Erzieherausbildung an die Hochschule ?
Die Befundlage zur Entwicklung kognitiver und sozioemotionaler Kompetenzen von Kindern unter dem Einfluss „professioneller“ Betreuung ist durchwachsen. In einem kurzen Überblick könnte man zusammenfassen, dass
- nach wie vor der größte Einfluss vom Elternhaus ausgeht
- die Qualität der Betreuung aber eine große Rolle spielt
In diesem Zusammenhang und zusätzlich in Anbetracht der steigenden Anforderungen an eine/n Erzieher/in wird die bisherige Berufsausbildung immer mehr in Frage gestellt. Auch in Deutschland wird nun ein Hochschulstudium für ErzieherInnen gefordert, wie es in den meisten europäischen Ländern schon lange üblich ist.
Meine eigene Erfahrungen mit der ErzieherInnenausbildung an einer Fachschule und der nachfolgenden Tätigkeit erst in einem integrativen Kindergarten, dann in einer Schule für Geistigbehinderte und inzwischen freiberuflich neben einem Psychologiestudium:
++ Fachdidaktik:
Davon profitier ich heute noch, nicht nur im Zusammenhang mit erzieherischen Arbeiten.
Über die sehr detaillierten Ausführungen zur Planung und Durchführung von Förderangeboten, die verlangten endlos vielen und langen theoretischen Ausarbeitungen und die nervenaufreibenden praktischen Lehrübungen (mit „fremden“ Versuchskindern) habe ich während der Ausbildung viel geschimpft. Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass die daraus gewonnene Routine den Transfer in ähnlichen Situationen mit ähnlichen Anforderungen angenehm erleichtert.
Und was mir damals als „nerviger Kleinkram“ völlig überflüssig und nicht erwähnenswert vorgekommen ist, hat sich später als „Basishandwerk“ bewiesen.
Ein Beispiel von vielen: Während meine damalige Kollegin (Studium der Sonderpädagogik) die Unruhe bei der morgendichen Begrüßungseinheit in der Kuschelecke als „gegeben“ hingenommen hat, hat der versuchsweise eingeführte morgendliche Stuhlkreis mit klaren „Sitzregeln“ (deins, meins, vorne, hinten…) unvermutete Kapazitäten an Aufmerksamkeit freigesetzt.
- Pädagogik:
Hat mir insgesamt wenig geholfen, es wurden mehr Praxis-Konzepte als theoretische Grundlagen geliefert. Ohne theorethische Grundlagen kann man aber Konzepte nicht an die tatsächlichen Gegebenheiten in der speziellen Praxis anpassen. Und ich habe heute noch eine Konzeptallergie…
+- Psychologie:
Naja, da kam gerade genug, um Interesse zu wecken… und trotzdem hatte ich im Vergleich mit den „studierten“ Sonderpädagogen oft den Eindruck, dass die in ihrer Ausbildung von „Entwicklungspsychologie“ oder Sachen wie „Selbstkonzept“ oder „Personenwahrnehmung“ noch weniger bis nichts gehört hatten.
Inzwischen studier ich Psychologie, und mir ist dabei schon einiges begegnet, was mir meine „Erzieherarbeit“ bestimmt wesentlich erleichtert hätte und auch den Kindern, der Elternarbeit, der Arbeit im Team und nicht zuletzt auch der Selbstreflexion und selbstorganisierten Weiterbildung sicher zugute gekommen wäre:
- aus der Pädagogischen Psychologie z.B.: Erziehungsstile und Auswirkungen – autoritär, nachgiebig, gleichgültig, autoritativ …
- aus der Sozialpsychologie: Innergruppenverhalten und Intergruppenkonflikte
- aus der Entwicklungspsychologie: Moralentwicklung
- allgemein: Lerntheorien, Kommunikationskompetenz, Informationsverarbeitung, Informations- und Medienkompetenz, kritisches Denken
Zu den Inhalten der Fächer Musikerziehung („Glockenspiel spielen“) und Naturkunde („Blätter sammeln“) äußere ich mich hier lieber nicht
Trotzdem ich mich vage an einen (vom Französischlehrer improvisierten) Unterricht in „Rechtskunde“ erinnern kann, musste ich mir alles wichtige zum Sozialgesetzbuch, möglichen Hilfe- und zusätzlichen Förder- und Betreuungsmaßnahmen, Zuständigkeiten unterschiedlicher Träger, Verfahrensweisen im Verwaltungsdschungel und ähnliches selbst zusammensuchen. Das wird spätestens da echt doof, wo man noch nicht mal weiß, dass es etwas zu suchen gibt. Ich treffe heute noch regelmäßig Erzieher, die z.B. in sonderpädagogischen Einrichtungen arbeiten und noch nie was von „Verhinderungspflege“ , „niedrigschwelligen Betreuungsangeboten“ oder unterschiedlichen Jugendhilfemaßnahmen etwas gehört haben. Das ist vor allem für die Eltern betroffener Kinder einfach schade.
