekunden-Pädagogik-Gewitter… -

Ich schreibe vor, Lina malt ab. Ich sage “hoch”, “runter”, “Kopf”, “Bauch” … - keine Ahnung, wie man Buchstaben be-schreiben kann – schlechtes Gewissen, das sollte ich doch eigentlich…egal -
… hups…kurz Radieren - ohweh, jetzt ist sie beleidigt und hat keine Lust mehr ? - es stört sie gar nicht, sie arbeitet immer noch hochkonzentriert.

Die Sterne sind natürlich viel zu klein (die waren ja auch für mich …*hüstel*). Die Buchstaben passen nicht hintereinander (mein Fehler). Deshalb stehen sie jetzt neben- und übereinander. Sie sind auch nicht alle aus dem deutschen Alphabet.

Aber die Namen sind lesbar. Lina ist zufrieden. Nicht mal besonders stolz – nur einfach zufrieden.

Ich bin stolz. Und ein bisschen erschüttert. Und ein bisschen beschämt….während Lina engelsgeduldig - wow ! trotz Problemen mit der Feinmotorik - die gelochten Sterne mit Geschenkband an die Päckchen knotet – und anschließend noch mit der Riesenschere das Geschenkband kräuselt - äh – Probleme mit der Feinmotorik ?

Linas Schule sagt:
Lina ist zu faul zum Schreiben. Die hat da einfach kein Interesse dran.

Psychologie sagt:

  • Andere Leute teilen mir indirekt durch ihre Reaktionen mit, wie sie mich einschätzen.
  • Die indirekten Mitteilungen beeinflussen meine Selbsteinschätzung.
  • Meine Selbsteinschätzung beeinflusst meine Motivation und meine Leistung.

aus einer Fragebogenstudie von Weiner, Graham, Stern und Lawson 1982

  • Stellen Sie sich folgende Situation vor:
    Schlechte Note des Schülers und Reaktion des Lehrers -
    Ärger, Schuld, Mitleid, Überraschung oder Traurigkeit
  • Auf welche Ursache führt wohl ein ärgerlicher, mitleidiger… Lehrer den Misserfolgs des Schülers zurück ?
    z.B. mangelnde Anstrengung, fehlende Fähigkeiten…
  • …zu welcher Selbsteinschätzung führt das wohl beim Schüler?
  • usw.

Lernen bis zum Schluss

… ein Nachteil meines etwas unorganisiert-organisch-dynamischen Lernstils:
Ich bin 3 Tage vor der Klausur immer noch nicht fertig – seufz.

natürlich verbunden mit guten Vorsätzen für´s nächste Semester:
z.B. Finden einer anderen Lernstrategie


dabba dabba Vokabeltrainer:

  • Lernen1
    basics, Überblick Lerntheorien, behavioristische Lerntheorien: klassisches, instrumentelles, operantes Konditionieren
  • Lernen2
    Behavioristische Lerntheorien:Kritik + Anwendungsbereiche, Kognitive Lerntheorien: Computermodell des Geistes, Tolman, TOTE-Modell, Bandura/Lernen am Modell: Experimente, Ergänzungen, Anwendungsbereiche

für Fernuni-Hagen-Studenten (mit Passwort – gibt´s in moodle):
Zusammenfassung Lernen, Gedächtnis… auf  http://psychologik.wordpress.com/
Danke, Meli!

und noch ein paar Links

  • Lernen am Modell:
    “Mit gutem Beispiel voran – diese Regel gilt vor allem im Umgang mit Kindern. Denn wenn die Kleinen etwas Neues lernen, orientieren sie sich eher an Erwachsenen als an Gleichaltrigen, haben Forscher beobachtet. Das Vertrauen in die Vorbilder ist dabei enorm groß.”
    Spiegel online/Wissenschaft: Kinder schauen lieber bei Erwachsenen als bei Gleichaltrigen ab
  • Gewalt lernen?
    Killerspiele sind für weibliche und männliche Asiaten und Europäer gleich gefährlich. Oder gleich ungefährlich. Auf jeden Fall aber: gleich schwer wissenschaftlich greifbar. “
    Spektrum direkt: Bewiesen: Killerspiel-Studien sind kompliziert


Nehmt die Kinder mit!

Die Arbeitsbedingungen der Erzieher sind die Aufbewahrungsbedingungen der Kinder.

Die Unterschiede zwischen einem “streikbedingten Notbetrieb” und dem “normalen Notbetrieb” im Erzieheralltag ** sind nicht so groß, wie sie wohl sein sollten.

**einer von viereinhalb bereits personalunterverschlüsselten Erziehern krank zu Hause, einer krank auf Arbeit, einer mit dem Qualitätsmanagement (!) beschäftigt, die Halbtagskraft bleibt aus Solidarität mit Kindern und Kollegen zwar länger, aber trotzdem unbezahlt

Die Unterschiede zwischen einem “streikbedingten Notbetrieb” und einem “normalen Notbetrieb”  im Elternalltag*** sind vermutlich auch nicht so groß, wie sie wohl sein sollten?

*** Kind ist krank zu Hause

Nehmt die Eltern auch mit! :wink:

Anzeige

Follow me