Pädagogik + Psychologie

Lebenslanges Lernen: „Es gibt noch andere Verrückte“

2005:
„Das will ich nicht noch jahrzehntelang machen“

Sabine macht sich auf den (Bildungs-)Weg,
am „selbstorganisierten“ Abitur entlang zur Fernuni,
vom Bachelor Bildungswissenschaft zum Master eEDUCATION


Das Lernen lässt sich lernen

selbstorganisiertes Lernen ist zum Großteil eben auch

  • selbstbestimmtes Lernen
  • Lernen aus Überzeugung
  • Lernen aus Spaß
  • selbstverwirklichendes Lernen
  • ….

aber was sagen „die anderen“ dazu?

„Lebenslanges Lernen“ -

Gut und vor allem wichtig zu wissen: „Es gibt noch andere Verrückte“.

Und dank WEB 2.0 bedarf das Gründen einer „Selbsthilfegruppe für Ü30 – Lerner“ keiner komplizierten Logistik und bürokratisch beschwerlicher (Um-)Wege mehr
– man muss es nur tun (danke, Sabine) und genug Lebenslängliche finden, die mitmachen.

2010:
Sabine hat dementsprechend keine Hotelzimmer für uns gemietet – sondern Webspace.
Den hat sie mit viel Informationen ausgestattet,
überall hängen Plakate zu Veranstaltungen,
ständig finden Video-Kurse zum „Lernen lernen“ statt,
es gibt aktuelle Berichte zur „Bildungslage“,
Diskussionsstoff, Newsletter, Twitter-Nachrichten
– und ein paar gemütliche Quasselecken gibt es auch.

Und es gibt Ziele:

  • Erfahrungsaustausch
    von „trau dich“ über „Finanzierungsmöglichkeiten“ bis „ich drück dir für die Prüfung die Daumen!“
  • gemeinsame Projekte:
    Coaching, Patenschaften, Mentorielle Betreuung, Prüfungsvorbereitungen…
  • Änderungen im Bildungssystem
    und – was mir z.B. sehr am Herzen liegt -
    Änderungen im Bewusstsein der Bevölkerung

Herzlich willkommen in der Siemsens-Selbstlerner-Community!

Geschichten vom “sturen Downi”

Etwas lieblos - dabba dabba, wir haben doch keine Zeit und wer weiß, wie lange Lina jetzt überhaupt Interesse an dem Ganzen hat - schneide ich drei kleine gelbe Sterne aus dem Karton.
Namensschilder für die Weihnachtsgeschenke sollen das werden: Mama, Papa, Sarah … eine Kerze, ein Gummi-Entchen (hihi), ein Textmarker.
Lina hat sie im Einkaufszentrum selbst für jeden ausgesucht und bezahlt.

Mehr beiläufig und aus “pädagogischer Höflichkeit” frage ich:
“Schreibst du die Namen drauf ? Oder soll ich das machen ?” - Ich natürlich…vor allem, wenn ich in der Aufzählung am Schluss stehe – und Lina sich aus Bequemlichkeit ja immer für das Letztgehörte entscheidet…leicht manipulativ – aber ich weiß ja auch nicht, wie lange sie überhaupt Interesse… -

“Ich”, sagt Lina. - Huch, denke ich. Das kriegt sie nicht hin…dann ärgert sie sich…lässt alles liegen…ich mach´s dann für sie…und sie fühlt sich wieder doof und unfähig…keine gute Pädagogik – denke ich. -

Sagen tu ich – als hätte ich nix anderes erwartet: “Okay – ich schreib´s dir vor.”  Tatsächlich erwarten tu ich ein bisschen unleserliches Kritzelkratzel - und überlege schon, ob es wichtiger ist, dass der Richtige das richtige Geschenk kriegt…oder dass Lina jetzt und hier das Gefühl hat, sie kriegt das hin, ohne dass ich noch was dazu schreibe…aber spätestens, wenn´s nachher keiner lesen kann…3-Sekunden-Pädagogik-Gewitter… -

Ich schreibe vor, Lina malt ab. Ich sage “hoch”, “runter”, “Kopf”, “Bauch” … - keine Ahnung, wie man Buchstaben be-schreiben kann – schlechtes Gewissen, das sollte ich doch eigentlich…egal -
… hups…kurz Radieren - ohweh, jetzt ist sie beleidigt und hat keine Lust mehr ? - es stört sie gar nicht, sie arbeitet immer noch hochkonzentriert.

