Sonderpädagogik

Fundstück: Märchenspiel als Gruppenpsychotherapie für behinderte Kinder

etwas älter, aber interessant, und vor allem bezüglich der im Text dargestellten Probleme, die Eltern in die Fördermaßnahme/Therapie zu integrieren, auch immer noch sehr aktuell…

Maxeiner, Verena (1988). Märchenspiel als Gruppenpsychotherapie für behinderte Kinder.
In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. – 37. 1988, 7, S. 252-257
Aufsatz zugänglich unter: http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2012/3293/

“Von den Erzieherinnen werden Kinder vorgestellt, die in ihrer Spielfähgikeit eingeschränkt sind, Ängste bei Leistungsanforderungen zeigen, in der Gruppe gehemmt und ängstlich in ihrer Selbstdarstellung sind, sowie hyperaktive und unkonzentrierte Kinder…

Das Spiel als therapeutisches Medium bietet die Möglichkeit einer ganzheitlichen Behandlung: Es fordert Betätigung und Übung psychischer Funktionen, ermöglicht Phantasietätigkeit und damit die Darstellung innerer Konflikte.
Das darstellende Spiel fordert darüber hinaus zur Selbstdarstellung, Entwicklung von Initiative und Kreativität auf.”

 

Inklusion ? Das ist doch…

von Michael Bruns… das Ding, mit dem die Chefs sonderpädagogischer Einrichtungen ihren Angestellten drohen, wenn diese sich wegen immer mieserer Arbeitsbedingungen beschweren… ?

Hinweis: Die folgenden Ausführungen spiegeln meine persönlichen Eindrücke wider – die externen Links sind natürlich dementsprechend ganz manipulativ-suggestiv eingefügt.

Ich bin über die aktuellen “offiziellen Statements” zum Thema “Inklusion” nicht auf dem Laufenden. Aber was so an “inoffiziellen Meinungen” bei mir ankommt, sieht nicht danach aus, als ob es irgendwelche Informationen an den Emotionen der Betroffenen vorbei geschafft hätten.

Vor allem die Erzieher in den Sonderschulen für Geistigbehinderte haben wohl einfach Angst um ihren Arbeitsplatz – z.T. wird ihnen auch “bei Bedarf” wirklich mit diesen Entwicklungen von wegen Inklusion gedroht.
Da ist vor lauter Druck gar keine Kapazität mehr übrig, um sich mit irgendwelchen Konzepten zur Inklusion zu beschäftigen – das Bild vom armen Behinderten, der in der Regelschule doof und einsam vor sich hinvegetiert, ist aus den Köpfen der Erzieher nicht rauszukriegen. Und das wird an die Eltern genau so weiterkommuniziert und trifft dort genau in die Elternangst.

Für die Eltern ist die “institutionalisierte Ausgrenzung” verständlicherweise weniger bedrohlich als diese Vorstellung vom “individuellen Außenseiter”. Lieber eine (aus)geschlossene statusniedrige Gruppe mit interner Äquivalenz als “Einzelkämpfer”… Interessante Kommentare sind mir da schon untergekommen zu “überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder durch die Regelschule quälen”…

Diese Angst der Eltern hat einen Namen: “Big-Fish-Little-Pond-Effekt” – aber die Argumente auf der anderen Seite sind auch nicht schlecht…
… ein “alter” Artikel dazu:
http://www.zeit.de/2005/50/C-BFLP-Effekt

Kaum einer hat verstanden, dass es hier nicht um “raus aus der Sonderschule, rein ins harte Leben” geht, sondern dass dafür natürlich mehr geändert werden soll als nur die Sonderschulen zu schließen oder die Regelschulen zur Aufnahme von Behinderten zu zwingen.

