(Keine) Politische Partizipation ?
Ich sage:
„Warum soll ich mich für Politik interessieren ?
Politik interessiert sich ja auch nicht für mich.“
Ulrich Commerçon,
Initiator des „Partizipationsprojektes“ MachtBildung, sagt dazu:
„Solange DU Dich nicht für Politik interessierst,
interessiert sie sich nicht für Dich.
Und zwar nur genau so lange,
bis Du Dich doch dafür interessierst.
Das erfordert aber natürlich auch eigene Anstrengung.“
Herr Commerçon,
Sie haben den Eindruck, „dass diese Distanz auf beiden Seiten ihre Ursache hat.“
Nachdem ich mehrmals (vergeblich) versucht habe, „den Politikern“ großzügig alle Ursachen dieser Distanz zuzuschreiben, glaube ich, inzwischen langsam zu verstehen, was Sie so deutlich vielleicht nicht sagen wollten:
Warum soll sich die Politik für dich interessieren ?
Du interessierst dich ja auch nicht für die Politik.
Nicht ganz. Eher so: “Wie kann sich die Politik denn für Dich interessieren, wenn Du nicht deutlich machst, was Du von ihr erwartest.”
? Wie erleben Sie als „partizipationswilliger“ Politiker die Partizipationswilligkeit und auch die Partizipationsfähigkeit bwz. tatsächliche Partizipation der Bürger ?
Ich erlebe das sehr unterschiedlich und halte nichts von pauschalen Bewertungen à la: “Die Jugend interessiert sich ja nicht für Politik.” oder: “Die sind politik(er)verdrossen.”
Alles in allem mag die Bereitschaft zu politischer Partizipation in Deutschland (erheblich) nachgelassen haben. Allerdings gehört der Ehrlichkeit halber dazu, dass sie in Deutschland seit Beginn der 70-er Jahre auch im europäischen und internationalen Vergleich außerordentlich hoch war.
In den Parteien, aber v.a. auch in (anderen, denn Parteien sind dies ja eigentlich auch) “Bürgerinitiativen”/Verbänden etc. gibt es zum Glück immer noch eine Menge und sehr engagierte Menschen.
Und natürlich finde ich, dass Politik(er) und Parteien auch attraktive Angebote der Partizipation machen sollten. Ich bemühe mich darum jedenfalls, aktuell in der “MachtBildung”-Kampagne, aber auch schon bei der Erarbeitung des Regierungsprogramms im vergangenen Jahr.
Sie nutzen – nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit MachtBildung – die „Macht der SocialMedia“.
? Stichwort „Sehen und gesehen werden“ :
Mit welchen Zielen haben Sie sich ins web2.0 begeben ?
Nun, am Anfang stand eher meine spielerische Neugierde; klar: und natürlich so ein bisschen auch “Obamania” bzw. die Überlegung, mal zu schauen, wie sich das web2.0 für den Wahlkampf nutzen lässt. Ich wollte halt mal sehen, ob es bspw. sinnvoll ist, den Spitzenkandidaten Heiko Maas mit einem Twitteraccount auf die Leute loszulassen. Dass ich dann recht schnell so viel Aufmerksamkeit auf mich gezogen habe, hat mich dann überrascht. Und dann kam der Zufall dazu, dass mich eine wegen einer störenden Baustelle auf die Bahn wütende Bloggerin und Twitterin, unsere heißgeliebte und hochverehrte @ApfelMuse dazu verleitet hat, mich um ihr Problem zu kümmern und ihr die entsprechenden Kontakte und Infos zu besorgen…
? Welche Erfahrungen in Sachen „Partizipation“ haben Sie mit Twitter u.ä. bis jetzt gemacht ?
…Dabei entstand ein so guter und spannender Dialog, dass ich merkte: Mensch, da sind ja die Menschen, die auch wirklich was von Dir wissen wollen. Das ist ja fast so etwas wie ein “Infostand des 21. Jahrhunderts”.
