Wenn du Wissensmittler wärst…
Wie sieht deine ideale Unterrichtsstunde aus ?
“Mach mal Planung”, sagt Locutus …
Also, so ganz konkret muss ich das jetzt ja nicht abliefern, oder ? Ich hoffe, dem strengen Frager reicht ein grobes Gerüst… ?
Zuerst fällt mir da mal auf, dass ich als Wissensvermittler tatsächlich nicht nur “Wissen” vermittele, sondern immer auch das “Wissen-Wollen”.
Nicht jeder, der lernwillig zu mir kommt, will wirklich “Wissen” erwerben. Manche wollen einfach nur eine möglichst einfache, jetzt-hier-und-gleich-instant bedienungsanleitungsähnliche Lösung. Manchmal kann ich diese “Rezeptsucher” zum “Wissen-Wollen” motivieren, aber meistens trennen sich unsere Wege ziemlich schnell wieder
, weil die Unterrichtsstunden dann für beide Seiten alles andere als “ideal” verlaufen.
Ideal ist für mich:
Ich lerne meinen Schüler erst mal kennen.
Ich will wissen, wie er zu dem “Thema” steht… was will er wissen… was weiß er schon – und dann gebe ich vielleicht von meiner Seite aus noch ein “was sollte er wissen” und ein “was könnte er außerdem noch wissen wollen” dazu.
Auch interessant: Was weiß er vielleicht mehr / besser /anders als ich ? Was kann ich an und von ihm lernen ?
( Aus einer gelungenen Unterrichtseinheit mit regem Austausch geh ich nie “lernleer” raus – aus einen schlechten Unterrichtseinheit bleiben meistens auch ein paar Erkenntnisse übrig. )
Eine feste Richtung “vom Groben zum Feinen” oder “vom Konkreten zum Abstrakten” habe ich nicht.
Das geht kreuz und quer, meistens halb-spontan (Alternativen geplant und im Kopf, Auswahl vor Ort).
Vom Konkreten zum Abstrakten fängt es meistens an:
Ich stelle dem Lerner eine Aufgabe, lasse ihn machen, beobachte – und gebe danach Feedback: “Das funktioniert, weil… die Zusammenhänge im Hintergrund so und so sind” oder “Das funktioniert nicht, weil… “.
Im “Funktioniert-Nicht-Fall” schlag ich dann passend zu den Zusammenhängen eine andere Methode vor, oder…
es geht weiter vom Abstrakten zum Konkreten:
Nachdem ich die Zusammenhänge erklärt habe, stelle ich dem Lerner eine Aufgabe, lasse ihn machen, beobachte und gebe Feedback: “Das funktioniert, weil…” usw.
Dieser Wechsel zwischen “Verstehen und Anwenden” (Theorie und Praxis, Zusammenhang und Detail…) zieht sich im Idealfall durch die einzelne Unterrichtseinheit und durch den Unterricht insgesamt. Immer wieder: Zusammenhänge erklären – und erfahrbar machen. Der Lerner soll “erleben”, was geht und was nicht geht – und dieses Erleben mit seinem Hintergrundwissen in einen umfassenden Zusammenhang einordnen können.
Und wenn das richtig gut läuft, helfen mir die Erfahrungen des Lerners und seine Rückfragen, Rückmeldungen (dazu gehören auch seine Fehler!) beim genaueren Einordnen von Einzelheiten in Zusammenhänge – und ich lerne beim Lehren.
Aus solchen Unterrichtseinheiten komm ich dann immer ganz “aufgeräumt” und voller Notizen (im Kopf ^^).
So, spät aber doch noch zurück an cubeworld.
edit:
dort Locutus01 auf die Frage: “Muss wissenschaftliches Wissen /Lernen abstrakt sein ?”
Kann man lernen, ein guter Mensch zu sein ?
fragt JayRachel “ganz weihnachtlich”.
Klar… ein paar Bibelzitate, mindestens die 10 Gebote und ein paar weltliche Gesetzestexte – und natürlich keine Gerichtssendung verpassen !
Grins, na ja… so grad nicht, aber einen Zusammenhang zwischen Lernen und “guter Mensch” seh ich schon.