Klar ist, dass es hier nicht um irgendwelche “Imageprojekte” nach dem Motto “Wir machen ja schon…” gehen kann. Klar ist z.B., dass EIN zusätzlicher Sonderpädagoge noch keine “Inklusionsschule” macht – ich kann die (Regelkinder-)Eltern gut verstehen, die da Einspruch erheben. Mit ihrer unpopulären Entscheidung haben sie ein reines Image-Projekt als solches enttarnt. In diesem Sinn: Was soll das “Böse-Eltern-Geschrei” schon in der Überschrift ?
(Na ja – in den Kommentaren zeigt sich, dass es gewirkt hat…)
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Eltern-lassen-Behinderten-Projekt-platzen-id16131516.html

Abseits vom “harten Leben” sieht´s aber dann gerne mal so aus: Von der Sonderschule ins (sozial getarnte) Nichts: 25% der “L-Schüler” tauchen nie auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt auf. Inklusion sollte das ändern, aber:

“…so wie es jetzt im Moment funktioniert, nämlich Inklusion mit null zusätzlichen Ressourcen und mit null zusätzlichen Mitteln, dann ist es einfach nicht möglich, tatsächlich den Kindern gerecht zu werden, egal ob sie behindert sind oder nicht behindert sind.”
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/archiv/foerderschule/-/id=660334/nid=660334/did=8711604/mz058n/

Angst vor Ausgrenzung auf Elternseite, wirtschaftliche Abhängigkeiten auf Betreuerseite, allgemeiner Geldmangel im Bildungssystem – da kommt man nur schwerlich mit objektiven Informationen durch.

Vielleicht beschäftigen sich die “offiziellen Verhandlungen” auch inzwischen schon längst mit eben diesen Ängsten und Abhängigkeiten – ich bin, wie gesagt, da nicht auf Laufenden. Und ich hab auch nicht den Nerv, mich mit dem offiziellen Kram auseinanderzusetzen… krieg ich ja nämlich fast einen Würgereiz, wenn ein Träger einerseits nett lächelnd irgendwo “Teilhabe”-Buttons verteilt, und andererseits alles auszubremsen versucht, was ihn “Macht und Geld” kosten könnte… igittigitt.

lesenswert an dieser Stelle:
“Die gesamte Branche lebt von der Exklusion. Geldgierige Wohlfahrt”
http://www.taz.de/!74546/

Unter dem wirtschaftlichen Aspekt noch was zu den vieldiskutierten Integrationshelferstunden:

(Diskussion z.B. hier: “Die Schule den Kindern anpassen – nicht umgekehrt!” http://www.macht-bildung.de/?p=1274 )

Interessant wäre, zu wissen, ob das Jugend- (Sozial-?)Amt für alle Intergrationshelferstunden den gleichen Stundensatz bezahlt. Die entsprechenden Stellen in den Institutionen bezahlen jedenfalls sehr unterschiedlich – und für mich hat das schon wiederholt so ausgesehen, als ob dieses “Integrationshelferding” von einigen einfach auch als nette Einkommens- und Arbeitskräftequelle genutzt wird. (Falls das Amt nur bezahlt, was die Integrationshelfer tatsächlich kriegen, vergesst den nächsten Abschnitt )

1. Ich stelle für das Leisten der genehmigten und (von Amt) finanzierten Stunden einen Freiwilligen / Ehrenamtlichen ein (z.B. im Rahmen eines FSJ) – der kostet mich allenfalls einen Apfel und ein Ei, das Geld vom Amt fließt fast komplett… äh… “in die Verwaltung”…

2. Ich bin privater Träger einer G-Schule und biete gleichzeitig einen Integrationshelferdienst an, spare das Einstellen von mehr Personal, und ziehe den Integrationshelfern noch “Verwaltungsgebühr” ab…

Wie gesagt, meine persönlichen Eindrücke mit hinterlistig platzierten Links. Über andere Eindrücke und Meinungen würde ich mich freuen. Hätte echt nichts dagegen, mit vielen meiner Einschätzungen ganz falsch zu liegen.

Foto von  Michael Bruns
lizensiert unter CC BY 2.0

Inklusion zum Mitdiskutieren

bei Macht Bildung!

“Nur Leute, die keine Ahnung haben, sind für Inklusion.
Fachpersonal denkt ganz anders darüber.”  ???