Auch @ApfelMuse schien das so zu gefallen, dass ein Politiker das mal Ernst nimmt und sich kümmert, dass sie mich weiter empfohlen hat, sodass ich nicht nur immer mehr Follower bekam, sondern auch extrem viele Anfragen aus den Communities zu politischen Alltagsproblemen.
? Haben diese Erfahrungen ihre Ziele verändert ?
Die Ziele nicht, aber sicher die Denkweise und die Methoden. Und vielleicht ist ein Ziel verstärkt worden oder mir bewusster oder auch von einem Mittel zum Ziel geworden: Partizipation selbst. Ok. Und die extrem hohe Bedeutung von Partizipation im demokratischen Prozess war nicht mehr nur noch theoretisch, sondern plötzlich ganz praktisch erfahrbar.
Partizipation ist weder an einen Parteieintritt gebunden noch auf ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel beschränkt.
? Welche Wege zur Partizipation möchten Sie beiden Seiten – Bürgern und Politikern – zum Abschluss noch einmal als „niedrigschwelligen Einstieg“ ans Herz legen ?
Da muss jedeR ihren/seinen eigenen Weg finden und wählen, was am besten zu den eigenen Vorstellungen passt. Ich persönlich kann den vielfältigen Möglichkeiten, die das Web2.0 bietet eine Menge abgewinnen und empfehle allen KollegInnen, die auch Freude daran haben, diese Kontaktmöglichkeiten nicht zu unterschätzen.
Twitter ist dabei mein persönlicher Favorit, weil es flexibel, spontan, geistreich und witzig ist und weil dort echte Kommunikationsjunkies unterwegs sind, die selbst wieder stark vernetzt sind und Meinung sehr dauerhaft beeinflussen.
Allerdings: Den unmittelbaren “körperlichen” Kontakt möchte ich darüber hinaus nicht missen. Authentischer als im R(eal)L(ife) geht es halt doch (noch!?) nicht
Den interessierten BürgerInnen sage ich eigentlich das gleiche: Macht es, wie es Euch gefällt.
Aber macht es! Bombardiert uns mit Mails, twittert uns voll, schreibt Briefe, bittet um persönliche Gespräche, kommt in Veranstaltungen, werdet in Bürgerinitiativen aktiv und geht in Parteien, übernehmt Funktionen, kandidiert für Mandate…
… ach ja: Und zuallererst schreibt Ihr alle mal schön brav Kommentare auf http://www.macht-bildung.de und schickt die Webadresse mal an Euer Adressbuch, verlinkt sie auf Eurer HP und twittert Hashtag: #MachtBildung
Ansonsten fragt Ihr am besten @ponyQ, die weiß, wie’s geht.
Tatsächlich redet ponyQ ja eigentlich gar nicht mit Politikern ^^… und deshalb dann doch noch eine Nach-Frage:
Bei MachtBildung scheint alles an Wortmeldungen willkommen zu sein – von persönlicher (Einzel-)Betroffenheit bis All-Inklusive-Konzept.
? War das so gewollt oder hat sich das so ergeben ?
Das war pure Absicht. Wir wollen ja möglichst keine Hemmschwelle einbauen.
? Oder gilt das sogar generell für “Partizipation”: Kann ich (entgegen meiner bisherigen ponyQ-Ansichten, s.o.) davon ausgehen, dass ein “normaler Politiker” bemüht ist, “zwischen den Zeilen” zu lesen ?
Anders formuliert: Wird meine Meinung – und mag sie auch noch so privat, emotional verwickelt und eventuell auch etwas holprig formuliert sein – von einem Politiker auf einer “politisch verwertbaren Ebene” zur Kenntnis und ernst genommen ?
Das ist mir ehrlich gesagt zu pauschal gefragt. Worum “normale Politiker” bemüht sind, weiß ich nicht.