Aus meiner Sicht spricht also einiges für die „Akademisierung der ErzieherInnenausbildung“.
Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass ich ohne die praktischen Inhalte während meiner regulären Erzieherausbildung nicht „an der Front“ zu gebrauchen wäre. Mit am hilfreichsten für den Erzieheralltag fand ich die Tips und Ratschläge erfahrener, i.d.R. “unstudierter” Kollegen.
Allerdings sehe ich auch viele „erfahrene“ Erzieher, die mit den Erfahrungen „von früher“ den Anforderungen von heute nicht mehr gerecht werden können oder wollen und auch keinen Weiterbildungsbedarf sehen… die aus Angst vor Veränderungen gepaart mit einem Mangel an Informationskompetenz und fehlender „Übung“ im wissenschaftlich-kritischen Denken betriebsblind und anachronistisch vor sich hin erziehen…
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung berichten: Ein Studium vermittelt nicht nur fachbezogene Inhalte, sondern trainiert auch die eigenen „Erkenntnisaktualisierungsfähigkeiten“. (Das ist eine etwas unbeholfene Formulierung – falls irgendjemand das in wenigen Worten verständlich rüberbringen kann… gerne!)
Insgesamt bin ich der Ansicht, dass ein Studium das Ergebnis „guter Erzieher“ nicht garantiert, die Chance auf „qualifizierte Betreuung“ jedoch trotzdem erhöht, nicht zuletzt auch deshalb, weil es eine breitere Basis für diverse Weiterbildungen / Spezialisierungen liefert als die Fachschulausbildung.
Meine Meinung: ErzieherInnen sollen studieren (müssen.)
Ein umfassenderes Meinungsbild findet ihr hier – und an dieser Stelle würde mich auch eure Meinung interessieren
Studie: “Kunst ist Geschmacksache – und die Geschmäcker sind verschieden, ODER?”
Wenn Ihr meine Projektgruppe im empirischen Praktikum unterstützen wollt:
Ich freue mich über zahlreiche Teilnehmer an der oben genannten Studie ![]()
(… dauert nach den ersten Rückmeldungen etwa 20 Minuten)
Hier der allgemeine Link zu Studie: Unipark / Fernuni Hagen
Und hier der Link, über den die Psychologiestudierenden der Fernuni Hagen sich 1,5 Versuchspersonenstunden (in etwa 20 Min^^) “erarbeiten” können:
Virtuelles Labor / PC63
Kritische Anmerkungen und Rückmeldungen jeglicher Art sammele ich gerne als hilfreiche Kommentare unter diesem Artikel – und die Ergebnisse werde ich hier auf dem Blog natürlich auch posten – kann aber März werden.
Danke schon mal an alle, die bereits teilgenommen haben – und an alle die bis zum 9.Januar noch teilnehmen – und natürlich an alle, die die Links weiterschicken oder schon weitergeschickt haben
Ich höre (Staats-)Stimmen…
Sehr geehrter Bürger,
Sie waren nicht mehr bereit, von einem befristeten Teilzeitarbeitsverhältnis auf´s nächste zu hoffen.
Deshalb haben Sie sich auf Anraten des Arbeitsamtes selbstständig gemacht.
Zusätzlich haben Sie ein Studium aufgenommen.
Es freut uns, dass Sie in Eigeninitiative etwas für Ihre Bildung tun.
Es freut uns, dass Sie aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden sind
und gleichzeitig einem willigeren Arbeitnehmer die Chance auf einen Pseudo-Arbeitsplatz lassen.
Als Selbstständiger verdienen Sie laut Gesetz mindestens 2000 € / Monat.
Davon gehen 15% an eine Krankenversicherung Ihrer Wahl.
Sollten Sie entgegen staatlicher Anordnung weniger als 2000 € / Monat verdienen,
berechnen sich Ihre Krankenkassenbeiträge wie folgt:
- 1000 € -> 30 %
- 500 € -> 60 %
- 250 € -> 120 %
Stellt diese Beitragsregelung für Sie ein Problem dar, nehmen Sie bitte einfach wieder eine geregelte Arbeit auf!
Wir haben hier einige interessante Angebote für Sie:
„befristetes Arbeitsverhältnis, Teilzeit, fexibel“
Sie dürfen dort 19,5 h in der Woche arbeiten und werden nach Tarif als „Einsteiger“ bezahlt.
Dafür übertragen Sie bitte einfach nur per Unterschrift die Exklusiv-Rechte an Ihrer Zeit dem entsprechenden Arbeitgeber, dem Sie flexibel jederzeit zur Verfügung stehen sollten – Überstunden machen Sie aus Dankbarkeit als persönliches Engagement.