Ich disqualifiziere mich hiermit als Fachpersonal:

“Inklusion” heißt sicher nicht –
wie oft mit folgendem Schreckensszenario gegenargumentiert wird –
“Einsamer Downi muss ab morgen in Regelschule”

“Wir müssen die Inklusionsfähigkeit der Schulen erhöhen durch kleine Klassen, Lehrer mit entsprechenden Zusatzqualifikationen und eine ausreichende Anzahl an Sozial- und Sonderpädagogen an den Schulen.”

Ich habe als Erzieherin in einer Sonderschule G mit einer Förderschullehrerin zusammengearbeitet – die Fördereinheiten dabei oft in zusätzlicher Rücksprache mit einem erfahrenen “Regelschullehrer” geplant, bei Erziehungsfragen eine Sozialarbeiterin um ihre Einschätzung gebeten.

Von dieser “Inklusion auf Betreuerebene” haben sowohl die Betreuer selbst als auch die Schüler profitiert

- und immer wieder haben wir festgestellt, dass die Kinder im Rahmen einer gewissen “Sonderschulen-Betriebsblindheit” gerne auch unterschätzt und unterfordert (und damit unterfördert!) werden.

…übrigens auch oft von ihren Eltern, die sicher von einer “Inklusion auf Elternebene” in vielerlei Hinsicht auch profitieren könnten, z.B. bezüglich ihres elterlichen Selbstwertgefühls und nicht zuletzt auch in Sachen “soziale Kontakte”.

Vielleicht möchten ein paar betroffene Eltern zu diesem Thema etwas sagen ??

“Nicht die Kinder müssen sich dem Schulsystem anpassen, sondern die Schule den Kindern.”

Ob eine Schule, die sich dem besonderen Förderbedarf ALLER Kinder anpasst, überhaupt noch so viel “Ausschuss” produziert, dass sich getrennte Sonderschulen lohnen ?

*kopfkratz*

Nachdenkliche Grüße, evi.

Eure Meinung ist gefragt : Umstellung auf ein inklusives Bildungssystem

edit 14.Juni:

Bundeszentrale für politische Bildung: Über Widersacher der Inklusion und ihre Gegenreden

Viele Förderschulen befinden sich in privater Trägerschaft, entweder der christlichen Kirchen oder von Sozialverbänden und Stiftungen. Alle Privatschulen finanzieren sich auch über Pro-Kopf-Zuweisungen pro Kind. Die Inklusion behinderter Schüler in allgemeine Schulen könnte den Exodus behinderter Kinder zur Folge haben und damit den Privatschulen durch eine Abstimmung mit den Füßen die finanzielle Grundlage entziehen.

Robbie rennt.

“Dann besorgen Sie sich schon mal gute Laufschuhe ;) ”…

So endet der Übergabe-Bericht der Integrations-Erzieherin anlässlich der Einschulung von Robbie.

Robbie, Autist, taubstumm – er kennt 3 Zeichen: gut, warte, ohweh.

Und er rennt. Aus dem Gruppenraum, vom Spielplatz, auf die Straße, oder einfach weg.
Unrufbar taub, kein Blickkontakt.
Also hinterher rennen – oder festhalten, wenn grade keine Extra-Betreuung  zum Rennen abgestellt werden kann.

Pause auf dem Spielplatz:

Robbie rennt.
Ich renne hinterher und bringe ihn zurück.
So kennt er das. Seine Welt funktioniert.

GRENZE:
eingefangen und irgendwohin gezogen werden

Robbie rennt.
Ich renne hinterher und bringe ihn zurück.
Ich behalte ihn an der Hand. Er tobt. Er weint.
Ich halte ihn trotzdem fest. Er beruhigt sich.
Ich lasse ihn los.

Robbie rennt wieder.
Ich renne hinterher und bringe ihn zurück.
Ich halte ihn fest. Er tobt. Er weint.
Ich halte ihn trotzdem fest. Er beruhigt sich.
Er (er)wartet, dass ich ihn loslasse.
Ich halte ihn fest. Er tobt. Er weint.
Ich halte ihn trotzdem fest.

Zum 1. Mal schaut er mich an – mich, das Hindernis *.
(einige andere schauen mich auch an – mich, den Kinderquäler ;) )
Bis zum Ende der Pause bleibt er an meiner Hand.
Quengelt, beschwert sich, ist still, guckt mich einfach an.