Ich bemühe mich; und die meisten meiner KollegInnen auch. Ob ich/wir allerdings auf einer nach dem jeweiligen Geschmack “politisch verwertbaren Ebene” agieren, stelle ich mal anheim
Im Ernst: In meiner Fraktion wird jeder Versuch der Kontaktaufnahme, Meinungsäußerung o.ä. nicht nur zur Kenntnis, sondern auch zum Anlass für eine Antwort genommen.
… wie man hier lesen kann
Danke !
Lasst den Kindern ihren Willen!
Wie wir gleichWERTig mit gleichberechtigt verwechseln
und unseren Kindern damit ihre (Selbst)WERTE ab-erziehen
Kind: “Ich will nicht”
Erwachsener: “Aber du sollst wollen! – Du muss doch einsehen dass….
also will gefälligst, was ich will! ”
“Scheindiskussionen und Überdisziplinierung in der Erziehung
unter dem Aspekt der Moralentwicklung beim Kind
im Hinblick auf demokratische Diskurskompetenz
(und politische Partizipation?)”
Piaget sah die moralische Entwicklung des Kindes eng an dessen kognitive Entwicklung gebunden, Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung geht auf die Ideen von Piaget zurück:
Werte müssen – entsprechend der kognitiven Entwicklung ( = kindgemäß) - erarbeitet werden. Die Auseinandersetzung mit Gleichberechigten im Prozess des Entdeckens, Verbalisierens und Kommunizierens von Werten wird von beiden „Moralforschern“ als unverzichtbar für die Weiterentwicklung von „äußeren Werten“ (→ heteronome Moral, Orientierung an den positiven oder negativen Konsequenzen einer Handlung aus Respekt vor Autoritäten und Machtverhältnissen) zu „inneren Werten“ (→ autonome Moral, Orientierung an ethischen Prinzipien aus innerer Überzeugung und Einsicht) beschrieben.
Nur ein Diskurs unter „seinesgleichen“ und mit offenem Ausgang lässt dem Kind den notwendigen Raum, sich seiner eigenen Werte bewusst zu werden. Ohne Bewusstsein für seine eigenen „inneren Werte“ entwickelt es kein Bewusstsein für die „inneren Werte“ von anderen – es kann keinen Wechsel der sozialen Perspektive vollziehen. Fehlt diese Fähigkeit zum Perspektivwechsel, dann fehlt die Basis für gegenseitigen Respekt…
“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”
Sokrates
(470 – 399 v. Chr.)
Mein Eindruck: Wir überfordern die Kinder mit Scheindiskussionen.
„Mein Wert“ mag ein „innerer Wert“ sein – zumindest halt ich ihn ja dafür^^ – für das Kind bleibt er „dein Wert“, die Vorstellung eines Erwachsenen, etwas, das von außen an es herangetragen wird… eine Forderung, die unabhängig von seiner „Einsichtigkeit“ durchgesetzt werden wird…
Das gutgemeinte „partnerschaftliche“ Diskutieren – gedacht zur Unterstützung der moralischen Entwicklung und Diskurskompetenz im Rahmen von demokratischem Denken und Partizipation – bewirkt in dafür ungeeigneten Situationen genau das Gegenteil.
„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“
Afrikanisches Sprichwort
Ich verlange von einem Kind „Einsicht“ in meine Forderung. Angesichts der Tatsache, dass es die zu dieser Einsicht notwendigen kognitiven Fähigkeiten erst noch entwickeln muss, stellt sich die (meiner Meinung nach etwas peinliche) Frage:
Wieso bin ich als Erwachsener eigentlich so scharf auf die Bestätigung meiner Werte
- durch ein Kind? *kopfkratz*
(weil ich mir meiner Werte selbst nicht sicher bin ?? )
Meine Erwartung „Das musst du doch einsehen!“ überfordert das Kind. Ich werte seine eigenen Ideen, seinen Willen, seine Erfahrungen und Bedürfnisse und viel zu oft auch gedankenlos sein ganzes Selbst ( = den Menschen „Kind“ ) in solchen (Schein-)Diskussionen ab. Das Kind ist in dieser Situation nun mal nicht gleichberechtigt, sondern kognitiv und emotional unterlegen.
