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Sprache und Autismus

aus dem Leben von Oliver S., Autist, 13 Jahre

Sprache und Sprachkompetenz entwickeln sich in der Kommunikation und sozialen Interaktion auf Grundlage der sozialen Wahrnehmung. In der sozialen Wahrnehmung liegen jedoch wesentliche Probleme des Autisten: Das wirkt sich negativ auf die Sprachkompetenz aus. Sprache ist gleichzeitig wichtiges Mittel für Kommunikation und soziale Interaktion: Und so erschweren Sprachprobleme wiederum die soziale Wahrnehmung.

Über das Medium “Sprache” (>Begriffsbildung) wird die Welt für das Kind “begreiflich”: Viele “Inhalte” und Zusammenhänge in der Mensch-Umwelt-Beziehung entgehen Oliver aufgrund mangelnder Sprachkompetenz.

Er ist ständig auf der Suche nach für ihn verlässlichen Zusammenhängen und reagiert bei Änderungen im Ablauf frustriert (ängstlich u./o. aggressiv).

Beispiel:

Aus dem regelmäßigen Ablauf:
Singen des Abschlussliedes am Ende des Schultages – Bus kommt – Kinder fahren heim

erkennt Oliver den Zusammenhang:
Abschlusslied – Bus kommt
und schließt aus der regelmäßigen Zusammenfallen dieser beiden Erscheinungen in gleicher zeitlichen Abfolge auf einen kausalen Zusammenhang:
Wenn(weil) wir das Abschlusslied singen, kommt der Bus.

Daraus ergibt sich für Oliver bei Änderungen im Ablauf eine undurchschaubare / unkontrollierbare Situation:
Wir singen ein anderes Abschlusslied – kommt der Bus trotzdem?
Wir singen kein Abschlusslied – also kommt der Bus gar nicht?

Ohne entsprechende “Kommunikationsmöglichkeiten” kann er seine Unsicherheit nur in Schreien, Weinen und aggressivem Verhalten ausdrücken – ohne Sprache kann ich ihm die tatsächlichen Zusammenhänge nicht erklären bzw. kann er sie nicht verstehen…

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