Da unterschreib ich bei Henry Ford:
Was wir das B ö s e nennen,
ist einfach Unwissenheit,
die sich im Dunkeln den Kopf stößt.
Was ich nicht kenne,
> kann ich nicht anwenden
- das schränkt meine Handlungsalternativen u.U. auf weniger “gute” Strategien ein.
original: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Patada.jpg
> macht mir Angst
- und Angst macht oft aggressiv
> übersehe ich einfach
- und handele unbewusst oder sogar “gut gemeint” zum Schaden anderer
> … to be continued
Lernen ist also ganz allgemein eine Erweiterung der Handlungskompetenzen.
„Handlungskompetenz wird verstanden als die Fähigkeit des Einzelnen,
sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen
sachgerecht, durchdacht, sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten.“
(Kultusministerkonferenz (KMK), 5. Februar 1999)
Außerdem:
Wenn ich so lerne, dass ich beim Lernen auch Denken lerne – was nicht immer und überall erwünscht oder üblich ist – mach ich unabhängig vom Lernstoff immer wieder eine wichtige Erfahrung:
Denken ist fehleranfällig.
Diese Einsicht führt dann hoffentlich nicht dazu, das Denken lieber bleiben zu lassen…
Wer für (Denk-)Fehler immer einen Anschiss kriegt, läuft natürlich Gefahr, auf das doofe Denken zu verzichten und es sich etwas einfacher zu machen…
Denken ist schwer,
darum urteilen die meisten.
C.G.Jung
Die “Denkfehlererfahrung” bringt mich hoffentlich dazu, mein eigenes Denken kritisch zu betrachten – und insgesamt “kritisch zu denken”:
Kritisches Denken heisst in Kürze:
selbstgesteuertes, selbstdiszipliniertes, selbstüberwachtes und selbstkorrigierendes Denken.
Es setzt die Bejahung und Beherrschung strenger Qualitätskriterien voraus.
Es führt zu wirkungsvollen Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten
und zur Dauerverpflichtung, den angeborenen Egoismus bzw. Gruppenegoismus zu überwinden.sehr lesenswert:
Kritisches Denken: Begriffe & Instrumente.
Ein Leitfaden im Taschenformat
von Dr. Richard Paul und Dr. Linda Elder
Meine Antwort daher:
Man kann zumindest beim Lernen lernen, ein e t w a s besserer Mensch zu sein.
… zurück an cubeworld
edit:
dort findet ihr eine Antwort auf die Frage:
Muss eine Lehrperson eine Rolle spielen, damit sie was taugt oder hilft absolute Ehrlichkeit beim Lernen?
Wie hältst du dein Lernen auf Kurs ?
Öhm – gar nicht. Ich bin lernarrogant – ich lerne, was mich interessiert.
Und wenn ich den interessanten Sachen folge, komm ich immer wieder vom “geplanten” (oh ja – ich plane schon manchmal… meistens plan ich, dass ich einen Plan planen könnte…) Weg ab und verstöbere mich in den Tiefen und Weiten des Stoffes… von rechts nach links durch´s Internet, hier und da ein Büchlein… Und dann 2 Wochen vor der Klausur noch dabba bei anderen die Zusammenfassungen zu dem abgreifen, was mich selbst nicht so toll angesprochen hat – oder wo ich vor lauter kreuz und quer nicht mehr bis hin gekommen bin.
Wenn ich mir die Rosinen mangels Vorhandenseins nicht aus einem Stoff rauspicken kann, versuche ich meine Volition (irgendwo hab ich wohl eine ganz kleine…) mit Lernmusik und neuer/ interessanter Arbeitssoftware (xmind, impress,prezi, inkscape, photoshop, musicmaker, audacity…) zu unterstützen, indem ich die Schweinehunde ablenke.
Eigentlich erstaunlich, dass ich überhaupt irgendwie manchmal dort ankomme, wo ich laut “Lernziel” ankommen sollte…
Und weil ich glaube, dass Locutus01 da ein besseres (organisierteres) Vorbild in Sachen Kurshalten ist, geht diesmal genau die gleiche Frage zurück an cubeworld.