Deshalb nenn ich das auch eine Scheindiskussion: Der Überlegene beweist dem Unterlegenen, dass dieser „falsch“ denkt.
Wie fühlt Ihr euch, wenn der Chef sagt: „Ich hab die besseren Argumente, du bist nur zu doof, um das einzusehen“?
Fatal: Für ein Kind sind (falsch) Denken und (falsch) Fühlen noch EINS.
Noch fataler: Für ein Kind sind (falsch) Fühlen und (falsch) Sein noch EINS.
Das Kind lernt in einer solchen Diskussion:
Ich bin falsch.
= Unsicherheit, Selbstzweifel, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Frustration…
mit der Reaktion: Vermeidungsverhalten (Null Bock) oder Aggression.
(deshalb müssen uneinsichtige Kinder oft in eine Therapie)
Das Kind entwickelt die Einstellung:
Wenn ich falsch bin,
sind meine „inneren Werte“ falsch.
Ich will nicht falsch sein.
Also übernehm ich sicherheitshalber die „äußeren Werte“, die andere mir vorschlagen.
Dann merkt zumindest niemand,
dass ich falsch bin.
Das scheint in diesem Moment eine gute Lösung für alle Beteiligten – Erwachsene und Kinder – zu sein.
Blöd nur , wenn aus diesem Kind dann ein Teenager wird, der sich zunehmend dem Einfluss „vernünftiger“ Erziehungspersonen entzieht und sich auf der Suche nach Werten an eventuell weniger vernünftigen Peergroups und Medien orientiert.
Stichworte:
- Kiffen macht gleichgültig
- Ausländer raus
- Wer xyz macht /hat /ist, ist cool
- ……
Da findet „Kind“ dann entsprechend seiner Kompensationsstrategien (Vermeidung oder Aggression) sicher etwas passendes…
Also doch lieber autoritär statt partnerschaftlich ? Ein Lob der Disziplin ?
Natürlich können in der Erziehung viele Auseinandersetzungen nicht als echte, partnerschaftliche Diskussionen geführt werden, weil der Ausgang in jedem Fall vom „überlegenen“ Erwachsenen bestimmt wird – im Rahmen seiner Verantwortlichkeit von ihm bestimmt werden MUSS.
„Kinder wollen nicht immer, was sie brauchen“
lese ich grinsend bei Jesper Juul.
In diesem Moment liegt meine Verantwortung gegnüber dem Kind nicht darin, sein Wollen abzuwerten oder seinen Willen zu „disziplinieren“ , sondern darin, ihm „ohne viel Gespräch“ („Das musst du doch einsehen“) das zu geben, was es braucht – auch gegen seinen Willen, aber nicht mit dem Ziel , diesen zu „zerstören“:
“Du willst das.Es ist okay, das zu wollen.
- Ich will jenes. Ich trage die Verantwortung, deshalb machst du, was ich will.”
So kann ich dem Kind seinen Willen lassen – auch, wenn ich ihm nicht folge und meinen Willen durchsetze.
Eine in diesem Sinne erfolgreiche Intervention zeigt sich darin,
dass das Kind fürchterlich schimpft und flucht,
während es das tut,
was ICH will…
Übrigens weiß ich aus eigener Erfahrung zu berichten, dass auch ein großzügig-demokratisches „Dann mach doch, was du willst“ – gefolgt von einem späteren „Siehste – das hab ich doch gesagt. Hättest du mal bloß auf mich gehört“ nicht wirklich zum Aufbau eines Selbst – Wert – Gefühls beiträgt.
Eltern, Erzieher, Lehrer…
Zu oft geben wir unseren Kindern Antworten, die sie behalten sollen,
anstatt Aufgaben, die sie lösen sollen.