Die Sterne sind natürlich viel zu klein (die waren ja auch für mich …*hüstel*). Die Buchstaben passen nicht hintereinander (mein Fehler). Deshalb stehen sie jetzt neben- und übereinander. Sie sind auch nicht alle aus dem deutschen Alphabet.

Aber die Namen sind lesbar. Lina ist zufrieden. Nicht mal besonders stolz – nur einfach zufrieden.

Ich bin stolz. Und ein bisschen erschüttert. Und ein bisschen beschämt….während Lina engelsgeduldig - wow ! trotz Problemen mit der Feinmotorik - die gelochten Sterne mit Geschenkband an die Päckchen knotet – und anschließend noch mit der Riesenschere das Geschenkband kräuselt - äh – Probleme mit der Feinmotorik ?

Linas Schule sagt:
Lina ist zu faul zum Schreiben. Die hat da einfach kein Interesse dran.

Psychologie sagt:

  • Andere Leute teilen mir indirekt durch ihre Reaktionen mit, wie sie mich einschätzen.
  • Die indirekten Mitteilungen beeinflussen meine Selbsteinschätzung.
  • Meine Selbsteinschätzung beeinflusst meine Motivation und meine Leistung.

aus einer Fragebogenstudie von Weiner, Graham, Stern und Lawson 1982

  • Stellen Sie sich folgende Situation vor:
    Schlechte Note des Schülers und Reaktion des Lehrers -
    Ärger, Schuld, Mitleid, Überraschung oder Traurigkeit
  • Auf welche Ursache führt wohl ein ärgerlicher, mitleidiger… Lehrer den Misserfolgs des Schülers zurück ?
    z.B. mangelnde Anstrengung, fehlende Fähigkeiten…
  • …zu welcher Selbsteinschätzung führt das wohl beim Schüler?
  • usw.

Lernen bis zum Schluss

… ein Nachteil meines etwas unorganisiert-organisch-dynamischen Lernstils:
Ich bin 3 Tage vor der Klausur immer noch nicht fertig – seufz.

natürlich verbunden mit guten Vorsätzen für´s nächste Semester:
z.B. Finden einer anderen Lernstrategie


dabba dabba Vokabeltrainer:

  • Lernen1
    basics, Überblick Lerntheorien, behavioristische Lerntheorien: klassisches, instrumentelles, operantes Konditionieren
  • Lernen2
    Behavioristische Lerntheorien:Kritik + Anwendungsbereiche, Kognitive Lerntheorien: Computermodell des Geistes, Tolman, TOTE-Modell, Bandura/Lernen am Modell: Experimente, Ergänzungen, Anwendungsbereiche

für Fernuni-Hagen-Studenten (mit Passwort – gibt´s in moodle):
Zusammenfassung Lernen, Gedächtnis… auf  http://psychologik.wordpress.com/
Danke, Meli!

und noch ein paar Links

  • Lernen am Modell:
    “Mit gutem Beispiel voran – diese Regel gilt vor allem im Umgang mit Kindern. Denn wenn die Kleinen etwas Neues lernen, orientieren sie sich eher an Erwachsenen als an Gleichaltrigen, haben Forscher beobachtet. Das Vertrauen in die Vorbilder ist dabei enorm groß.”
    Spiegel online/Wissenschaft: Kinder schauen lieber bei Erwachsenen als bei Gleichaltrigen ab
  • Gewalt lernen?
    Killerspiele sind für weibliche und männliche Asiaten und Europäer gleich gefährlich. Oder gleich ungefährlich. Auf jeden Fall aber: gleich schwer wissenschaftlich greifbar. “
    Spektrum direkt: Bewiesen: Killerspiel-Studien sind kompliziert


Bewegung und Lernen

Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil der Wahrnehmung:
Das Kind er-geht, er-läuft, er-spielt, er-tanzt, ER-FÄHRT sich und seine Umwelt im Sich-Bewegen.

