Erfahrenes Westernpferd sucht Gleichgewicht
und wünscht dabei nicht gestört zu werden…
Quarterstute: vor Jahren ausgemustertes Reiningpferd, klein, schnell, wendig, sensibel, intelligent, reagiert willig auf Gewichtsverlagerungen – trotz fortgeschrittenen Alters Herdenchef, beim Reiten kampferprobt…
Gelernt hat sie:
Der Mensch verlagert sein Gewicht und ich rette das gemeinsame Gleichgewicht mit einer entsprechenden Reaktion - beschleunigen, bremsen, in die Kurve legen.
Klein und wendig wie sie ist, kriegt sie sich durch die entsprechenden Manöver sortiert.
Selbstbewusst wie sie ist, arrangiert sie sich mit der ständigen Suche nach dem Gleichgewicht.
Intelligent und sensibel wie sie ist, reagiert sie möglichst schnell – am besten schon vor der “Anweisung von oben” = bevor das System ins Wanken gerät. (nicht immer im Sinne des Reiters, grins)
-> ein selbstständig arbeitendes Gebrauchspferd, das für sich selbst herausgefunden hat, wie man sich mit Mensch bewegt, ohne auf die (Pferde-)Schnauze zu fallen.
Westernreiten … für Pferde mit entsprechendem Körperbau und viel Gelegenheit, auf tagelangen Ritten in abwechslungsreichem Gelände Kraft, Ausdauer und Gleichgewicht zu trainieren. Vielleicht.
Westernreiten als (Nicht-)Ausbildungs-System?
Als notgedrungenes Reagieren auf Gewichtsverlagerungen nach dem Motto
“Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner”?
Hauptsache “loser Zügel” ?
Ein Pferd, das in Körperbau und Größe nicht gerade dem idealen “Westernpferd” entspricht, wird so (un)ausgebildet jahrelang höchst konzentriert mit sich beschäftigt seinem Gleichgewicht hinterherschwanken – und dabei auf störende Ratschläge von Reiterseite unwillig bis leicht panisch reagieren. (“lass mich in Ruhe, ich muss denken”)
Ein loser Zügel alleine macht noch kein losgelassenes Pferd.
Auch für die Stute scheint trotz Westernpferde – Proportionen die “Arbeit unter dem Sattel” ein echtes Ärgernis zu sein: Sie lässt sich nur mit viel Mühe überhaupt zum Reiten von der Koppel holen, buckelt unter dem Reiter, rennt…das ständige Rennen nach dem Gleichgewicht stresst auf die Dauer Körper und Geist.
Westernreiter von heute trifft Westernpferd “von damals”:
Auf gutgemeinte Hilfen - für ein anatomisch sinnvolles Ausbalancieren und damit gegen den Stress - reagiert die Stute unwillig, aber inzwischen “diskussionsbereit”… Vom vertrauensvollen Annehmen (und Umsetzen) von Gewichts-, Schenkel- oder ZügelHILFEN ist sie noch ein paar Trainingseinheiten weit entfernt…