(Roger Lewin, amerikanischer Anthropologe und Wissenschaftsjournalist, geb. 1946)
In unsrer Funktion als „Wertevermittler“ neigen wir vielleicht zu häufig dazu, uns mit zu vielen und in zu viele Diskussionen einzumischen – um die „richtigen“ Werte vorzugeben – und stören damit wichtige Entwicklungsprozesse:
„Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.“
Georg Christian Lichtenberg
Und ich frage mich:
Wo und wie und vom wem sollen Kinder unter diesen Umständen soziales Engagement und politische Partizipation lernen ?
(Wie und warum soll ich meine Werte vertreten, wenn ich keine habe ?)
“Demokratie”, so Theodor W. Adorno, “beruht auf der Willensbildung eines jeden Einzelnen, wie sie sich in der Institution der repräsentativen Wahl zusammenfasst. Soll dabei nichts Unvernünftiges resultieren, so sind die Fähigkeit und der Mut des Einzelnen, sich seines Verstandes zu bedienen, vorausgesetzt.” Obwohl bereits lange bekannt ist, dass die Realisierung der Demokratie weniger unter einem Mangel an gutem Willen und demokratischen Werten leidet (weshalb auch die ständigen öffentlichen Appelle, uns auf moralische Werte zu besinnen, an dem Problem vorbeizielen), als vielmehr an einem Mangel. an demokratischen Fähigkeiten, wird immer noch darüber gestritten, erstens, ob die Schule diese Kompetenzen überhaupt fördert bzw. fördern kann,und zweitens, welche pädagogischen Methoden sich dafür eignen.
aus: Prof. Dr. Georg Lind – Moralerziehung als demokratische Bildung
Wir sollten Möglichkeiten zu echten Diskussionen erkennen, bewusst schaffen und nutzen – und dann tatsächlich auch nur in solchen Situationen diskutieren, in denen wir ehrlich bereit und in der Lage sind, ihren Standpunkt offen zu betrachten und uns von ihren Ideen und Argumenten eventuell auch überzeugen zu lassen.
Lasst den Kindern ihren Willen, denn aus dem Wollen werden Werte.
Danke an meine “Co-Autoren im Geiste”:
- diverse noch unverzogene Kinder,
die meine pädagogischen Fehlanwendungen mit einem frechen Grinsen quittieren - “sture” Downis,
die Scheindiskussionen konsequent einfach ignorieren - sozialwahrnehmungsgestörte Autisten,
die sich auf diese “Spiele der Erwachsenen” gar nicht einlassen (können)
Please complete:
Wer hat / schreibt noch einen ergänzenden Artikel, der hier verlinkt sein sollte ?
So was wie:
- Keine kompetenten Kinder ohne kompetente Erwachsene (* wink *)
- “Partizipation braucht Mut derer, die sie zulassen…” (* grins *)
- Medien- und Informationskompetenz im Mitmach-Web:
Internet und politische Bildung (@beatnig ?) - Demokratie 2010: (Schein-) Partizipation ?
- “…dass eine demokratische Gesellschaft, um den Rückfall in Diktatur und Barbarei zu verhüten, die Bildung
ihrer Bürger zu fördern habe, koste es, was es wolle.”
(nach Alexis de Tocqueville ,1805-1859, Historiker und Staatstheoretiker) - …. was euch dazu noch einfällt, was euch auf dem Herzen liegt, was ihr ganz anders seht….
Bilder: http://www.morguefile.com/
“Eigentlich rede ich nicht mit Politikern”
höre ich mich sagen – zu dem Politiker, mit dem ich gerade rede.
Ups ![]()
- aber okay: Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage ?
Und während ich mein Statement noch etwas ratlos betrachte,
fragt der Politiker natürlich schon:
“Warum nicht?”
Kurz: @UlrichCommerçon
Gebissen hat er nicht.Er hat sich höchstens ein Grinsen verbissen.
Meine Spontanerklärung: “Zu weit weg”.
Prima. Jetzt weiß ich also, was ich denke. Da kann ich nun gemächlich zum Nach-Denken übergehen.