Zum einen führt Wahrnehmen zu Bewegung: Kleinkind sieht Ball und krabbelt hinterher.

Zum anderen führt Bewegung zu Wahrnehmung: Kind klettert auf Baum und guckt nun von oben.

Die lockernde und entspannende Wirkung von Bewegung ist Teil einer urzeitlichen Gehirnfunktion:

Anspannung / Stress (in einer Gefahrensituation) lösen Bewegung (Flucht oder Angriff) aus, das Adrenalin aus der Anspannung wird über Bewegung abgebaut. Vor allem koordinierte, rhythmisch-gleichmäßige Bewegungen wie Gehen, Laufen, Tanzen u.ä. helfen, Spannungszustände zu lösen.

Bewegung jeglicher Art steigert die Durchblutung des Gehirns und damit dessen Leistungsfähigkeit.

Motorische und mentale Prozesse laufen im Gehirn über weite Strecken hin parallel ab.

Die Annahme, unterschiedliche Gehirnfunktionen seien völlig isoliert voneinander in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns angelegt, hat sich in der Gehirnforschung als falsch erwiesen. Tatsächlich nutzen verschiedene kognitive Funktionen zumindest teilweise dasselbe System, dieselben Verknüpfungen wie motorische Funktionen.

„…dass Bewegung für alle anderen Hirnfunktionen maßgeblich ist,
auch für Gedächtnis, Emotion, Sprache und Lernen.
Denn unsere „höheren“ Hirnfunktionenhaben sich aus der Bewegung heraus entwickelt
und sind nach wie vor von ihr abhängig.“

(John J. Ratey, „A User´s Guide to the Brain. Perception, Attention and the Four Theaters of the Brain“,Pantheon Books, New York 2001)

Routinierte Bewegungsabläufe helfen beim Überwinden von Denkblockaden und fördern das Abspeichern von Informationen.

Ungewohnte Bewegungsabläufe stimulieren das Gehirn zum Schaffen neuer Verknüpfungen und bereiten neue „Denkwege“ vor.

Diese Erkenntnisse können beim Gestalten von kindgerechten Arbeitssituationen unterstützend eingesetzt werden.

Ein einfaches Beispiel zum Erarbeiten der grundlegenden Strukturen der Reihenbildung: Nach jedem Ausmalen stellt das Kind den gerade gebrauchten Buntstift wieder in den passenden Becher und kehrt zu seinem Arbeitsplatz zurück, um – mit Blick auf den gesamten Aufbau – zu entscheiden, welche Farbe als nächstes folgt.
Die räumlich entzerrten Stationen und die zwischen ihnen zurückzulegenden Wege erleichtern ihm dabei die Orientierung und helfen ihm beim Aufbau entsprechender Strukturen, indem sich kognitive und motorische Leistungen gegenseitig verstärken.

einfacher Lernen mit Bewegung

Darüber hinaus stärken Bewegungsübungen zu Koordination und Gleichgewicht neuronale Netzwerke im Gehirn, die auch zur Koordination zwischenmenschlicher Interaktionen genutzt werden.
(Siehe Sprachmuster: auf andere zu-gehen, sich auseinander-setzen, jemanden unter-stützen…)

Die Kombinationen entsprechender Übungen mit einfachen Kooperationsspielen wie z.B. dem Überwinden eines Hindernisparcours als Paar mit der Auflage, sich dabei durchgehend an einer oder beiden Händen zu halten, fördern sowohl die eigene Körperwahrnehmung als auch die einfühlsame Wahrnehmung des Gegenübers, führen zwangsläufig zu sozialen Interaktionen und lassen die Beteiligten Grundlagen und Möglichkeiten des sozialen Miteinanders unmittelbar erfahren.

Mit diesen Gedanken „im Hinterkopf“ finden sich passende Trainingsgelegenheiten bei jedem Waldspaziergang!

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