Pause auf dem Spielplatz:

Robbie rennt.
Ich renne hinterher und bringe ihn zurück.
Ich lasse ihn los – und bleibe “auf der Grenze” stehen.
Er schaut mich an.

Ein Schritt vor – ein Blick zu mir. Ich schüttele den Kopf, drohe mit dem Finger.
(nicht lachen, das Zeichen kennt er halt…)
Ein Schritt zurück – ein Blick zu mir. Ich klatsche, Daumen hoch!
Ein Schritt vor – ein Blick zu mir. Ich schüttele den Kopf, drohe mit dem Finger.
Ein Schritt zurück – ein Schritt vor – Schritt zurück – zwei Tippelschritte vor – ein Satz zurück
… er schaut mich an – lacht.

Ein berechenbares “Wenn-Dann” mehr in seiner unberechenbaren Welt.

Mit diesem “Tanzschritt” klären wir noch andere für Robbie bisher unsichtbare – nicht nachvollziehbare,  nicht wahrnehmbare – Grenzen, z.B. die Sicherheitszone um die Schaukeln, den Gruppenraum, den Bürgersteig…

Und Robbie rennt. Frei. Bis an die Grenzen.

GRENZE:
frei bewegen dürfen
ohne eingefangen und irgendwohin gezogen zu werden

*Das “Sei ein Hindernis” hab ich von einem  Gebüsch gelernt
- aber das ist eine Geschichte, die ich noch nicht aufgeschrieben habe.

Förderziel: Kampfansage

Autist hat was falsch gemacht -
erstarrt kurz, lässt dann alles hängen, Schultern, Kopf, sogar die Ohren.
Zum Boden vor seinen Füßen sagt er:
“Am besten wär ich einfach gar nicht mehr da.
Ich mache eh immer alles falsch.
Ich bin immer verkehrt.”

einen Monat später:
Ich sage: “Das kannst du. Halte es aus. Tu es. “
Autist sagt zur Wand hinter mir:
“Wenn ich das tun muss,
rege ich mich furchtbar auf
und dann muss ich ausrasten.
Das willst du doch nicht, oder?”

- “Mach nur. Ausrasten stört mich nicht. Das überleben wir.”
Autist rastet aus – wir überleben es.
Autist ist etwas irritiert, scheint aber ganz zufrieden.
Macht. Hält aus. Kann.

zwei Monate später:
Ich sage zu Autist: “Du hast was falsch gemacht.” -
Autist erstarrt. Autist lässt alles hängen, Schultern, Ohren…
Autist hebt den Kopf und sagt zu einem Unsichtbaren irgendwo neben mir:
“Das war nicht meine Schuld.
Das war dein Fehler.
Du hast was falsch gemacht.”
-
Ich denke.
“Shit, du hast recht”, muss ich zugeben.
Autist ist zufrieden. Mit uns.

ein paar Monate später:
Riesenkrach mit Autist, der was falsch gemacht hat und jetzt ausrastet.
Er ist Anspannung pur, schlägt, tobt, schimpft, hasst (mich).
Er schaut mir in die Augen, funkelt mich an:
“Ich weiß, dass ich das kann.
Beim nächsten Mal werd ich´s dir beweisen.”


Die Psychologie sagt: “Hilflosigkeit” ist lernbar.

Lass mich erleben, dass ich nichts kann.

  • Sag: “Das will ich dir nicht zumuten.”
  • Sag: “Das probieren wir lieber nicht mehr.”
  • Beschütze mich – immer und überall.
  • Sag voller Mitleid  und ganz verständnisvoll:
    “Du kannst ja nichts dafür. Ich mag dich trotzdem.”

Ich weiß, du meinst es gut mit mir. Ich glaube dir.

“Der Mediziner und Psychotherapeut Aaron T. Beck nimmt an, daß bei depressiven Menschen negative Gedanken über sich selbst, ihre Umwelt und die Zukunft vorherrschend sind, welche die Depression auslösen und aufrechterhalten. Die Basis sollen dysfunktionale Grundüberzeugungen sein, die Beck auf Erfahrungen und die Familienbeziehungen in der Kindheit zurückführt.” … weiter lesen


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