Hier also meine gesammelten impliziten Einstellungen zum Thema Politik(er):
- Warum soll ich mich für Politik interessieren ? Politik interessiert sich ja auch nicht für mich.
- Was an Politik in den Fernseh- oder Radio-Nachrichten erscheint oder in der Zeitung steht, ist ja eh schon “gemacht”.
- Leserbriefe ? Wer liest die denn ? Das interessiert doch höchstens die anderen, die sich auch ärgern.
- Politiker interessieren sich nicht für Bürgermeinungen. Die wollen meine Stimme nicht hören, sondern sehen – als Kreuz auf dem Stimmzettel.
- Mit einem Politiker reden ? Der leiert doch nur seine Phrasen und aufgeblasenen Argumente runter und haut mit nicht nachvollziehbaren statistischen Zahlen um sich. Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich – und muss davon überzeugt werden, dass ICH recht habe.
- Mit einem Politiker reden ? Erst, wenn ich selbst erfolgreich eine Ausbildung “Rhetorik für Politiker” abgeschlossen habe.
(keine Schleichwerbung – will nur sagen: das gibt es tatsächlich) - Bis ich meine Ideen “politikfähig” recherchiert, sortiert und formuliert habe, sind die schon beim nächsten Thema.
- Politiker ? Das sind doch die, die immer eigentlich “unanwesend” und unpersönlich einstudierte Reden bar jeglicher Authentizität, dafür voller Schlagwörter und doch so inhaltsleer… ihr wisst schon, was ich meine.
Deshalb rede ich eigentlich nicht mit Politikern.
Ob ich mit einem Menschen aus meiner Twitter-Timeline rede ? Auch “offline” ?
Klar. Den hab ich ja deshalb in meiner TL, weil ich von seinen Inputs (Outputs?) profitiere und mich seine Ideen interessieren.
Find ich doch nett, diesen Menschen mal “in echt” zu treffen… und die Online-Kommunikation via Twitter und Blog(-kommentare) mit etwas “Face-To-Face” zu ergänzen.
Deshalb rede ich jetzt mit einem Politiker…
Von konsequenter “politischer Abstinenz” (konnte früher locker auch mal ein paar Wochen ohne Nachrichten gemütlich vor mich hinleben) bin ich nach etwa einem Jahr Bloggen und vor allem über meine nunmehr 4 Monate Twitter-Account irgendwie hier gelandet.
Wie ist mir das nur passiert ?
Bin ich das Opfer einer politischen Twitter-Marketing-Kampagne ?
Ich hier als Beweis für die Wirksamkeit diverser Marketing-Strategien ?
- Mere-Exposure-Effekt:
Mit der Häufigkeit des Kontakts steigt das Gefühl der Vertrautheit. Mit dem Gefühl der Vertrautheit steigt die Sympathie.
Als “Kontakt” wirkt dabei schon der wiederholte, kurzzeitige gemeinsame Aufenthalt im gleichen (Cyber- ?) Raum. - Schnelles Feedback steigert die Motivation…
und Twitter ist schnell
@ponyQ Danke für RT! Und für den tollen Kommentar auf macht-bildung.de
@ponyQ Coole Idee. Wir kümmern uns.
@ponyQ Und? Hat er gebissen?Im Ernst: Interessiert mich, was beim Nachdenken rauskommt!
(weshalb ich manipulmotiviert jetzt hier rumtexte – statt was für´s Studium zu tun…)
Hm.
Ein Beweis bin ich auf jeden Fall.
Aber als Opfer fühle ich mich nicht – eher als Lerner.
Ich lerne was über Diskutieren, politische Bildung, Demokratie – und sicher auch zusätzlich einiges, was ich im Moment noch gar nicht benennen kann.
“Demokratie lebt von Austausch, Dialog und Mitbestimmung”
lese ich da.