Da Sie damit vermutlich nicht genug verdienen, sich aber aufgrund Ihrer „Flexibilität“ keinen Zweitjob suchen können, wenden Sie sich bitte zusätzlich an das Sozialamt Ihres Vertrauens.
Einfacher wäre es, wenn Sie dort gleich HartzIV beantragen könnten.
Sobald Sie Ihre Altersvorsorge an uns überschrieben haben, kümmern wir uns auch um Ihre Bildung:
Für ein Studium haben Sie die Altersgrenze zwar überschritten, aber wir bieten Ihnen statt dessen eine 6-monatige Weiterbildungsmaßnahme „Puzzlen für Fortgeschrittene“ an – unter Anleitung hochqualifizierter, von uns großzügig finanzierter Fachkräfte.
Was halten Sie von diesem Angebot ?
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Staat
Gibt es ein Leben nach der MC-Klausur ?
Klar – und das sieht im Moment so aus:
Die einen sammeln Klausurfragen
- aus dem Gedächtnis, aus stenoartigen Mitschriften oder woher auch immer…
Die anderen sammeln Beschwerden...
- “unscharf formuliert”
- “viel zu detailliert gefragt”
- “nie gehört”
- “wo soll denn das stehen”
- “Lernen kann doch nicht Auswendiglernen sein!”
- “Wieso kriegen wir die Fragen nicht?”
- …
Dazu parallel läuft noch eine Verschwörungstheorie “Der Link”
… den gibt´s übrigens hier.
(Und nach dem schreien die am lautesten, die … *grummelgrummel*)
Ich arbeite mich seit Tagen mit der Adobe-Reader-Suchfunktion durch die PDFs der Studienbriefe und stelle dabei fest:
die Formulierungen der Multiple-Choice-Fragen hangeln sich wesentlich öfter ganz eng am Text entlang, als mir Anti-Auswendig-Lerner lieb ist.
Verstehen kann ich dieses Vorgehen mit engem Textbezug:
Wo so viel mit Klagen gedroht wird wie hier bei den Psychos, ist man mit
“guck, da steht´s genau so” auf der sicheren Seite.
Ich mag MC nicht sonderlich.
Mein Talent liegt mehr darin, von Kuchenbacken auf Arschbacken zu kommen,
über letztgenannte möglichst viel und beeindruckend zu erzählen -
und dafür dann meine -wohlverdienten
– Punkte zu kriegen.
MC deckt leider gnadenlos auf, was ich nicht oder nicht so ganz genau weiß.
Und weil ich halt “arrogant” genug bin, nur zu lernen, was MIR wichtig, interessant und/oder sinnvoll erscheint… muss ich halt damit leben, dass ich zu vielen Kapiteln rate und einige meiner erhofften Klausurpunkte an Formulierungen und Distraktoren zerschellen.
Und jetzt könnt ihr mich erhängen oder vierteilen oder auf dem Scheiterhaufen verbrennen:
Das hier ist ein Studium. Ich muss mir die Inhalte selber erarbeiten. Und wenn die Uni mir nur eine Literaturliste und die Lernziele schicken würde – dann müsste ich erwachsen und kompetent genug sein, mich auf diese Klausur vorzubereiten. Ich krieg aber neben den Studienbriefen und einem betreuten Diskussionsforum sogar noch die entsprechenden Seiten aus der (Grundlagen- und Zusatz-)Literatur eingescannt und zur Verfügung gestellt…
deshalb kann ich dem Geschimpfe nicht ganz folgen.
Ich halte die Klausurfragen nicht für Schikane – und “unglückliche” Formulierungen für menschlich.
Ein “omnipotenter” Professor wär mir unheimlich.
Aber gut:
“Dass ich paranoid bin, heißt nicht, dass ich nicht verfolgt werde” Woody Allan
- vielleicht siebt die Uni auch tatsächlich aus… Darf die Uni das ?
Ich hab schon erste Stimmen vernommen, man solle bitte die Zugangsbedingungen für diesen Studiengang erschweren, damit man die Klausuren leichter machen kann.
Wie jetzt?
Bildung für alle – dann müssen sich diese “alle” eben anstrengen…
oder Bildung als Konsumgut und Dienstleistung für die, die es sich leisten können – und von den anderen bitte nicht gestört werden wollen?
Egal: Ob mit oder ohne bestandene M3-Klausur -
für´s nächste Semester zieh ich bei Beabea ein,
besuche regelmäßig Neve
und lass es gemütlich angehen.
Und wenn noch jemand - jetzt nach der Klausur oder auch gleich vor der nächsten Klausur - einen Schweinehund übrig hat :
Gebt den Schweinehund nicht ins Tierheim, gebt ihn mir… ich sammele nämlich weiter.
