"Kinder lernen aus den Folgen…"
… aber nur dann, wenn sie Ursache und Wirkung auch im Zusammenhang erfassen und die Ursache beeinflussen können.
Mache ich ein Kind, das damit noch überfordert ist, für sein Verhalten verantwortlich, bezieht es frustrierende Konsequenzen nicht auf sein Verhalten, sondern auf seine Person. Sein Selbstwertgefühl wird angegriffen, es entwickelt Versagensängste.
Wenn ich „bestimme“, was gemacht wird (was stimmt), übernehme dafür die Verantwortung – und die Pflicht, „schuld“ zu sein.
Das Kind erfährt für sein Verhalten Konsequenzen, trägt aber zunächst nicht die Verantwortung.
Übernehme ich die Verantwortung für die Situation, richtet sich der Focus seiner Frustration auf mich – es reagiert mit Aggression und Ablehnung mir gegenüber. Das heißt, es richtet seine Gefühle nach außen, wo es sie ansehen und damit umgehen kann. Letztlich kann es Misserfolge gelassener nehmen und sich entspannter auf neue Herausforderungen einlassen.
Dafür bin ich da – nicht Kumpel, sondern “Reibepunkt”. Nicht Partner, sondern Erzieher.
Auf dieser Grundlage schaffe ich einen Rahmen, in dem ein Kind frei von Verantwortung / Schuld sozusagen „unschuldig“ und neugierig sich und seine Umwelt erfahren, ausprobieren, erleben, begreifen kann. Es lernt, Zusammenhänge zu verstehen – und kann in dem Maße, wie es diese nachvollziehen kann, zunehmend selbst die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen – sich selbst bestimmen.
Vom BehindertSein und BehindertWerden
Das behinderte Kind: häufig überfordert - noch häufiger unterschätzt.
Überfordert von unseren Vorstellungen von „normal“, und gleichzeitig unterschätzt bezüglich seiner individuellen Fähigkeiten und Interessen:
Wir helfen zu viel (weil wir ein gutes Herz haben oder schwache Nerven?) und vermitteln ihm damit den Eindruck „Das kannst du nicht“.
Wir versuchen, es vor negativen Erfahrungen zu schützen.
Und aus Angst vor dem Vorwurf: „Du hast nicht richtig acht gegeben“, nehmen wir ihm den Raum, eigene Erfahrungen zu machen.
So traut es sich selbst nichts zu, übernimmt unsere Furcht vor Misserfolgen, verweigert die Auseinandersetzung mit schwierigen Aufgaben. Dieses Vermeidungsverhalten steht jeglichem Erfolgserlebnis im Weg – und behindert die Entwicklung eines Kindes. Dieses Vermeidungsverhalten hat es von uns gelernt – wir behindern die Entwicklung des Kindes.
Was uns im Leben am meisten Not tut ist ein Mensch, der uns zu dem zwingt, was wir können.
(Ralph Waldo Emerson)
Gerade das behinderte Kind ist auf eine Bezugspersonen angewiesen, die ihm immer wieder mehr zutraut als es sich selbst. Mit jeder Erfahrung, dass es die Aufgaben, die ich ihm zu lösen zutraue, tatsächlich lösen kann, wachsen sowohl sein Selbstvertrauen als auch das Vertrauen in mich und damit seine Bereitschaft, sich auf meine „Ideen“ einzulassen:
Es vertraut sich meiner Führung an.
Ab diesem Moment kann ich dem Kind größtmöglichen Freiraum zum Machen eigener Erfahrungen lassen – dabei übernehme ich die Verantwortung für mögliche “Gefahren”:
Wassergräben können nasse Füße bedeuten, das Verlassen befestigter Wege birgt viele Stolperfallen, das Erlernen des richtigen Umgangs mit einem Messer setzt einen gewissen Vorrat an Wundpflaster voraus…Verluste materieller Art (Geschirr u.a.) gehören ebenso dazu wie befremdete oder vorwurfsvolle Blicke Dritter.
Und wenn ich eine Situation falsch eingeschätzt oder es auch mal überfordert hab, trage ich auch dafür die Verantwortung.
Damit kann ich leben – und das Kind kann es auch,
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