Eine Demokratie ist mehr als eine Form der Regierung; sie ist vor allem eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsam kommunizierten Erfahrung. Eine demokratische Gesellschaft muss daher in Übereinstimmung mit ihrem Ideal [...] dem Spiele verschiedenster Gaben und Interessen im Sinne geistiger Freiheit Raum gewähren.
meint John Dewey (1964)
Und Piaget kam bei seinen Untersuchungen zur Entwicklung der Moral (=> Werte => Regeln, die demokratisch ausgehandelt werden) zu dem Schluss, dass tatsächlicher Austausch als Grundlage “verinnerlichter” Werte nur unter Gleichberechtigten ohne Anwesenheit von Autoritäten funktionieren kann:
Il en est de même en ce qui concerne la vie intellectuelle. La coopération entre enfants développe, avec la discussion, le sens du contrôle et le sens de la cohérence logique. Replié sur lui-même, l’enfant reste dans le rêve. Aux prises avec l’adulte, il est écrasé par une vérité qui reste extérieure à sa pensée. En collaboration avec ses proches, par contre, il développe tout à la fois sa personnalité et le culte de la vérité impersonnelle et objective.
La règle morale chez l’enfant (Jean Piaget)
Twitter, Blogs und andere Möglichkeiten des web2.0
als Mittel zu “Austausch, Dialog und Mitbestimmung” ?
Demokratie lernen und üben im Internet ?
Was mir dazu einfällt:
zum Aspekt “Austausch unter Gleichberechtigten”:
140 Zeichen reichen entweder für “authentische” Kommunikation oder für eine im Vergleich dazu wenig kommunikative Wortsammlung wie z.B. einen Hinweis auf Status(unterschiede) – 140 Zeichen fördern also gleichberechtigte Kommunikation ?
(eine These, zu der sicher irgendjemand schon eine empirische Studie gemacht hat oder spätestens ab jetzt machen will ?)
zu den Aspekten “Dialog” und “geistige Freiheit”:
Mein Kommentar unter einem Blogartikel ist kein (ungelesener ?) Leserbrief in einer Zeitung, in der morgen die Kartoffelschalen zu den Hasen transportiert werden (ich mag das “Fischeinwickel-Bild” nicht
) - sondern jederzeit nachlesbarer Bestandteil einer Diskussion: andere Personen können sich in weiteren Kommentaren darauf beziehen (oder zumindest mit “Daumen hoch – Daumen runter” ein kurzes Feedback geben).
Wieso ich mich beim Kommentieren auf einem Blog nicht zur “wissenschaftlichen Ausarbeitung” meiner Argumente/Ideen bemüßigt fühle, sondern eher unbeschwert (und “geistig frei” bis frei von geist… ) drauflos schreibe ? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich dort die Möglichkeit zu weiteren Wortmeldungen habe, falls ich im Verlauf der Diskussion etwas ergänzen, differenzieren oder auch zurücknehmen will ? Weil ich – wenn´s gut läuft – mitverfolgen kann, wie andere das in ihren Kommentaren für mich übernehmen – und mir durch ihr Feedback helfen, meine Ideen zu sortieren und auszuformulieren – oder neue Ideen zu entwickeln ?
Was sagt ihr ? Seh nur ich Blogs und Blogkommentare als “niedrigschwelligen Einstieg” in Sachen (politische,demokratische,… ) Meinungsäußerung ?
- “Auf Blog kommentieren” zum Abbau von eventuell vorhandenen Diskussionshemmungen durch den Erwerb von Diskussionskompetenz ? (wo ist/wer macht die Studie dazu ?
)
Wahrscheinlich habt ihr (… @JayRachel , @beatnig , @all ) zum Thema Demokratie 2.0 noch mehr Erfahrungen und Ideen ?
Ich bin ja noch ziemlich neu im web2.0. und ganz neu in diesem Demokratie-Ding
- und derzeit noch vollauf mit dem wackeligen Übergang von Online- zu Offline-MachMit beschäftigt.
Meine Gedanken zum Offline-Austausch häng ich dabba noch als PDF(eedback) an.
Und jetzt studier ich mal ein bisschen.




